20. Mai 2022 / 19:28 Uhr

Kommentar zum Rose-Aus beim BVB: Ein Alibi weniger für die Mannschaft – und eine große Prüfung für Kehl

Kommentar zum Rose-Aus beim BVB: Ein Alibi weniger für die Mannschaft – und eine große Prüfung für Kehl

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Durch die Entlassung von Marco Rose haben die BVB-Spieler weniger Alibis, meint SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller.
Durch die Entlassung von Marco Rose haben die BVB-Spieler weniger Alibis, meint SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller. © IMAGO/Jan Huebner, ActionPictures (Montage)
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Das Aus von Trainer Marco Rose bei Borussia Dortmund kam letztlich überraschend. Für SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller steht fest: Die Mannschaft hat damit ein Alibi weniger - und der neue Sportdirektor Sebastian Kehl steht mit der Trainer-Suche vor einer ersten großen Prüfung.

Nun also doch: Borussia Dortmund hat sich am Freitag letztlich überraschend von Trainer Marco Rose getrennt und wird einmal mehr mit einem neuen Coach in die Saison gehen. Für den Vizemeister ergeben sich daraus mit Blick auf die Zukunft zwei Schlüsse: Sollte die Personalie Rose für die angesichts ihrer Leistungsschwankungen bisweilen umstrittene Mannschaft ein Alibi gewesen sein, fällt dieses nun weg. Und: Der neue Sportdirektor Sebastian Kehl, der Dortmunds Urgestein Michael Zorc nach dessen emotionalem Abschied zum Saisonende ablöst, steht zu Beginn seiner Tätigkeit mit der Suche nach einem neuen Trainer gleich vor einer großen Prüfung, bei der er zeigen kann, ob er dem exponierten Amt gewachsen ist. Indes: Mit Edin Terzic scheint sich die naheliegende Lösung bereits abzuzeichnen.

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Ähnlich wie einige seiner Vorgänger stolperte nun auch Rose über die Wankelmütigkeit der Mannschaft, die - egal, in welcher personellen Zusammensetzung - Fans und Medien in den vergangenen Jahren regelmäßig Rätsel aufgab. Zu oft erlaubte sich das fußballerisch überdurchschnittlich begabte Ensemble blutleere Auftritte, ließ vor allem in Sachen Robustheit und defensiver Stabilität in zu vielen Partien reichlich Luft nach oben. Oder wie es Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der Klub-Mitteilung zur Rose-Trennung etwas vage formulierte: Man habe feststellen müssen, "dass wir in vielen Teilbereichen nicht das Maximum aus unseren Möglichkeiten herausgeholt haben". Die Mannschaft ist nun mehr denn je in der Verantwortung, dies zu ändern - zumal die offenkundigsten Baustellen mit der Verpflichtung der Innenverteidiger Niklas Süle (FC Bayern) und Nico Schlotterbeck (SC Freiburg) abgearbeitet scheinen.

Auf Zorc-Nachfolger Kehl kommt die Aufgabe zu, als neuer Sportdirektor gleich für Ruhe auf der Trainerposition zu sorgen. Seit dem Weggang von Meistertrainer Jürgen Klopp im Jahr 2015 wird der BVB nun den siebten Trainer installieren. Fast alle von ihnen - Thomas Tuchel (2015 bis 2017), Lucien Favre (2018 bis 2020) oder eben Rose - spielten vor und/oder nach ihrer Zeit in Dortmund um Titel oder gewannen sogar welche. In Dortmund aber fielen sie meist den (zu) hohen Ansprüchen und der schwierigen Gemengelage zwischen den Alphatieren und Klopp-Nachtrauerern zum Opfer - auch wenn der intern einst besonders umstrittene Tuchel 2017 zum Abschied den DFB-Pokal gewann.

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Den errang 2021 auch Edin Terzic, nachdem er nach dem Favre-Aus eingesprungen war. Der bei den Fans geschätzte Terzic war beim BVB bereits Nachwuchstrainer, wurde nach der Interimstrainer-Rolle zum Technischen Direktor befördert. Er arbeitete mit dem bisherigen Lizenzspielerchef Kehl also Hand in Hand. Es wäre also geradezu logisch, würde Kehl ihm nun tatsächlich sein erstes Cheftrainer-Mandat geben.