25. September 2021 / 14:06 Uhr

Fan-Wut kocht: Was BVB-Trainer Marco Rose bei seiner Rückkehr nach Gladbach erwartet

Fan-Wut kocht: Was BVB-Trainer Marco Rose bei seiner Rückkehr nach Gladbach erwartet

Daniel Theweleit
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beim Aufeinandertreffen von Borussia Mönchengladbach und dessen Ex-Trainer Marco Rose mit Borussia Dortmund wird mit emotionalen Reaktionen der Gladbacher Fans gerechnet.
Beim Aufeinandertreffen von Borussia Mönchengladbach und dessen Ex-Trainer Marco Rose mit Borussia Dortmund wird mit emotionalen Reaktionen der Gladbacher Fans gerechnet. © IMAGO/Norbert Schmidt/Revierfoto (Montage)
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Auf Borussia Mönchengladbach wartet am Samstag im Bundesliga-Spitzenspiel das erste Wiedersehen mit Ex-Coach Marco Rose, der nun Borussia Dortmund trainiert. Die Reaktion der emotionalen Gladbacher Anhänger wird mit Spannung erwartet.

Zu den wenigen Vorzügen der pandemischen Monate in der Bundesliga zählt, dass es sehr konfliktfrei zuging auf den nicht voll gefüllten Tribünen der Stadien. Diese Zeit des Friedens endet nun spätestens mit dem Besuch von Borussia Dortmund an diesem Samstag (18.30 Uhr, Sky) in Mönchengladbach, wenn BVB-Trainer Marco Rose seinen alten Arbeitsplatz im Borussia-Park besucht. "Es ist das erste Spiel wieder von größerer Brisanz", sagt der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl, was sanft klingt angesichts des Grolls, den viele Gladbach-Fans in sich tragen. "Kein Söldner steht über dem Verein – sofort raus mit dem charakterlosen Schwein!", stand auf einem Banner, das nach Bekanntwerden von Roses Wechselplänen einst am Trainingsgelände hing.

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Die Kränkung sitzt tief bei einigen Gladbachern, die Rose vorwerfen, den Aufbau eines langfristigen Erfolgsprojekts am Niederrhein angekündigt zu haben, um dann bei erster Gelegenheit zum nächst größeren Konkurrenten abzuhauen. "Die Zeit heilt zwar alle Wunden, aber mit Sicherheit sitzt der Stachel der Enttäuschung noch lange Zeit sehr tief bei uns", sagt Thomas Ludwig, der 1. Vorsitzende des FPMG Supporters Club, der Dachorganisation für Gladbach-Anhänger, in einem Interview auf der Homepage des Fanprojektes. Ludwig wünscht sich von den Rose-Kritikern "kreative Ergüsse aber keine Gewaltaufrufe oder sonstige Auswüchse in die falsche Richtung".

Hütter kämpft mit den Rose-Problemen

Die Wut auf Rose ist allerdings groß, nicht nur, weil der Trainer Mönchengladbach im Sommer verlassen hat, sondern auch, weil einige der Probleme, die das Team unter seinem Nachfolger Adi Hütter in der neuen Saison hat, mit den atmosphärisch düsteren Wochen des Frühjahres zusammenhängen. Das Team spiele mit Ball zwar ganz gefällig, aber es fehle "die Dynamik nach vorne", sagt Hütter. Die Mannschaft "probiert, sie will. Was ich aber verlangen muss, ist, dass wir in die Zweikämpfe kommen, dass wir unangenehm sind." Genau diese Energielosigkeit prägte schon die letzte Phase mit dem alten Trainer. Das sportlich schwache Frühjahr war nicht nur für die Fans, sondern auch für die Spieler und die sportliche Leitung durchsetzt von einem Gefühl der Enttäuschung über den Coach. In genau diesen Wochen verpassten die Gladbacher die abermalige Qualifikation für einen Europapokal. Nun ist Rose weg – die Probleme sind geblieben.

Das verstärkt die Wut auf den Fußballlehrer, wobei Eberl versichert, er freue sich auf das Wiedersehen. "Ich wünsche mir, dass wir uns nicht nur in diesen Kleinkrieg begeben. Es geht nicht um das Spiel Marco Rose gegen Mönchengladbach, sondern um das Spiel Dortmund gegen Gladbach." Eberl weiß ganz gut, wie leicht sich sein individuell hervorragend besetztes Gladbach-Team vom Wesentlichen ablenken lässt.

Rose will Fan-Wut "ausblenden"

Am Ende des vergangenen Spieljahres war es so, "dass Marco Rose das Alibi war", berichtet der Sportdirektor. Anschließend "war es die Transferperiode", in der "die Jungs sich nicht komplett frei machen" konnten, weil über rund ein Dutzend angeblich umworbener Gladbacher Spieler spekuliert wurde. Am Ende sind dann doch alle geblieben. Typen, die frei von den Belastungen des Vorjahres fehlen – abgesehen vom Trainer. In den ersten Wochen des neuen Spieljahres fielen dann die Schlüsselspieler Matthias Ginter, Alassane Pléa, Lars Stindl, Ramy Bensebaini, Breel Embolo, Stefan Lainer, Marcus Thuram und Jonas Hofmann aus, mit der Folge, dass die Mannschaft mit vier Punkten auf dem Relegationsplatz der Tabelle steht. "Wir waren nie in der Lage, über längere Zeit mit der Mannschaft zu trainieren", sagt Hütter, der nun selbst gefordert ist.

Aufmunterung kommt vor der Partie von Rose aus Dortmund: "Ich glaube, dass eine Menge Qualität im Gladbacher Team steckt, dass Adi mit seiner positiven Art bald die Kurve kriegt". Die Spieler "sind zu gut" für eine Dauerkrise. Die Wut, die ihm entgegenschlägt, versucht Rose einfach "auszublenden".