21. Oktober 2021 / 13:38 Uhr

96-Abwehrchef Börner: „Müssen Hintern zusammenkneifen und loslegen“

96-Abwehrchef Börner: „Müssen Hintern zusammenkneifen und loslegen“

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hier spricht der 96-Abwehrchef: Julian Börner hat eine klare Meinung.
Hier spricht der 96-Abwehrchef: Julian Börner hat eine klare Meinung.
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Julian Börner ist als Führungsspieler geholt worden. Dem wird der 30-Jährige gerecht – der Innenverteidiger will die Kollegen aufrütteln. Das Interview zur 96-Lage.

Julian Börner, Sie haben jüngst als Mathelehrer Schüler unterrichtet. Wie geht Ihre Rechnung, dass es mit 96 besser wird?

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Die Formel habe ich auch noch nicht gefunden. Dass wir nicht zufrieden sind, ist kein Geheimnis. Es ist ein geiles, homogenes Team mit guter Stimmung. Aber wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir Spieler uns an die eigene Nase fassen müssen. Und uns hinterfragen müssen, ob wir in den letzten Spielen alles gegeben haben. Setzen wir taktisch alles um, was uns der Trainer mitgibt? Wer die 2. Liga kennt, der weiß, jeder Einzelne muss immer an die absolute Leistungsgrenze kommen, um Spiele gewinnen zu können. Da schließe ich mich selbst natürlich auch ein. Das hat immer wieder in den Spielen gefehlt.

Warum ist das so?

Zu viele Spieler kommen nicht an ihre Form heran, die sie schon gezeigt haben. Sie müssen die Sachen, die sie stark machen und damit auch uns als Team, wieder auf den Platz bringen

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Ist das auch Thema untereinander, sprechen Sie das als Führungsspieler an?

Natürlich sitzen wir zusammen, ob in kleinen oder großen Gruppen. Das ist unser Job. Ich komme über die Mentalität und versuche, den Jungs, von denen ich weiß, sie können es besser, mal einen Tritt in den Hintern zu geben. Denn so geht’s nicht, und so macht’s keinen Spaß. Aber wir können es besser – das ist jetzt die Aufgabe in dieser Woche.

Wie reagieren die darauf angesprochenen Spieler?

Es gibt einen guten Austausch in der Mannschaft. Das finde ich auch wichtig, denn man sollte schon wissen, wie der Vorder- und Nebenmann tickt. Ich will nie hören, wir sind eine blutleere Truppe. Denn dann würde ich richtig ausrasten.

Müsste nicht auch über eine neue Taktik oder neues System, zum Beispiel mit zwei Stürmern, nachgedacht werden?

Das ist aus meiner Sicht der falsche Ansatz. Wir hatten gegen Schalke einen Matchplan, den wir durchgängig die ganze Woche über geübt haben. Aber wenn die einfachsten Bälle nicht ankommen, hilft das alles nichts. Wir brauchen nicht über Taktik und Systeme zu reden, jeder muss nur das auf den Platz bringen, was er kann und ja auch schon gezeigt hat. Ich will dabei übrigens auch gar nicht auf die Offensive schimpfen, ich kann ja genauso ein Tor machen. Wir müssen das jetzt als Team hinkriegen und zusammen Chancen herausspielen. Wenn Lukas Hinterseer keine Bälle kriegt, kann er auch keine Tore machen.

Wie viel Zeit geben Sie sich denn?

Wir müssen natürlich Schritt für Schritt vorankommen. Natürlich haben wir einen großen Umbruch gehabt. Und es ist klar, dass in so einer Entwicklung auch mal Rückschläge dazugehören. Aber wir haben jetzt Mitte Oktober und stehen auf Platz 14. Das müssen wir ändern. Wir müssen den Hintern zusammenkneifen und loslegen. In nicht so positiven Zeiten wie jetzt zeigt sich, ob da wirklich ein Team in der Kabine sitzt und auf dem Platz steht.

Reicht denn die Qualität?

Die ist absolut da. Aber davon zu reden bringt nichts, wir müssen sie zeigen.


Wie gefährlich ist trotzdem die Situation?

Die Tabelle lügt nicht. St. Pauli und Regensburg stehen nicht zu Unrecht da oben. Also haben sie vieles besser gemacht als wir. Wir haben gesagt, der Umbruch braucht Zeit, aber ein Drittel der Saison ist bereits gespielt. Natürlich suchen wir alle Punkte, wo wir ansetzen müssen, um es besser zu machen. Es ist jedenfalls nicht mein Anspruch, im Niemandsland herumzudümpeln, mal zu gewinnen und mal zu verlieren. So sinusfunktionsmäßig, wellenförmig. Ich will schon eine ständige Aufwärtstendenz sehen. Je länger wir da unten drinstecken, umso ekliger wird’s. Das kenne ich aus Erfahrung.

Immerhin ist 96 defensiv stabiler geworden.

Gegen den Ball machen wir es schon gut. Uns hat keine Mannschaft Knoten in die Beine gespielt. Wenn wir kompakt stehen und gezielt ins Pressing gehen, das klappt gut. Aber der Lukas könnte jetzt auch sagen, wenn die das von hinten mal vernünftig herausspielen und mir Bälle servieren würden, würde ich auch mal einen reinnicken.

Ein Mittel für Tore wären Standards ...

Klar, aus Standards machen wir viel zu wenig. Beim Training am Tag vorm Schalke-Spiel war jeder Ball drin, da haben auch Varianten geklappt. Ich fasse mir da auch an meine eigene Nase, ich hätte auch schon den einen oder anderen reinmachen müssen.

Jan Zimmermann ist neu im Profibereich. Hört sich der Trainer Ihre Meinung als erfahrener Spieler an?

Wir sitzen oft zusammen und reden darüber, was wir besser machen können. Der Austausch war selten in meiner Karriere so offen zwischen Trainerteam und Mannschaft. Ich habe schon mehr Trainer erlebt, als ich Unterwäsche im Schrank habe (lacht). Da nimmt man eine Menge mit. Wir sitzen in einem Boot, dazu gehören wir Spieler, aber auch der Trainer.

Am Sonntag beim Zweiten in Regensburg – das klingt schon nach der nächsten schweren Aufgabe?

Es ist ein Überraschungsteam, bei dem sehr gut gearbeitet wird. Trotzdem glaube ich an unsere Mannschaft. Wenn wir die Grundtugenden und den Mut auf den Platz bringen, wieder Fußball spielen zu wollen, können wir da gewinnen.

Glauben Sie, dass alle Spieler verstanden haben, worum es geht?

Die Frage kann ich nach dem Spiel beantworten. Entweder ja, es haben alle kapiert – oder es muss noch rauer werden.

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