09. Februar 2021 / 09:56 Uhr

Der neue Chefcoach Thomas Kupper will Döbelner SC zu altem Glanz zurückführen

Der neue Chefcoach Thomas Kupper will Döbelner SC zu altem Glanz zurückführen

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Thomas Kupper (Mitte) wollte schon mal – im Sommer 2013 – die damaligen Landesligakicker des Döbelner SC zu „Höchstleistungen“ antreiben.
Thomas Kupper (Mitte) wollte schon mal – im Sommer 2013 – die damaligen Landesligakicker des Döbelner SC zu „Höchstleistungen“ antreiben. © Wolfgang Sens
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Thomas Kupper spielte für Stahl Riesa in der DDR-Oberliga, war Stützpunkttrainer und Assistenztrainer beim TSV 1860 München in der zweiten Bundesliga. Er weiß auch, dass Amateure andere Prioritäten wie Beruf, Studium, Familie setzen. Dennoch will Kupper mit dem Döbelner SC nicht nur in der Kreisoberliga mitspielen.

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Döbeln. Mit einem alten Bekannten zurück zu altem Glanz: Wie berichtet soll Thomas Kupper den Döbelner SC wieder in höhere Regionen führen. „Wir sind im Nachwuchs DFB-Stützpunkt und gut aufgestellt, wir haben viele junge Spieler mit großem Potenzial“, sagt DSC-Präsident Thomas Kolbe, „da kann die Kreisoberliga bei der ersten Männermannschaft nicht unser Anspruch sein, wir wollen langfristig mehrere Etagen nach oben.“ Der 54-jährige Kupper sei dafür als strategisch denkender Trainer und Talente-Förderer die Idealbesetzung. „Er bringt die nötige Erfahrung und das taktische Rüstzeug mit“, glaubt Kolbe, „vor allem aber trägt er das DSC-Gen in sich. Er war ja hier schon als Spieler und Trainer erfolgreich und ist seit langem eine Identifikationsfigur.“

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DSC-Kenner braucht keine Eingewöhnungszeit

Thomas Kupper bestätigt, dass er auch aus alter Verbundenheit zurückgekehrt ist. „Mein Vorteil ist, dass ich keine Eingewöhnungszeit brauche. Ich kenne hier alles: Die Strukturen, die Funktionäre, die Trainer, die Plätze, sogar die Presse. Es ist für mich ein halbes Heimspiel, und das war einer der Gründe für meinen Wechsel“, erklärt Kupper, der in Naundorf bei Oschatz als Sportlehrer arbeitet.

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Unter der Aufsicht von Nachwuchsleiter Ulrich Löser haben die Kids des Döbelner SC viel Spaß beim Trainieren und Spielen. Zur Galerie
Unter der Aufsicht von Nachwuchsleiter Ulrich Löser haben die Kids des Döbelner SC viel Spaß beim Trainieren und Spielen. © Sven Bartsch

Der ehemalige DDR-Oberliga-Kicker (Stahl Riesa) kam 1991 nach Döbeln, wurde Nachwuchs- und Stützpunkttrainer, glänzte bei den DSC-Männern in der Landesliga und spielte sich in die Herzen der Fans: 1999 wurde er zu einem von fünf Döbelner „Jahrhundertfußballern“ gewählt, von 2013 bis 2015 war er erstmals DSC-Chefcoach. Ebenfalls in der Landesliga, wo er zuletzt auch zwei Jahre den Großenhainer FV betreute. Im vergangenen Sommer verabschiedete er sich dort. „Weil die Wünsche des Vereins der Realität davongaloppiert sind. Da habe ich nicht mehr mitgespielt. Ich bin nicht der Weihnachtsmann und auch kein Zauberer, der Wunder vollbringen kann.“

Schritt für Schritt realistische Ziele stellen

Aber wird nicht genau das jetzt von ihm in Döbeln erwartet? „Nein“, versichert Thomas Kupper, „das würde nur zu Dauerstress führen. Wir sind uns einig, dass wir auf Nachhaltigkeit und Teamwork setzen, uns Schritt für Schritt realistische Ziele stellen. Es wäre doch absurd, jetzt in der Kreisoberliga von der Landesliga zu fantasieren. Nein, das wird ein längerer Prozess, den ich ganz entspannt angehe.“

