15. Juli 2020 / 12:58 Uhr

Amateurfußballer müssen mit mehr Staffeln und weniger Spieltagen rechnen

Amateurfußballer müssen mit mehr Staffeln und weniger Spieltagen rechnen

Jürgen Brumshagen
Kieler Nachrichten
Die Dreiteilung der Landesliga wird die Zahl der zuschauerträchtigen Derbys (hier Heikendorf gegen SVE Comet) gerade in der Region Kiel deutlich steigen lassen, weil West- und Ostufer wieder in einer Staffel zusammenrücken können. 
Die Dreiteilung der Landesliga wird die Zahl der zuschauerträchtigen Derbys (hier Heikendorf gegen SVE Comet) gerade in der Region Kiel deutlich steigen lassen, weil West- und Ostufer wieder in einer Staffel zusammenrücken können.  © Karsten Freese
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Anateurfußball: Konzeptpapier des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes stößt auf breite Zustimmung - Verantwortliche äußern sich zur Änderung

Der Amateurfußball in Schleswig-Holstein steht vor radikalen Veränderungen. In Abstimmung mit dem von Klaus Schneider (Lübeck) geleiteten Spielausschuss des Landesverbandes haben sich die 18 Fußball-Oberligisten den Kopf zerbrochen, nach welchem Modus die Saison 2020/21 in Schleswig-Holstein ausgetragen werden soll.

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Das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Aber nicht nur die Oberliga, auch der gesamte Spielbetrieb von der Landesliga bis hinab zur Kreisklasse C dürfte umwälzende Neuerungen erleben.Nach derzeitigem Stand der Corona-Verordnungen kann die Punktrunde nicht vor Mitte September losgehen. Für die Oberliga kommt eine komplette Runde mit 34 Spieltagen kaum in Frage (wir berichteten).

Aufgrund des späten Starttermins schrumpft das Zeitfenster. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Staffeln aufgebläht sind. Als die wegen der Corona-Pandemie verkürzte Serie 2019/20 gewertet wurde, gab es zwar Auf-, aber keine Absteiger. Angedacht ist, in zwei Gruppen erst einmal eine Oberliga-Vorrunde sowie anschließend eine Meister- bzw. Abstiegsrunde spielen zu lassen.

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Der Verband schlägt nun in einem Konzeptpapier vor, auch von der Landesliga abwärts die Anzahl der Staffeln zu erhöhen. Die Sollstärke wird von 16 bzw. 14 auf ein Dutzend Mannschaften reduziert. „Es ist ein Übergangsjahr. Da muss der eine oder andere Verein eine Kröte schlucken“, sagt Schneider. „Aber wir wissen nicht, wann wir starten können und ob es Pandemie bedingt neue Unterbrechungen gibt.“

Nach 22 Spieltagen werden die Meister gekürt, die alle aufstiegsberechtigt sein sollen. Über die Anzahl der Absteiger wird noch entschieden. Ziel sei es, so Schneider, in der Saison 2021/22 wieder zur alten Ligenstruktur zurückzukehren, um dann im Spieljahr 2022/23 auch wieder mit 16er Ligen zu starten.

Konkret heißt das im Tannenbaum-System: Neben den Landesligen Holstein und Schleswig wird eine dritte Staffel gebildet. Nach dem selben Prinzip würden aus bisher vier Staffeln sechs Verbandsligen, aus acht Kreisligen elf oder zwölf Gruppen. Aus 12 A-Kreisklassen im Lande würden auf Basis der bisher ausgewerteten Mannschaftsmeldungen 15, aus 14 B-Klassen 16 und aus 16 C-Klassen 17. Der Vorschlag des Verbandes stößt quer durchs Land auf breite Zustimmung.


Neuerung der Oberliga

Harry Witt, Sportlicher Leiter des Landesliga-Aufsteigers FC Kilia Kiel:

„Das ist sicherlich eine gute Lösung. Nichtsdestotrotz werden es genügend Partien sein, die wir zu bestreiten haben. In den vergangenen Jahren hätte man die Plätze auch in den Wintermonaten durchaus intensiver bespielen können, so dass ich eigentlich wenig Zweifel daran habe, dass dies auch zukünftig möglich wäre.“

Patrick Nöhren, Trainer des Landesligisten TuS Jevenstedt:

"Ich sehe eine Verkleinerung der Staffelgröße und dafür eine Erhöhung der Anzahl der Staffeln positiv. Dadurch wird es eine kürzere, aber bestimmt auch intensivere Saison, da man sich kein Spiel ausruhen darf. Zusätzlich kann es ja positiv gesehen werden, dass die Fahrstrecken für alle etwas kürzer werden! Ich hoffe es geht bald wieder los und wenn sich alle an die neuen Corona-Regeln halten, vielleicht auch wieder mit Zuschauer!"

