21. Mai 2022 / 20:10 Uhr

Das große Missverständnis: Warum Jérôme Boateng bei Olympique Lyon gescheitert ist

Das große Missverständnis: Warum Jérôme Boateng bei Olympique Lyon gescheitert ist

Alexis Menuge 
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jerome Boateng steht nach einer enttäuschenden ersten Saison bei Olympique Lyon vor dem Aus.
Jerome Boateng steht nach einer enttäuschenden ersten Saison bei Olympique Lyon vor dem Aus. © IMAGO/PanoramiC (Montage)
Anzeige

Jérôme Boateng steht nach einer enttäuschenden ersten Spielzeit bei Olympique Lyon vor dem Aus. Der ehemalige deutsche Nationalspieler kam bei den Franzosen zuletzt nicht mehr zum Zug.

Endspurt in Frankreichs erster Fußball-Liga. Mit Ausnahme der Deutschen, die bei der AS Monaco unter Vertrag stehen, nämlich Kevin Volland, Alexander Nübel und Ismail Jakobs, die wohl an diesem Samstag (21 Uhr, live bei DAZN sehen [Anzeige]) beim Gastspiel in Lens am abschließenden Spieltag der Ligue 1 direkt das Ticket für die Gruppenphase der Champions League lösen werden, ist die Saison 2021/2022 für die weiteren deutschen Spieler in der französischen Liga alles andere als erfreulich gelaufen.

Anzeige

Wie bereits in den vergangenen Jahren kam weder Julian Draxler noch Thilo Kehrer über die Reservistenrolle bei Paris Saint-Germain hinaus. Die größte Enttäuschung allerdings heißt ohne Wenn und Aber Jérôme Boateng. Nachdem sich sein Transfer zum FC Sevilla Ende August vergangenen Jahres in allerletzter Sekunde zerschlagen hatte, griffen anschließend die Verantwortlichen von Olympique Lyon zu.

Doch trotz einer vielversprechenden Anfangszeit, als Boateng vom vormaligen Leverkusener Trainer Peter Bosz umgehend zum Abwehrchef ernannt wurde, spielt der frühere deutsche Nationalspieler mittlerweile keine große sportliche Rolle mehr. In der Rückrunde saß der 33-Jährige häufiger auf der Ersatzbank als er beim Anpfiff auf dem Rasen stand: Nur sieben Mal zählte Boateng zur Startelf, zweimal blieb er sogar 90 Minuten auf der Ersatzbank und mehrfach strich ihn Bosz aus Leistungsgründen komplett aus dem Kader. Laut der französischen Zeitung L’Équipe ist der ehemalige deutsche Nationalspieler nicht in der Lage, mehr als eine Stunde zu spielen: Körperlich wirkt er dabei völlig unfit und unausgewogen, wie zuletzt beim Gastspiel in Metz, seinerzeit Tabellenschlusslicht. Boateng kam häufig viel zu spät in die Zweikämpfe, zeigte keinerlei Lust und musste bereits zur Pause wieder raus

Anzeige

Der Abschluss einer traurigen Saison

Zu Beginn dieser Spielzeit hatte Trainer Bosz über eine Stunde mit Boateng telefoniert, um ihn nach Lyon zu lotsen – was ihm schließlich gelang. Heute soll der Niederländer seine Initiative arg bereuen, denn vom Gesamtpaket, das der Ex-Münchner abliefert, ist Bosz tief enttäuscht. Sowohl menschlich als auch sportlich. Mittlerweile ist Boateng in der Hierarchie der Lyonnais-Abwehrspieler hinter Castello Lukeba, Jason Denayer, Thiago Mendes und Damien da Silva nur noch fünfte Wahl. Obwohl Denayer und da Silva verletzungsbedingt fehlten, beorderte Bosz Mittelfeldspieler Thiago Mendes in die Innenverteidigung, statt wieder Boateng das Vertrauen zu schenken. Am vergangenen Samstag beim abschließenden Heimspiel gegen Nantes (3:2) wurde Boateng erst nach 73 Minuten eingewechselt. Prompt kassierte Lyon zwei Gegentreffer. Gut möglich, dass der Deutsche an diesem Samstag in Clermont 90 Minuten auf der Bank schmoren und dort eine traurige Saison abschließen wird.

In der Mannschaftskabine sei Boateng nach mehreren Ausrastern gegen diverse Mitspieler isoliert, wenngleich seine Professionalität und seine Ratschläge an die jüngeren Spieler durchaus geschätzt sind. „Das Problem von Boateng: Es ist für ihn besonders schwierig, bei seinen Kollegen glaubwürdig zu wirken, wenn er schon nicht in der Lage ist, sich sportlich durchzusetzen“, sagt Vincent Duluc, seit mehr als 20 Jahren Lyon-Chefreporter für die L’Équipe.

Eine zweite Spielzeit in Lyon erscheint derzeit unvorstellbar, obwohl Boatengs Vertrag noch bis Juni 2023 läuft. Doch das Kapitel Boateng in Lyon gilt bereits jetzt als ein großes Missverständnis.