25. September 2022 / 17:48 Uhr

RB-Fußball kombiniert mit Ballbesitz: So tickt der neue Bochum-Trainer Thomas Letsch

RB-Fußball kombiniert mit Ballbesitz: So tickt der neue Bochum-Trainer Thomas Letsch

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trainer Thomas Letsch nimmt am Montag die Arbeit beim VfL Bochum auf.
Trainer Thomas Letsch nimmt am Montag die Arbeit beim VfL Bochum auf. © IMAGO/Pro Shots (Montage)
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Als "Wunschlösung" hat der VfL Bochum vor wenigen Tagen Thomas Letsch als Nachfolger von Thomas Reis verpflichtet. Am Montag startet der 54-Jährige seine erste Aufgabe in der Bundesliga. Der SPORTBUZZER stellt den neuen Trainer des abstiegsgefährdeten Revierklubs vor – mit der Hilfe von Letschs Rekordspieler Maximilian Wittek.

Thomas Letsch soll den VfL Bochum vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga retten. Der 54 Jahre alte Trainer kommt ohne Bundesliga-Erfahrung ins Revier, genießt bei seinem neuen Klub aber eine hohe Wertschätzung. "Er verfügt über die nötige Erfahrung im Profifußball und ist in der Lage, eine Mannschaft mit einer klaren Struktur und Spielidee zu formen", sagt der neue Sportchef Patrick Fabian.

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Ganz ohne Risiko ist die Verpflichtung allerdings nicht. Bei Letschs bisher einzigem Versuch als Chef-Trainer im deutschen Profi-Fußball, scheiterte er krachend bei Zweitligist Erzgebirge Aue. Er wurde als Nachfolger von Domenico Tedesco verpflichtet, musste nach dem Pokalaus in der ersten Runde und zwei Niederlagen in der Liga nach nur 57 Tagen wieder gehen. Der gebürtige Esslinger fand aber im Februar 2018 den Weg zurück ins Profi-Geschäft. Erst landete er bei Austria Wien, im Sommer 2020 zog es ihn weiter zu Vitesse Arnheim – und Letsch führte die Niederländer zu großen Erfolgen.

"Er hat hier etwas aufgebaut und war maßgeblich daran beteiligt, dass wir die größten Erfolge der Vereinsgeschichte zusammen feiern konnten", sagt Arnheim-Profi Maximilian Wittek im Gespräch mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Letsch schaffte es mit Arnheim in der Eredivisie auf Rang vier und unterlag im Pokalfinale Ajax Amsterdam mit 1:2. Die vergangene Saison beendete Vitesse erneut als Vierter und musste sich in der Conference League dem späteren Sieger AS Rom denkbar knapp im Achtelfinale geschlagen geben (0:1, 1:1).

Schwere Zeiten in der neuen Saison

Doch nach einer unruhigen Sommerpause startete Arnheim schwach in die neue Spielzeit und holte nur fünf Punkte in sieben Partien. Dass es zuletzt nicht mehr so rund lief, hängt für den früheren Spieler von 1860 München und Greuther Fürth aber nicht mit der Arbeit des Trainers zusammen. "Natürlich sind wir schlecht gestartet. Wenn man sich aber mit unseren ganzen Umständen befasst, wird einem relativ schnell klar, dass wir es alles andere als leicht hatten", sagt Wittek, der sich dabei auf die Abgänge von "sechs, sieben Stammspielern" und die Unklarheit bezüglich der Übernahme des Vereins bezieht: "Der Klub war nicht so aufgestellt, dass man auf dem Transfermarkt groß angreifen konnte."

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Und so musste Letsch eine neue Mannschaft formieren, setzte dabei auch auf viele junge und unerfahrene Spieler. Wittek blieb wie auch in den zwei Saisons zuvor unter Letsch eine absolute Stammkraft. Kein anderer Spieler absolvierte bisher so viele Partien (86) unter dem neuen Bochum-Coach wie der 27-Jährige. "Es hat sich ziemlich schnell herauskristallisiert, dass wir fußballerisch und menschlich gut zueinander passen", sagt der Linksfuß über seine Beziehung zu Letsch.

In Arnheim machte sich früh bemerkbar, dass der 54-jährige Coach insgesamt fünf Jahre in der RB-Schmiede in Österreich verbrachte – unter anderem als Co-Trainer des jetzigen Benfica-Coaches Roger Schmidt. Das Vitesse-Spiel war so ausgelegt, wie man es aus dem RB-Kosmos kennt: Hohes Pressing mit einem schnellen Umschaltspiel. Doch gegen viele Mannschaften musste Arnheim auch das Spiel mit dem Ball beherrschen und spielerische Lösungen finden. Die Spielidee des Trainers habe laut Wittek in Arnheim wie "die Faust aufs Auge gepasst".

"Letsch hat mich als Mensch wirklich überzeugt"

Der 27-Jährige schätzte an der Zusammenarbeit mit dem neuen Bochum-Trainer besonders die persönliche Beziehung. "Er hat mich als Mensch wirklich überzeugt. Thomas Letsch hat diese Komponente, die heutzutage in der Öffentlichkeit oft nach hinten gerückt wird. Natürlich stehen die Erfolge immer im Vordergrund, aber er ist immer Mensch geblieben", sagt Wittek: "Er hatte immer ein offenes Ort und man konnte mit ihm auch über Dinge abseits des Fußballs sprechen. Er hört einem zu. Das alles macht ihn einfach aus."

Doch am Ende stellen sich viele Fans die Frage: Bochum und Letsch – passt das zusammen? Der Ex-Spieler des neuen VfL-Trainers ist sich bei der Antwort mit den Verantwortlichen des Revierklubs einig. "Ich denke schon, dass es sehr gut passt. Er kommt in eine nicht einfache Situation, die aber als Challenge für ihn extrem spannend ist", sagt Wittek: "Er kann Bochum neue Impulse geben und wird bestimmt auch auf die Erfahrung von Spielern wie Manuel Riemann oder Anthony Losilla setzen. Ich kenne ein paar Jungs aus Bochum und würde sagen: Das ist eine gute Wahl gewesen."

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