Maik Gabriel, Trainer des Landesligisten Osterrönfelder TSV:

"Mir erscheint die Idee der Reduzierung der Mannschaften pro Spielklasse und den damit ausgedünnten Spielplan als sinnvoll. Als Übergangssituation eine akzeptable Lösung. Bei allen Unwägbarkeiten, begrüße ich sinnvolle Vorschläge und freue mich, wenn überhaupt ein geregelter Spielbetrieb stattfinden kann."

Nils Voss, Co-Trainer des SV Tungendorf (Landesliga):

„Das macht Sinn, da es keine Absteiger, dafür aber Aufsteiger gibt und die Saison eh’ später anfängt. Es würde zeitlich nicht anders gehen. Ich bin sehr gespannt, mit wem wir in einer Staffel landen."

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Mark Hungerecker, Trainer vom SVE Comet Kiel (Landesliga):

„Es ist das, was ich erwartet habe. Eine absolut sinnvolle Lösung, da wir erst spät im September anfangen und mit der Anzahl der Spiele bei einer 18er-Staffel bis Juni wohl nicht hinkommen würden. Die Einteilung nach regionalen Gesichtspunkten hat was für sich. Viele Derbys, kurze Wege. Auch wenn ich mich gerne mit den starken Lübecker Mannschaften gemessen hätte. Ich glaube wir erleben eine abwechslungsreiche Saison, die sehr spannend wird."

Andreas Möller, Trainer beim Preetzer TSV (Verbandsliga):

„Unter den gegebenen Voraussetzungen macht eigentlich nur die Lösung mit 12er-Staffeln Sinn. Gut ist, dass es eine Hin- und Rückserie gibt, mit vielen Derbys und starkem regionalen Bezug. Es wird sicher ein schweres Stück Arbeit für jede Mannschaft, ganz weit vorne zu landen. Nur der Meister steigt auf. Das ist eine Herausforderung, die wir annehmen wollen. Zumindest wollen wir oben mitmischen. Am meisten freut uns aber, dass es endlich wieder los geht."

Mariusz Zmijak, Trainer vom Verbandsliga-Aufsteiger SV Wasbek:

„Ich finde es sehr interessant, sich in kleineren Staffeln behaupten zu können. Zumal wir Aufsteiger sind und das könnte ein Vorteil sein. Es ist für mich die sinnvollste Lösung.“

Fabian Doege, Trainer beim TuS Nortorf (Verbandsliga):

„Die Gedanken kann ich nachvollziehen. Ich habe mir schon so etwas gedacht. Ich persönlich würde eine 18er Staffel bevorzugen. Wo es uns auch hin verschlagen wird, dort warten gute Teams auf uns. Wir freuen uns auf die Herausforderung. Als Mensch mit einem Privatleben haben 12er-Staffeln natürlich ihren Reiz.“

Guido Wieck, Cheftrainer vom Verbandsligisten TuS Bargstedt:

Aus meiner Sicht sollte es bei der herkömmlichen Größe der Staffeln bleiben. Die lösung wäre die sportlich fairste in meinen Augen, auch wenn es durch die Englischen Wochen ein Kraftakt für die Vereine wird. Erst der Saisonabbruch und dann die Staffeleinteilung mit zwölf Mannschaften nach der Tabelle der Vorsaison. Dann hat man innerhalb von zwei Jahren kein klares Bild mehr über die wirklich sportliche Zugehörigkeit in den Ligen.

Christoph Beck, Chefcoach vom Verbandsligisten SG Padenstedt:

Ich finde, dass die Idee mit den 12er Staffeln sehr gelungen ist. Zumal uns das eine gewisse Flexibilität mit auf den Weg gibt. Der Spielplan wird dadurch jedenfalls entzerrt, zumal wir ja eh schön später starten. Diese Maßnahme ist in meinen Augen absolut geeignet, um den aktuellen Maßnahmen Rechnung zu tragen.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Kapitän Maxi zeigt trotz Krankheit bedingungslosen Einsatz für den Verein. Zur Belohnung schicken GABFAF und Volkswagen ihn und 19 Teamkollegen von der SpVgg Maxkron zum EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn. Zur Galerie
Kapitän Maxi zeigt trotz Krankheit bedingungslosen Einsatz für den Verein. Zur Belohnung schicken GABFAF und Volkswagen ihn und 19 Teamkollegen von der SpVgg Maxkron zum EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn. ©

Lars Kröger (Trainer des Verbandsligisten SV Boostedt):

„Eine Verkleinerung der Staffeln würde allen Luft verschaffen. In Boostedt benötigen wir diesen Spielraum unbedingt, denn wir tanzen auf drei Hochzeiten.“ Die Boostedter spielen neben der Punktrunde auch im Kreispokal und im Wettbewerb „Meister der Meister“. „Dieses Programm bleibt auch mit einer 12er-Staffel ehrgeizig. Denn die Bedrohung durch das Coronavirus ist ja nicht weg. Außerdem spielt das Wetter dem Fußball in den Monaten Februar bis April ja gerne einmal einen Streich.“