04. September 2021 / 21:37 Uhr

DFB-Comebacker, PSG-Stammspieler: Wie Thilo Kehrer an seinem WM-Traum arbeitet

DFB-Comebacker, PSG-Stammspieler: Wie Thilo Kehrer an seinem WM-Traum arbeitet

Alexis Menuge 
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Thilo Kehrer steht im ersten DFB-Kader von Bundestrainer Hansi Flick.
Thilo Kehrer steht im ersten DFB-Kader von Bundestrainer Hansi Flick. © IMAGO/ULMER Pressebildagentur (Montage)
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Gegen Liechtenstein feierte er sein DFB-Comeback nach fast einem Jahr, bei der "Weltauswahl" von Paris Saint-Germain absolvierte er bisher jedes Spiel: Thilo Kehrer gehört zu den Gewinnern der noch jungen Fußballsaison. Den Innenverteidiger treibt ein Ziel besonders an.

Thilo Kehrer war schon lang nicht mehr so glücklich wie in diesen Tagen. Seit er das Paris-Saint-Germain-Trikot trägt, seit er im Sommer 2018 aus Schalke in die französische Hauptstadt für 37 Millionen Euro wechselte, erlebte der Tübinger einige Höhe-, aber vor allem etliche Tiefpunkte. Angefangen bei seinem dicken Patzer im Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Manchester United (1:3) im März 2019, der zum unerwarteten Aus seines Teams führte. Danach verging keine Transferperiode, ohne dass Kehrer auf der Abschussliste stand. Sportdirektor Leonardo wollte ihn schon länger loswerden, Begründung: mangelnde Konstanz, zahlreiche Verletzungen, zu wenig Glamour im Pariser Star-Ensemble.

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Auch der einstige PSG-Coach Thomas Tuchel, der sich eingesetzt hatte, um ihn zu verpflichten, zeigte sich wenig begeistert vom Auftreten seines Landsmanns – und als Mauricio Pochettino im Januar als Trainer übernahm, schien Kehrers Ende an der Seine besiegelt. Diesmal wurde er mit Bayer 04 Leverkusen und Bayern München in Verbindung gebracht, doch erneut ist das Transferfenster geschlossen und Kehrer ist noch immer ein Pariser. Bereits vor drei Wochen entschieden die PSG-Bosse intern, Kehrer doch noch zu halten. Zum einen, weil man zu wenig Alternativen in der Innenverteidigung hat. Aber auch, weil sich Kehrer in der Vorbereitung enorm steigerte.

PSG-Trainer Pochettino lobt Kehrer: "Auf Thilo ist Verlass"

Während der französische Vize-Meister mit Lionel Messi, Sergio Ramos, Achraf Hakimi, Georginio Wijnaldum und Gianluigi Donnarumma eine einzigartige Einkaufstour startete, wurde Kehrer in jeder Partie von Beginn an eingesetzt. Seit dem Saisonstart hat er wettbewerbsübergreifend keine einzige Minute verpasst (vier Spiele in der Ligue 1 und im französischen Supercup). "Auf Thilo ist Verlass", erklärte zuletzt Pochettino. Und auch der neue Bundestrainer Hansi Flick bot Kehrer erstmals seit September 2020 wieder fürs DFB-Team auf und brachte ihn bei seinem Debüt gegen Liechtenstein gleich in der Startelf.

"In den vergangenen Wochen machte er große Fortschritte in puncto Stellungsspiel und Durchsetzungsvermögen. Außerdem wirkt er befreiter und souveräner", lobt sein Klub-Coach Pochettino. Auch wenn die Nicht-Nominierung zur EM nach einer enttäuschenden Saison in Paris mit wenigen Einsätzen nicht überraschend kam, musste er sich erst mal davon erholen. Kehrer nutzte die freie Zeit nicht für Urlaub, sondern arbeitete an sich und seinem Körper. "Er ist gerade auf einem guten Weg", meint Pochettino. "Wir haben in den kommenden Wochen viele Spiele und ich bin fest davon überzeugt, dass Thilo dabei eine interessante Rolle einnehmen wird."

Endlich Innenverteidiger: Kehrer hat zu alter Stärke gefunden

Kehrer hat endlich wieder zu alter Stärke gefunden, auch weil er nun auf seiner Lieblingsposition in der Mitte eingesetzt wird und nicht mehr als Notnagel auf der Rechtsverteidiger-Position. Seine direkten Konkurrenten Sergio Ramos und Presnel Kimpembe sind häufig verletzt, sodass er sich sogar große Hoffnungen auf Einsätze gegen Manchester City oder RB Leipzig im Herbst in der Champions League machen darf. Zunächst will er aber sein Comeback in der Nationalmannschaft genießen. Dort sieht er sich perspektivisch ebenfalls als Innenverteidiger. "Bislang habe ich in der Nationalelf eher weiter außen und weiter vorn gespielt. Dort fühle ich mich auch wohl. Aber mein Ziel ist es, mich immer weiter in die Mitte reinzuspielen."

Kehrers Ziel heißt Katar. Der 24-Jährige kommt bislang auf zehn Länderspiele, eine Welt- oder Europameisterschaft hat er aber noch nicht bestritten. Als Stammspieler in der Pariser Weltauswahl dürfte er aber beste Karten auf ein Ticket für die WM im nächsten Winter haben.