20. September 2021 / 18:20 Uhr

Beim 1. FC Union Berlin stellt nur die Bank Garantien aus

Beim 1. FC Union Berlin stellt nur die Bank Garantien aus

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Bankspieler: Unions Andreas Voglsammer (M.) verkürzte in Dortmund zwischenzeitlich auf 2:3.
Bankspieler: Unions Andreas Voglsammer (M.) verkürzte in Dortmund zwischenzeitlich auf 2:3. © AP
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Der Fußball-Bundesligist Union Berlin heimst trotz der Niederlagen bei Slavia Prag und Borussia Dortmund viel Lob ein – wirklich überzeugend trat die Mannschaft aber jeweils erst in der zweiten Halbzeit auf, als Union-Trainer Urs Fischer auf seine Einwechselspieler setzte.

Dem 1. FC Union Berlin ist zu wünschen, dass Manager Oliver Ruhnert in die Verträge der Profifußballer möglichst geringe Auflaufprämien hineinverhandelt hat. Denn eines ist gewiss beim Bundesligisten: dass Trainer Urs Fischer auch seinen Spielern aus der zweiten Reihe vertraut. Die Statistik zeigt, dass Fischer in den vergangenen fünf Pflichtspielen stets von seinem vollen Wechselkontingent Gebrauch machte – und das meist nicht erst in der Schlussphase. Wohl dem, der immer fünf frische Kräfte bringen kann, die dem Spiel der eigenen Mannschaft Impulse geben. Möchte man meinen. Aber die Fischer’sche Rotationsmaschine verdeckt auch ein paar Probleme Unions.

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Zwar sagt der Trainer häufig, dass alle Spieler gleichwertig seien, wichtig für den Erfolg; dass ein Gebilde homogen sein müsse. Aber natürlich sind ein paar Spieler im Kader dann doch etwas wichtiger als andere. Union hat im Wesentlichen zwei (offensive) Unterschiedsspieler in seinen Reihen, Max Kruse und Taiwo Awoniyi, ansonsten viel Durchschnitt. Kevin Behrens, verpflichtet vom Zweitligisten SV Sandhausen, oder Andreas Voglsammer, gekommen vom nächsten Union-Gegner Bielefeld, machen ihren Job bislang gut, die Klasse Kruses oder Awoniyis besitzen sie aber nicht. Ähnliches gilt fürs Mittelfeld, wo Robert Andrich eine große Lücke hinterlassen hat.

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Am ersten Gruppenspieltag der Conference League gastiert der 1. FC Union Berlin am Donnerstagabend beim tschechischen Traditionsverein Slavia Prag und muss sich mit 1:3 geschlagen geben. Zur Galerie
Am ersten Gruppenspieltag der Conference League gastiert der 1. FC Union Berlin am Donnerstagabend beim tschechischen Traditionsverein Slavia Prag und muss sich mit 1:3 geschlagen geben. ©

Auch deshalb wechselt Fischer fleißig durch, eine zu große Abhängigkeit der beiden Stürmer will er vermeiden. Zuletzt hatten Awoniyi und Kruse einen schweren Stand, vor allem im Duell mit Slavia Prag rieben sie sich auf, ohne für ihren Einsatz belohnt zu werden.


Für die Niederlagen zum Conference-League-Gruppenauftakt in Prag (1:3) und am Sonntag in der Liga in Dortmund (2:4) heimste Fischers Elf unterm Strich viel Lob ein, aber keine Punkte. Hoher Aufwand, wenig Ertrag, das ist unüblich für Union, und liegt vielleicht auch am Kräfteverschleiß. „Es beschwert sich keiner, wir genießen das. Wir haben ein Jahr hart dafür gearbeitet“, sagte Torhüter Andreas Luthe zwar nach der Dortmund-Partie.

Wenn die etatmäßigen Stammspieler angesichts der hohen Belastung aber seltener ihr volles Potenzial ausschöpfen können, droht den Berlinern eine ungemütliche Saison. „Wenn du schon nach zehn Minuten durch einen Sonntagsschuss in Rückstand gerätst, dann ist das natürlich schlecht. Danach hat man schon Hektik und Nervosität bemerkt bei uns“, sagte Fischer zum Spiel beim BVB.

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In den beiden vergangenen Pflichtspielen drückten die Unioner erst in der zweiten Halbzeit ihr Spiel in Ansätzen durch und stellten ihre Gegner (doch noch) vor Probleme, jeweils, nachdem Fischer frische Kräfte aufs Feld beordert hatte – und jeweils nach Rückstand. „Auf der zweiten Halbzeit können wir aufbauen“, sagte Innenverteidiger Marvin Friedrich nach dem Dortmund-Spiel. Die Bank funktioniert also bei Union – das ist die eine Sichtweise. Die andere wäre: die Startelf funktioniert vielleicht noch nicht so sehr, wie von Trainer, Verein und Fans erhofft.