Zunächst einmal will er eine Bestandsaufnahme erstellen, dann eine Spielidee entwickeln, die den Möglichkeiten des aktuellen Kaders entspreche. Dabei seien Geduld und das Engagement aller gefragt. Punktuelle Verstärkungen werde es sicher geben, aber eine Einkaufsorgie schließen sowohl Präsident Kolbe („Wir werden nie eine Legionärsmannschaft haben, die Sponsoren stehen hinter unserem Konzept“) als auch der neue Trainer aus. „Ich halte nichts davon, sich ein Team zusammenzukaufen, das geht spätestens dann nach hinten los, wenn das Geld alle ist“, sagt Thomas Kupper, „dafür gibt es genug Bespiele, Kometenvereine, die schnell wieder verglüht sind. Wir schauen erst mal, wie viele PS wir auf den Platz bringen, wo es hakt und wo wir nachsteuern müssen.“

Seiner Mannschaft hat er sich bereits per Videokonferenz vorgestellt. Dass er mit seinen Jungs vorerst nicht auf dem Platz arbeiten kann, müsse er akzeptieren, „Am ersten Trainingstag wird der Ball unser größter Feind sein“, meint er verschmitzt, „aber wir haben ja Zeit. Es ist hilfreich, dass wir in dieser Saison mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden.“

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Der DSC ist momentan Tabellensechster und hat Kupper zwei Co-Trainer zur Seite gestellt: Uwe Zimmermann, der schon vor einigen Jahren sein Assistent war und zuletzt die B-Jugend betreute, sowie den bisherigen „Co“ Erik Hustig. „Es ist gut, dass wir die Last auf mehrere Schultern verteilen können“, sagt Kupper.

Glücksgefühle und bittere Erfahrungen

Er kennt auch den Profi-Bereich aus eigenem Erleben. Seit 2005 ist er Fußball-Lehrer, saß damals beim Lehrgang in Köln unter anderem mit Thomas Häßler, Thorsten Fink und Oliver Reck auf der Schulbank – und mit Torsten Fröhling, der Thomas Kupper zehn Jahre später als Co-Trainer zu 1860 München in die zweite Liga holte. Später bildeten beide auch bei Drittligist Wehen-Wiesbaden ein Gespann.

Kupper möchte diese Zeit nicht missen, die hohe Intensität, das tägliche Training, die optimalen Bedingungen, die Resonanz in den Medien, die schönen Erfahrungen und die bitteren. „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten“, räumt er ein, „wenn du als Spieler nicht funktionierst, bis du weg, und wenn du als Trainer keinen Erfolg hast, wirst du entlassen, auch wenn du vielleicht alles richtig gemacht hast. In diesem knallharten System geht oft die Menschlichkeit verloren.“ Auf der anderen Seite standen Glücksgefühle wie im DFB-Pokal mit 1860: „Da haben wir Hoffenheim rausgehauen, die Hütte hat gebebt, der Jubel war unbeschreiblich. So etwas vergisst man nicht, das bleibt.“

Hohe Ansprüche statt billiger Ausreden

Thomas Kupper weiß, dass er Profis nicht mit Amateuren vergleichen darf, dass für letztere andere Prioritäten gelten wie Beruf, Studium, Prüfungen, Familie. „Amateure kann ich zu nichts zwingen. Karnevalsfußball macht aber auch keinen Sinn, deshalb erwarte ich von meinen Spielern, dass sie offen für Neues und kritikfähig sind, Ansprüche an sich selbst haben und sich verbessern wollen. Sie müssen ihr Leben so strukturieren, dass sie ihren Hintern zweimal in der Woche zum Training bewegen können.“

Thomas Kupper arbeitet gern mit Menschen, motiviert, regt an, setzt Anreize und formuliert Ziele. Er hat gern Spaß, besitzt Mutterwitz und einen hintersinnigen Humor. Aber er mag keine satten und zufriedenen Fußballer, er mag vor allem keine Ausreden.

Davon hat er schon die verrücktesten gehört. Einen Spieler, der angeblich seinen Hund kastrieren musste, einen anderen, dessen Oma mindestens dreimal im Jahr Geburtstag hatte. „Aber ich schreibe mir so was auf und ziehe Konsequenzen. Derjenige spielt dann eben nicht. Wir alle opfern Zeit und ich lasse mich nicht verarschen.“ Und so hat Thomas Kupper den Döbelner Jungs gleich bei seiner Vorstellung gesagt: „Wenn nur fünf Leute zum Training kommen, fahre ich wieder nach Hause.“