21. September 2021 / 09:36 Uhr

Ronald Reng: Der banale Grund des Erfolges - am Beispiel von Anthony Modeste

Ronald Reng: Der banale Grund des Erfolges - am Beispiel von Anthony Modeste

Ronald Reng
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Angreifer Anthony Modeste legte beim 1. FC Köln einen starken Saisonstart hin.
Angreifer Anthony Modeste legte beim 1. FC Köln einen starken Saisonstart hin. © IMAGO/Ulrich Hufnagel (Montage)
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SPORTBUZZER-Kolumnist Ronald Reng erklärt am Beispiel von Stürmer Anthony Modeste, dass Formkurven und Erfolge nicht zwangsläufig mit Trainingseifer zusammenhängen. Er sieht einen anderen Hauptgrund.

Wir Menschen sind ziemlich gut darin, uns selbst zu belügen. "Es liegt nur an dir, wenn du etwas erreichen willst", sagen wir uns gerne und führen dazu Beispiele wie jenes des Kölner Bundesliga-Fußballers Anthony Modeste an. Ein Jahr lang schoss Modeste kein einziges Ligator, und nun begann er diese Saison mit vier Treffern in fünf Spielen. Wahnsinn, ist der Tenor, wie sich Modeste zurückgekämpft hat!

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Ich gebe ungern den Spielverderber, aber ich glaube, Modestes Comeback zeigt genau das Gegenteil: Wie wenig Profifußballer für ihr Glück tun können. Dem Trainer vergangene Saison, Markus Gisdol, passte Modestes Spielweise nicht, der neue Trainer Steffen Baumgart behandelt ihn als Schlüsselspieler. Das ist der banale Hauptgrund für seinen wandelnden Erfolg.

Der subjektive Blick von Trainern beeinflusst die Karrieren von Fußballern mehr als die eigene Anstrengung. So weit, so menschlich. Menschen – und sogar Trainer sind ja Menschen – treffen Urteile oft aufgrund subjektiver Eindrücke statt auf Basis breiten Wissens. Deswegen sind die besten Trainer jene, die ihrem eigenen Blick auch ein wenig misstrauen. Als er verstand, wie ungerecht er oft Spieler bewertete, habe er einen großen Sprung als Trainer gemacht, erzählte mir der Mainzer Bo Svensson. Missfällt ihm heute etwas an einem Spieler, überprüft er seinen Blick mit Videobildern, Datenanalyse und im Gespräch mit Assistenten.

Vielleicht ist es für Fußballer wie Modeste ein kleiner Trost, dass auch andere unter dem subjektiven Blick leiden: etwa wir Autoren. Ich kenne ein Buch, das von zwölf Verlagen abgelehnt wurde, bis es einer gut genug fand, um es zu drucken. Das Buch hieß "Harry Potter".

Immer dienstags wechseln sich an dieser Stelle Bestsellerautor Ronald Reng, die deutsche Fußball-Nationaltorhüterin Almuth Schult, Sky-Kommentator Wolff Fuss und Jochen Breyer, Moderator des ZDF-"Sportstudios", mit Meinungsbeiträgen ab. Sie sind alle Kolum­nisten des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), zu dem auch das Sportportal SPORTBUZZER gehört.