19. Januar 2022 / 10:40 Uhr

"Beckenbauer des Ostens": Dynamo-Legende Hans-Jürgen "Dixie" Dörner verstorben

"Beckenbauer des Ostens": Dynamo-Legende Hans-Jürgen "Dixie" Dörner verstorben

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Hans-Jürgen Dörner verstarb nach schwerer Krankheit.
Hans-Jürgen Dörner verstarb nach schwerer Krankheit. © imago images/Hentschel
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Große Trauer in der Fußballwelt. Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner verstarb in der Nacht zum Mittwoch im Alter von 70 Jahren nach langer schwerer Krankheit. Der "Beckenbauer des Ostens" wurde fünfmal DDR-Meister, fünfmal Pokalsieger und bestritt 100 Länderspiele.

Dresden. Ein ganz Großer des Ost-Fußballs ist gegangen. „Mister Dynamo Dresden“ Hans-Jürgen Dörner ist in der Nacht zu Mittwoch nach schwerer Krankheit verstorben. Das bestätigte der Zweitligist auf seiner Homepage. Dörner, der zu den Ehrenspielführern der Schwarz-Gelben gehörte, wurde 70 Jahre alt. Er hätte am 25. Januar seinen 71. Geburtstag gefeiert.

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558 Pflichtspiele im schwarz-gelben Trikot

„Es ist un­be­greif­lich, scho­ckie­rend und sehr, sehr trau­rig. Wir kön­nen es noch gar nicht be­grei­fen, dass ‚Di­xie‘ Dör­ner nicht mehr un­ter uns sein soll“, sagte Dynamo-Präsident Holger Scholze in einer ersten Stellungnahme. „Sein Tod stürzt un­se­re Sport­ge­mein­schaft in tie­fe Trau­er. Mit ‚Di­xie‘ Dör­ner ist nicht nur der größ­te Spie­ler der Ver­eins­ge­schich­te von uns ge­gan­gen – wir ha­ben auch ei­nen Men­schen ver­lo­ren, der un­ser al­ler Herz er­obert hat­te. Über mehr als fünf Jahr­zehn­te hin­weg hat er sich auf und ne­ben dem Platz für die Far­ben un­se­rer Stadt und un­se­res Ver­eins in be­ein­dru­cken­der und her­aus­ra­gen­der Art und Wei­se ein­ge­setzt.“

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von "Dixie"

558 Spiele für Dynamo Dresden, 100 für die DDR, eine Goldmedaille bei Olympia: Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner war eine absolute Fußballlegende. Am 19. Januar 2021 ist der gebürtige Görlitzer im Alter von 70 Jahren gestorben. Wir blicken auf seine Karriere zurück. Zur Galerie
558 Spiele für Dynamo Dresden, 100 für die DDR, eine Goldmedaille bei Olympia: Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner war eine absolute Fußballlegende. Am 19. Januar 2021 ist der gebürtige Görlitzer im Alter von 70 Jahren gestorben. Wir blicken auf seine Karriere zurück. ©

558 Mal stand Dörner zwischen 1969 und 1986 in allen Wettbewerben für die Elbestädter auf dem Rasen. Mit dem Team feierte er fünfmal den DDR-Meistertitel sowie fünfmal den Sieg im FDGB-Pokal. Mit der Nationalmannschaft bestritt „Dixie“ 100 Partien, holte sich mit der Olympia-Auswahl 1976 in Montreal die Goldmedaille.

Trainerstationen führten ihn nach der Wende zu Werder Bremen, dem FSV Zwickau, Al-Ahly Kairo und dem VfB Leipzig, in späteren Jahren auch zum Radebeuler BC und zu Einheit Dresden-Mitte. Mit Dynamo Dresden blieb er dennoch eng verbunden. Seit 2013 engagierte er sich als Aufsichtsrat, wurde zu einem der SGD-Ehrenspielführer ernannt und ist seit 2019 Teil der „Hall of Fame“ des Deutschen Fußballmuseums.

"Reißt ein großes Loch in unsere Mitte"

Bei Dynamo trug Dörner die Rückennummer drei. "Mit seinen überragenden Fähigkeiten als absoluter Ausnahmespieler hat er damals das Libero-Spiel mit besonderer Eleganz vollkommen neu interpretiert. Hervorzuheben ist gleichermaßen sein großartiges Engagement für die Belange unserer Sportgemeinschaft nach der aktiven Karriere", so Holger Scholze weiter. "Seine Kompetenz und sein riesiger Erfahrungsschatz sowie seine Persönlichkeit und Menschlichkeit werden der SG Dynamo Dresden in der aktiven Gremienarbeit sehr fehlen. Aber all dies tritt in diesem Moment in den Hintergrund. Wir haben eine bewundernswerte Persönlichkeit verloren, das reißt ein großes Loch in unsere Mitte.“

Im Januar 2021 hatte der Ex-Kicker seinen 70. Geburtstag gefeiert. Den aus diesem Anlass eigentlich geplanten Flug nach Spanien mit seiner Lebensgefährtin verhinderte die Corona-Pandemie. "Im Moment kann ich mit der 70 noch nicht so viel anfangen. Da muss ich mich erst ein bisschen dran gewöhnen", sagte Dörner damals im Gespräch mit dem SPORTBUZZER. "Die letzten 20, 30 Jahre sind gefühlt unheimlich schnell vergangen."


Mit: Stefan Schramm