22. September 2021 / 12:09 Uhr

Sachsen-Anhalt-Derby: Hallescher FC hat nichts zu verlieren - 12.500 Fans gegen Magdeburg

Sachsen-Anhalt-Derby: Hallescher FC hat nichts zu verlieren - 12.500 Fans gegen Magdeburg

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Zuletzt trafen beide Mannschaften im Landespokal aufeinander. Diese Partie gewann der FC Magdeburg gegen den Halleschen FC mit 3:2.
Zuletzt trafen beide Mannschaften im Landespokal aufeinander. Diese Partie gewann der FC Magdeburg gegen den Halleschen FC mit 3:2. © Getty Images
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In der Neuauflage des Sachsen-Anhalt-Derbys kann der ersatzgeschwächte Hallesche FC frei aufspielen. Die Vorzeichen sprechen klar für Drittliga-Spitzenreiter 1. FC Magdeburg. Doch dieser ließ sich zuletzt von einem Kellerkind daheim überraschen.

Halle/Magdeburg. Die Vorzeichen könnten eindeutiger nicht sein. Der 1. FC Magdeburg reist als Drittliga-Tabellenführer zum Dauerrivalen. Theoretisch müsste der Hallesche FC aufgrund seiner ungewöhnlichen Verletzungsmisere die Waffen strecken. Doch der Kampf gegen den unliebsamen Club aus der Landeshauptstadt mobilisiert beim gebeutelten HFC neue Kräfte. Vor allem die Fans sollen beim Flutlichtspiel für Derby-Atmosphäre sorgen. 12.500 Fans sind zugelassen. Es greift an diesem Freitagabend (19.00/Magentasport) das 3G-Konzept, teilte der HFC am Mittwoch mit.

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Auch wenn die Gesamtstatistik des Traditionsduells in der 3. Liga bis zur Oberliga inklusive Landespokal mit 42:23-Siegen klar für die einzigen DDR-Europapokalsieger (1974) spricht. Das letzte Drittliga-Duell gewann der HFC mit 1:0. Terrence Boyd sorgte mit seinem Kopfballtreffer in der Nachspielzeit Ende Januar für den 1:0-Erfolg. Zuvor überraschte Halle im September des Vorjahres mit einem 2:0-Sieg beim FCM, nachdem man zuvor seit 2012 (3:0/Regionalliga) sieglos war.

Nun kommt der FCM mit 19 Zählern im Gepäck als Spitzenreiter ins Leuna-Chemie-Stadion. Doch das Team von Christian Titz rutschte zuletzt im eigenen Stadionrund gegen Kellerkind Würzburger Kickers (1:2) aus. Der HFC steht mit 13 Punkten auf Rang acht, hat aber in der jetzigen Situation nichts zu verlieren. Die Schlagzeile "Was haben wir verbrochen?" bei der Mitteilung des nunmehr zehnten Verletzten sagt alles.

Verletzungssorgen bei Halle

Die Verletzungswelle in Halle nimmt schon groteske Züge an. Der neueste Ausfall ist Torhüter Sven Müller mit einer Fraktur im Sprunggelenk. Zuvor erwischte es Aaron Herzog, Jan Löhmannsröben, Tom Zimmerschied, Sören Reddemann, Jannes Vollert und Toni Lindenhahn. Zudem waren zuletzt auch Louis Samson, Justin Eilers und Fabian Menig nicht einsatzfähig. Dafür kommt HFC-Torjäger Boyd nach Ablauf seiner Rotsperre zurück: "Unsere Defensivspieler werden es ihm schwer machen, damit er nicht zu seinen Toren kommt", sagte FCM-Spielmacher Baris Atik am Mittwoch in einer Medienrunde.

Aus eigener Erfahrung weiß er: "Es ist Derby, da werden sie alles reinwerfen." Er erwarte einen "ganz schwierigen Gegner, der uns alles abverlangen wird. Es muss vieles passen, damit wir da drei Punkte mitnehmen", betonte Atik und sendete Genesungswünsche nach Halle: "Es tut es mir leid für den HFC, dass sie so viel Ausfälle haben. Ich wünsche allen Spielern gute Besserung."

Schnorrenberg: "Brauchen Top-Leistung"

Vor allem für Halles Sportdirektor Ralf Minge ist es derzeit eine Mammutaufgabe. "Ich habe schon viel erlebt im Fußball, aber diese Fülle an schweren Verletzungen innerhalb kürzester Zeit in einer Mannschaft ist wohl unerreicht", meinte Minge, der sich aktuell auf dem Markt umschaut. Da das Transferfenster zu ist, sind die Möglichkeiten mit derzeit vereinslosen Kickern begrenzt und überschaubar.


Die Sicherheitsaspekte für das brisante Derby dürften nun mit der Zuschauer-Zulassung wieder steigen. Nach dpa-Informationen haben die Magdeburger Fans das Gästekontingent von 10 Prozent bisher nicht ausgereizt. Auch soll der harte Kern der Magdeburger Fans - der U-Block mit den Ultras - weiter das Derby boykottieren. Das hatten sie bereits 2020 verkündet. Denn der ungeklärte Tod von FCM-Fan Hannes, der im Oktober 2016 nach einer Begegnung mit HFC-Anhängern aus einem fahrenden Zug gestürzt war, liegt immer noch wie ein dunkler Schatten über dem Derby.

Zuletzt hatten beide Vereine Fingerspitzengefühl im Vorfeld des Duells bewiesen und sich zurückgehalten. "Wir brauchen keine Kampfansagen, wir brauchen eine Top-Leistung", so das Credo von HFC-Coach Florian Schnorrenberg.

dpa