27. Januar 2022 / 10:30 Uhr

Dabei sein ist alles: Dresdner Shorttrackerin Anna Seidel freut sich auf Olympia

Dabei sein ist alles: Dresdner Shorttrackerin Anna Seidel freut sich auf Olympia

Astrid Hofmann
Dresdner Neueste Nachrichten
Anna Seidel reist bald nach Peking um für Deutschland an den olympischen Shorttrack-Wettbewerben teilzunehmen.
Anna Seidel reist bald nach Peking um für Deutschland an den olympischen Shorttrack-Wettbewerben teilzunehmen. © imago/LaPresse
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Für Anna Seidel gilt das Olympia-Motto vor ihren dritten Spielen ganz besonders: Nach ihrer schweren Verletzung ist die 23-Jährige froh, überhaupt dabei sein zu können.

Dresden. Deutschlands beste Shorttrackerin Anna Seidel dreht in diesen Tagen ihre letzten intensiven Runden auf dem Eis in der heimischen Dresdner Arena, bevor es am kommenden Mittwoch nach Peking geht. Bei einer virtuellen Pressekonferenz beschreibt die 23-Jährige noch einmal, warum ihre dritte Olympia-Teilnahme eine ganz besondere ist: „Diesmal bin ich glücklich, einfach dabei zu sein. Damit habe ich mein eigentliches Ziel schon erreicht“, gibt die Vize-Europameisterin zu.

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Letztes Jahr Anfang März hatte sie sich unmittelbar vor Beginn der WM in Dordrecht bei einem Trainingssturz einen Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen, sie konnte erst im September überhaupt wieder mit der Nationalmannschaft trainieren. Deshalb schaffte sie bei den Weltcups auch nur die halbe Olympia-Norm, wurde aber vom DOSB als einzige Vertreterin ihrer Sportart für die Spiele in China nominiert. Dort wird sie nur über 1500 m starten, weil die deutschen Athletinnen nur diesen einen Quotenplatz erkämpfen konnten. „Natürlich wäre ich auch gern noch die 1000 m gelaufen, aber ich bin ja froh, dass wir überhaupt diesen einen Platz geholt haben. Nun will ich natürlich nicht hinfahren und in der ersten Runde rausfliegen, da wäre ich schon enttäuscht“, sagt sie.

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Immerhin hat sie in den vergangenen Monaten hart dafür gearbeitet. „Als die Reha in Dresden nicht so lief wie erhofft, habe ich dann sechs Wochen bei meinem Sponsor in Salzburg die Reha fortgesetzt, war dort mit anderen Sportlern zusammen und das hat mir sehr gutgetan. Ich habe auch oft mit der Familie, mit Freunden über alles gesprochen und mit Mentaltrainern gearbeitet“, wie sie berichtet. Sie habe dabei viel über sich selbst gelernt, gerade was mentale Stärke angehe. Doch irgendwann wollte sie das alles hinter sich lassen und nur noch auf das Training fokussieren. „Seit Dezember läuft es richtig gut und ich denke, jetzt bin ich bei neunzig Prozent der Top-Form, die ich vor der WM hatte“, schätzt die Dresdnerin ein. Dabei half zuletzt auch ein vierwöchiges Trainingslager mit der polnischen Nationalmannschaft. „Die letzten Tage vor der Abreise sind jetzt unsere Jungs beauftragt, mich im Training zu ziehen. Sie müssen viel Führungsarbeit leisten“, verrät sie.

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Wie alle deutschen Olympia-Teilnehmer versucht auch sie, ihre Kontakte auf das Nötigste zu reduzieren, um sich nicht noch eine Corona-Infektion einzufangen. „Ich trage ständig Maske, habe in der Eishalle eine eigene Kabine, einen separaten Eingang zur Halle und ich bin geboostert“, so Anna Seidel, die in Peking zugleich auch Abschied von Olympia nimmt. „Sicher ist da auch etwas Wehmut dabei, aber das wäre in vier Jahren nicht anders. Doch mit 28 sehe ich mich nicht mehr im Kreis übers Eis laufen. Es wartet noch so viel anderes im Leben auf mich. Ich habe viele Interessen“, betont die Elbestädterin, die gern ein Management-Studium aufnehmen möchte. Ihre Karriere will sie aber nicht gleich nach Peking, wie ursprünglich angedacht, beenden. „Ein oder zwei Jahre will ich noch dranhängen“, meint sie.