17. April 2021 / 13:50 Uhr

Aufstieg am grünen Tisch: Regionalliga-Traum wird für den FC Eilenburg wahr

Aufstieg am grünen Tisch: Regionalliga-Traum wird für den FC Eilenburg wahr

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
FC Eilenburg
Der ganze Verein bejubelt den Aufstieg in die vierte Liga. © PICTURE POINT
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Der Aufstieg ist perfekt und die Freude beim FC Eilenburg riesengroß. Der Verein kehrt nach 13 Jahren zurück in die Regionalliga. Nun freuen sich alle Beteiligten auf die kommende Saison und das Aufeinandertreffen mit großen ostdeutschen Traditionsmannschaften.

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Eilenburg. Lok Leipzig, Chemie Leipzig, Energie Cottbus, Chemnitzer FC, Carl Zeiss Jena oder der BFC Dynamo – im Konzert dieser großen ostdeutschen Traditionsmannschaften mischt in der kommenden Saison der FC Eilenburg mit. Der Traum vom Aufstieg in die Regionalliga ist wahr geworden und sorgt für Stolz und Glücksgefühle. „Wir haben die Entscheidung am Freitagabend live in der Sport-im-Osten-App verfolgt und sind unfassbar glücklich“, sagte Nico Knaubel. Für den Trainer schließt sich ein Kreis. Er war beim ersten Aufstieg in die vierte Liga (2004) als Spieler dabei. „Wir sind wieder dort, wo wir schon einmal waren“, freute sich Knaubel, der seit 2015 als Trainer das Zepter schwingt und quasi seitdem auf einer Erfolgswelle reitet.

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Innerhalb von sechs Jahren feierte er zwei Aufstiege und zog ins Sachsen-Pokalfinale ein. Eine Meisterleistung. Auch wenn dieser Aufstieg wahrscheinlich einzigartig bleiben wird. Corona-bedingt musste die Saison abgebrochen werden, seit Ende Oktober ruht der Ball. Zum Zeitpunkt des Abbruchs führte der FC Eilenburg die Tabelle an – dank der besseren Tordifferenz. Keiner ahnte damals, dass dieser knappe Vorsprung zum Aufstieg reichen würde. Weil nicht wieder angepfiffen werden konnte, musste das Präsidium des Nordostdeutschen Fußballverbandes am Freitag eine Entscheidung fällen.

Eilenburg wurde gemäß der Aufstiegsregelung in der Spielordnung zum Aufsteiger am grünen Tisch erklärt. „Wir wissen, dass die jetzige Entscheidung wohl einmal ist und auch bleiben wird. Wir müssen uns aber nicht für den Aufstieg entschuldigen“, sagte Präsident Steffen Tänzer, dessen Whats-App-Kanal förmlich überschwappte. „Es gab unglaublich viele Glückwünsche auch von Oberliga-Vereinen“, so Tänzer.

Große Aufstiegssause fiel aus

Auch wenn erst zehn Spieltage gespielt waren, als Eintagsfliege kann der Tabellenplatz der Eilenburger nicht gewertet werden. Unter Knaubel entwickelte sich das junge Team stetig weiter. Nach dem Aufstieg in die Oberliga (2016/17) schnupperte der FCE immer an der Spitze, erreichte im letzten Jahr das Pokalfinale und verlor nur knapp gegen den Chemnitzer FC (1:2). „Jetzt hat sich die Mannschaft für die Leidenschaft in den vergangenen Jahren belohnt“, freute sich Tänzer.

Nur die große Aufstiegssause fiel aus. Stattdessen wurde virtuell via Chatgruppe erst gemeinsam der Entscheidung im Livestream entgegengefiebert und danach angestoßen. Statt einer feuchtfröhlichen Party mit den Fans feierte jeder zu Hause, aber nicht minder euphorisch. Der gebürtige Eilenburger Dennis Kummer wurde erstmals mit einem Schnapsglas in der Hand gesichtet, Toni Majetschak wollte wissen, wo die Biersause steigt und andere am liebsten in den Flieger nach Mallorca. „Wir genießen jetzt den Moment und müssen dann sehen, dass wir uns gut vorbereiten können“, blickt der 41-jährige Fußballehrer Knaubel schon wieder nach vorn.

"Wird eine Riesen-Herausforderung"

Seit fünf Monaten dürfen die Mannschaften unterhalb der Regionalliga nicht trainieren. Diese lange Zeit ohne Training aufzuholen, wird eine Mammutaufgabe: „Wir heulen aber nicht rum. Vielleicht gibt es eine Sonderlösung, damit wir bald in den Trainingsprozess so wie die Regionalligisten einsteigen können“, hofft Knaubel. Das Thema Regionalliga hat er während der Corona-Pause schon mal mit seinen Jungs besprochen und eine „Umfrage“ gemacht. Ergebnis: Die Jungs haben Bock.

Und von wegen Belastung und Aufwand werden größer, Knaubel dreht den Spieß rum: „Ein, alter von mir sehr geschätzter, Trainer hat mal gesagt: Die Spieler können jetzt ihrer Lieblingsbeschäftigung einen Tag mehr nachgehen.“ Außerdem sei die Vorfreude in Stadien in Chemnitz, Cottbus, Jena oder Leipzig zu spielen, riesig. „Und dann hoffentlich auch wieder mit Fans“, so der Coach.

Nach der ersten Jubelnacht wartete dann vor allem eins: ein Berg Arbeit. Aktuell werden bereits Gespräche mit den eigenen Spielern geführt. Dabei bekommt Präsident Steffen Tänzer Unterstützung vom Ex-Spieler Stephan Hofmann, der künftig ehrenamtlich als Teamchef hilft. „Hofi ist so wertvoll, wir sind froh, dass wir ihn für diese Aufgabe gewinnen konnten“, so Tänzer. Knaubel weiß: „Es wird eine Riesen-Herausforderung für uns, aber wir freuen uns darauf und auf jeden, der uns bei dieser Aufgabe unterstützt.“