09. April 2021 / 18:35 Uhr

Beim Kieler TV: Matchball zum Meistertitel für den SV Lindow-Gransee

Beim Kieler TV: Matchball zum Meistertitel für den SV Lindow-Gransee

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Das Hinspiel entschieden die Grün-Weißen mit 3:0 für sich.
Das Hinspiel entschieden die Grün-Weißen mit 3:0 für sich. © Marius Böttcher
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Für die Zweitliga-Volleyballer soll Kiel das neue Delbrück sein – bei den Adlern schlagen die Grün-Weißen am Samstag zur zweiten Meisterschaft der Vereinsgeschichte auf.

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Im hohen Norden könnte am Samstagabend Geschichte geschrieben werden – die Zweitliga-Volleyballer des SV Lindow-Gransee schlagen als Tabellenführer beim Verfolger Kieler TV zur Meisterschaft auf. Es wäre nach 2015, als der SVLG mit einem 3:1-Erfolg in Delbrück den Coup perfekt machte, der zweite Titel der Vereinsgeschichte. Gleichzeitig ist die Begegnung in der Hansestadt, die um 18 Uhr in der Hein-Dahlinger-Halle ihren ersten Ballwechsel erlebt, aber ein Spiel mit dem Feuer. Erwischen die Schützlinge von Trainer Peter Schwarz keinen guten Tag und treten die Heimreise im Anschluss ohne Zählbares an, wären die Kieler Adler im Vorteil.

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„Wir haben es noch immer selbst in der Hand und müssen das Ding jetzt einfach durchziehen“, bringt es Schwarz auf den Punkt. War die Last an der Seitenlinie im Vorjahr noch auf mehreren Schultern verteilt, so coacht der 28-Jährige seit diesem Spieljahr die Mannschaft in Eigenregie. Und das mit 17 Siegen aus 20 Partien äußerst erfolgreich: „Wir haben es schon oft genug gezeigt, dass wir es können. Wir haben 19 Mal gepunktet, nur in Bocholt – und dieser Gegner liegt uns in dieser niedrigen Halle nicht – einen auf den Deckel bekommen. Unter normalen Umständen wird uns das nicht noch einmal passieren.“

In Bildern: SV Lindow-Gransee bezwingt den Kieler TV mit 3:0.

Im Spitzenspiel der 2. Volleyball-Bundesliga Nord behalten die grün-weißen Gastgeber deutlich die Oberhand. Vor allem im zweiten Satz, der 25:15 endete, dominierte der Tabellenführer um Trainer Peter Schwarz nach Belieben. Zur Galerie
Im Spitzenspiel der 2. Volleyball-Bundesliga Nord behalten die grün-weißen Gastgeber deutlich die Oberhand. Vor allem im zweiten Satz, der 25:15 endete, dominierte der Tabellenführer um Trainer Peter Schwarz nach Belieben. © Marius Böttcher

Auch deshalb blickt Peter Schwarz mit großer Zuversicht und extremer Vorfreude auf das Topduell in der Nord-Staffel. „Wir haben am Dienstag und Donnerstag noch mal trainiert, das Niveau war sehr hoch und ich hatte nichts zu bemängeln“, betont der SVLG-Trainer, für den der Meistertitel den bis dato größten Erfolg darstellen würde. Als Co-Trainer der Netzhoppers KW-Bestensee war Schwarz in der Bundesliga tätig, zudem hatte er bei den Drittliga-Frauen des VSV Havel Oranienburg das Sagen. Nennenswerte Triumphe blieben jedoch aus. „Das wäre für mich persönlich das Größte, das muss ich so klar sagen. Ich habe auch unglaublich Bock, Meister zu werden und mich mit der Truppe für eine starke Saison zu belohnen. Wir hätten es zum jetzigen Stand absolut verdient, weil wir uns auch aus schwierigen Situation immer wieder befreien konnten.“

Die besten Erlebnisse führen laut Schwarz zum besten Ergebnis – wirft sein Sechser in der Hansestadt das Möglichste rein und kommt auf das optimale Leistungslevel, dann spricht nichts dagegen, auch die Kieler Festung zu stürmen. „Sollte es am Ende nicht reichen, wir haben uns aber nichts vorzuwerfen, dann muss man das auch anerkennen. Dann spielt nämlich Kiel auf allerhöchstem Niveau. Ich bin mir sicher: Das wird ein richtig cooles Match“, frohlockt Peter Schwarz, der dem Konkurrenten größten Respekt zollt: „Deren Kern besteht schon seit Jahren, die spielen aus Spaß zusammen und stehen füreinander ein. Kiel ist eine eingeschworene Truppe, hat mit Zuspieler Moritz Behr, Libero Bengt Sievers oder Außenangreifer Jenne Hinrichsen aber auch extrem viel Qualität in den eigenen Reihen.“

Trio aus dem jetzigen Kader war schon 2015 dabei

Gleiches gilt jedoch auch für die Lindower Wölfe, deren Motivation nach dem späten Abbruch der Spielzeit 2019/20 wegen der Corona-Pandemie riesig sein dürfte. Vor gut einem Jahr rangierten die Grün-Weißen ebenfalls auf dem ersten Platz – sogar mit Punktepolster bei nur noch wenig auszutragenden Begegnungen. Die Volleyball-Bundesliga (VBL) beendete die Saison – zum Entsetzen des SVLG ohne Wertung. Die Reaktion im bisherigen Verlauf ist dagegen herausragend, an der Ostseeküste steht mit dem Meistertitel der verdiente Lohn zur Abholung bereit. „Wir sind gut vorbereitet, werden unsere Chancen bekommen und diese dann hoffentlich nutzen“, glaubt Peter Schwarz an die Nervenstärke seiner Truppe. Ein Trio, das auch sechs Jahre später im grün-weißen Kader steht, war beim letzten und bisher einzigen Meistertitel 2015 in Delbrück dabei: Martin Pomerenke, Lukas Hebling und Wito Krüger.

Kiel soll das neue Delbrück sein – nur ohne die obligatorisch große Party mit Fans im Anschluss. Die fehlende Atmosphäre in der Hein-Dahlinger-Halle könnte zum Vorteil für die Gäste werden. Bei Lindower Heimspielen verwandeln unter normalen Umständen über 300 Fans die Granseer Dreifelderhalle in ein Tollhaus, die Stimmung beim Kieler TV soll aber das Nonplusultra in der Liga sein, wie Schwarz verrät: „Die fahren immer ordentlich was auf, da wird den Gastgebern einiges fehlen.“ Vermissen werden die Grün-Weißen vermutlich auch zwei, drei wichtige Spieler – „es gibt noch ein paar Fragezeichen, was ich aber nicht als Ausrede gelten lassen will“.

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Mit einem 3:0 oder gar einem 3:1 schippert der SV Lindow-Gransee in den sicheren Hafen, bei einem Tie-Break-Krimi beginnen die Rechenspielchen und bei einer klaren Niederlage droht nach einer tollen Saison das Verpassen des Saisonziels. Schwarz: „Das lassen wir erst gar nicht in unsere Köpfe rein. Wir wollen am Samstagabend jubeln.“ Über einen klaren Sieg und den dann verdienten Meistertitel.