24. September 2021 / 15:27 Uhr

Brüder in einem Team: Das gab’s  beim VfL Wolfsburg zuletzt vor 30 Jahren

Brüder in einem Team: Das gab’s  beim VfL Wolfsburg zuletzt vor 30 Jahren

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Brüderpaare: Lukas und Felix Nmecha (l.) steht der erste gemeinsame VfL-Pflichtspieleinsatz noch bevor, Holger und Matthias Fiebich (r.) waren von 1986 bus 1991 gemeinsam auf dem Platz.  
Brüderpaare: Lukas und Felix Nmecha (l.) steht der erste gemeinsame VfL-Pflichtspieleinsatz noch bevor, Holger und Matthias Fiebich (r.) waren von 1986 bus 1991 gemeinsam auf dem Platz.   © imago images / Rust
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Als zuletzt zwei Brüder in einem Pflichtspiel für den VfL Wolfsburg aufliefen, spielte der damalige Drittligist um den Aufstieg. 30 Jahre danach könnten nun Lukas und Felix Nmecha in die Fußstapfen von Matthias und Holger Fiebich treten.

Als der VfL Wolfsburg ihm während des Sommer-Trainingslagers aus Manchester holte, musste Felix Nmecha erst einmal körperlich zulegen. Kleine Blessuren, Trainingsrückstand - mittlerweile ist alles überwunden, der kleine Bruder von VfL-Stürmer Lukas Nmecha nähert sich seinem ersten Einsatz, saß zuletzt in den Spielen in Lille und gegen Frankfurt immerhin schon auf der Bank. Wenn er sein Debüt feiert, könnte er für ein Novum sorgen: Denn seit der VfL im Profifußball zu Hause ist, standen noch nie zwei Brüder gemeinsam in einem Pflichtspiel auf dem Platz.

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Dreimal wäre es in den letzten 30 Jahren fast so weit gewesen. Doch als Francisco Rodriguez Ende 2018 seine einzigen acht Pflichtspielminuten für den VfL absolvierte, fiel sein großer Bruder Ricardo gerade mit einer Oberschenkelzerrung aus. Jonathan Akonnor, der kleine Bruder des Ex-VfL-Kapitäns Charles Akonnor, war zwar zwischen 1998 und 2001 VfLer, machte aber nie ein Pflichtspiel im Wolfsburger Trikot. Und die Zwillinge Gian-Luca und Davide Itter liefen nur in der U23 des VfL gemeinsam auf.

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Darum muss man tatsächlich etwas tiefer in die Geschichte des VfL einsteigen, um das letzte Miteinander eines Brüderpaars in einer ersten Mannschaft der Wolfsburger zu finden: Im Juni 1991 verlor der VfL das drittletzte Spiel in der Aufstiegsrunde zur 2. Liga bei Göttingen 05 mit 0:2. Im Wolfsburger Team standen damals unter anderem Heiner Pahl, Frank Plagge, Holger Fiebich - und dessen sechs Jahre älterer Bruder Matthias, der verletzt ausgewechselt wurde und seine VfL-Karriere anschließend wegen anhaltender Rückenprobleme beendete.

Begonnen hatte die gemeinsame Zeit der Fiebich-Brüder fünf Jahre zuvor, im März 1986, auf der Hamburger Adolf-Jäger-Kampfbahn. Holger Fiebich, gerade aus der eigenen Jugend in die erste VfL-Mannschaft aufgestiegen, bekam im Spiel bei Altona 93 seinen ersten Vier-Minuten-Einsatz in der Mannschaft, in der sein Bruder, Uwe Otto, Peter Ament und Torwart Wolfgang Staats das Gerüst bildeten. Der jüngere Fiebich durfte in dieser Saison nur noch ein weiteres Mal ran, wieder in Hamburg, beim 1:1 gegen den SV Lurup war es dann immerhin schon eine halbe Stunde Einsatzzeit - und er konnte zum ersten Mal ein Tor seines Bruders auf dem Platz bejubeln.

Tore hatte der ältere der beiden Brüder, zumeist als Mittelstürmer, reichlich erzielt, in seinem ersten VfL-Jahr war er 1983 sogar mit 23 Treffern Torschützenkönig der Oberliga Nord (gleichauf mit Peter Harth vom VfB Oldenburg und Uwe Tietje von Union Salzgitter). Holger Fiebich fieberte damals auf den Rängen im Stadion am Elsterweg mit, war mit dem Vater der beiden auch immer mal wieder bei Auswärtsspielen dabei. "Ich war unheimlich stolz auf meinen großen Bruder", erinnert er sich. "Dass ich mit ihm zusammen spielen werde, daran war da noch nicht zu denken."

In der B-Jugend war Holger Fiebich vom VfR Eintracht zum VfL gewechselt, vier Jahre später stand er im Kader der Herrenmannschaft. "Da hat mir Matze natürlich Tipps gegeben, wie ich den einen oder anderen Mitspieler zu nehmen habe, das war hilfreich. Ich war ja der Jüngste, der von den Kollegen auch mal hops genommen wurde, mein Bruder war ein gestandener Spieler, zu dem einige andere auch aufschauten. Und mein fußballerisches Vorbild war er sowieso." In der Aufstiegsrunde 1991 legte Linksaußen Holger für Matthias per Ecke einen Treffer auf ("Eines unserer nur wenigen gemeinsamen Tore"), im Spiel darauf trafen beide. 228 Spiele und 63 Tore stehen in der Vita von Holger Fiebich, der mit dem VfL 1992 in die 2. Liga aufstieg und ihn 1994 verließ. Beim TSV Heiligendorf spielte er danach nicht nur wieder mit Bruder Matthias (181 VfL-Spiele, 58 Tore) zusammen, sondern auch mit seinen Cousins Randolf und Stefan.


Vorlage kleiner Bruder, Tor großer Bruder - das könnte es beim VfL auch demnächst wieder geben. Lukas Nmecha hat schon zwei Bundesliga-Treffer erzielt, Felix Nmecha ist zumindest nicht mehr weit weg von seiner Premiere. Trainer Mark van Bommel: "Man kann es nicht in Prozentzahlen ausdrücken, wie nah er dran ist. Aber er ist fit, wir bauen ihn weiter auf, er ist ein Junge für die Zukunft."