16. September 2022 / 05:30 Uhr

DFB-Spielerin Sophia Kleinherne über den EM-Hype, den Bundesliga-Auftakt und die Zukunft des Frauenfußballs

DFB-Spielerin Sophia Kleinherne über den EM-Hype, den Bundesliga-Auftakt und die Zukunft des Frauenfußballs

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sophia Kleinherne startet am Freitag mit Eintracht Frankfurt in die neue Bundesliga-Saison der Frauen.
Sophia Kleinherne startet am Freitag mit Eintracht Frankfurt in die neue Bundesliga-Saison der Frauen. © IMAGO/Hartenfelser/Beautiful Sports (Montage)
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Mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft kratzte Sophia Kleinherne im Sommer am EM-Coup. Mit Eintracht Frankfurt startet die 22-Jährige am Freitag in die neue Bundesliga-Saison. Im SPORTBUZZER-Interview spricht sie über das zurückliegende Turnier, den Start gegen den FC Bayern und die Zukunft des Frauenfußballs.

Die EM in England war für Sophia Kleinherne das erste große Turnier mit der Nationalmannschaft. Die 22-Jährige steuerte einen Treffer bis zum Finaleinzug des Teams von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bei. Nach drei Jahren in Gütersloh wechselte Kleinherne 2017 nach Frankfurt. Dort spielte sie erst in der zweiten, dann in der ersten Mannschaft des FFC – und seit der Fusion 2020 trägt sie das Trikot der Eintracht. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) spricht die gebürtige Münsterländerin über die erwartete Rekordkulisse beim Bundesliga-Auftakt im Deutsche-Bank-Park (19.15 Uhr/Eurosport und Magentasport) und ihre Hoffnungen für den Frauenfußball.

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SPORTBUZZER: Frau Kleinherne, wie viel der EM-Euphorie konnten Sie bis zum Bundesliga-Start konservieren?

Sophia Kleinherne (22): Enorm viel! Kurios war, dass wir in England gar nicht so gemerkt haben, wie diese Euphorie nach Deutschland geschwappt ist. Als wir in Deutschland gelandet sind und später auf dem Römer-Balkon – da haben wir gespürt, wie viel Begeisterung wir mit diesem Turnier ausgelöst haben. Noch immer werden wir angesprochen und beglückwünscht. Das ist schon krass. Es ist ein neues Bild für uns, das man genießt. Wir haben uns das hart erarbeitet.

Nun steht der Bundesliga-Auftakt zwischen Ihrer Eintracht und dem FC Bayern an. Das Spiel findet im Deutsche-Bank-Park statt – mit über 10.000 verkauften Tickets könnte es eine Rekordkulisse werden.

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Das ist definitiv unser Ziel! Dieser Saisonstart soll wieder beste Werbung sein. Beide Mannschaften werden Feuer und Flamme sein, viele deutsche Nationalspielerinnen treffen aufeinander. Dieses Duell hat die große Kulisse verdient. Diese Situation wollen wir beibehalten, es soll keine Ausnahme mehr sein, so viele Zuschauer im Stadion zu haben.

Den Champions-League-Einzug haben Sie aufgrund der Finalniederlage beim Qualifikationsturnier knapp verpasst. Für Eintracht Frankfurt war es aber ein großer Erfolg, den die SGE-Männer aktiv unterstützt haben. Wie nehmen Sie den Austausch wahr?

Wir unterstützen das Männerteam, das Männerteam kommt zu uns. Beim letzten Ligaspiel der Vorsaison waren viele Spieler da und haben unseren Einzug in die Qualifikation der Champions League gefeiert. Am 18. Mai waren wir in Sevilla und haben sie auf dem Weg zum Europa-League-Sieg ange­feuert.

"Ich bin davon überzeugt, dass wir gerade einen guten Weg einschlagen."

Der Zusammenschluss mit dem FFC war ein eindeutiges Zeichen der Eintracht, auf den Frauenfußball zu setzen. Welche Auswirkungen hatte das für Sie und Ihre Mannschaft?

Seit der Fusion hat sich bei uns strukturell einiges geändert. Die Bedingungen haben sich deutlich verbessert. Ich bin davon überzeugt, dass wir gerade einen guten Weg einschlagen. Vereine wie der FC Bayern und der VfL Wolfsburg sind natürlich Vorbilder. Aber das genügt nicht. Wir müssen es als gesamte Liga schaffen, dass nicht nur einzelne Mannschaften hervorragende Strukturen haben.

Also sollten Traditionsklubs wie Borussia Dortmund und Schalke 04, die bisher in unteren Ligen unterwegs sind, mehr tun? BVB-Boss Hans-Joachim Watzke betonte, er wolle kostendeckend arbeiten, und ein Aufstieg in die Bundesliga sei keine Pflicht.


Es wird immer offensichtlicher, dass ein reiner Frauenfußballverein die Professionalisierung sehr schwer ermöglichen kann. Von daher ist es notwendig, die Unterstützung eines gestandenen Vereins aus dem Männerbereich zu bekommen. Ohne uns in den Hintergrund zu schieben und nur im Schatten der Männer zu stehen, obwohl diese Gefahr dann ein bisschen besteht.

Gerade werden die neuen TV-Rechte ausgeschrieben. Wie groß sind Ihre Hoffnungen, dass die Medienunternehmen in Liga und DFB-Team investieren?

Es wäre ein wichtiges Zeichen. Wir haben mit unseren Leistungen vorgelegt und hätten es verdient, dass unsere Spiele auf mehr Kanälen gezeigt werden und nicht nur ein Topspiel im Free-TV zu sehen ist. Es ist nachvollziehbar, dass es vielleicht ein Abo geben muss, wenn Fans alle Spiele sehen wollen. Ein guter Mix würde aus meiner Sicht am meisten helfen.

Mit Medien- und Sponsorenverträgen soll deutlich mehr Geld im Frauenfußball ankommen. Sehen Sie dann womöglich die Gefahr, dass Millionentransfers und Co. Einzug halten und die viel zitierte Authentizität verloren gehen könnte?

Wir leben von unserer Leidenschaft, unserem Teamgeist, von den Werten, die wir nach außen tragen. Der Frauenfußball soll sich weiterentwickeln, damit jede Spielerin davon leben und für die Zeit nach der zeitlich begrenzten Karriere einige Rücklagen bilden kann. Es geht nicht darum, utopische Summen zu verdienen. Das wären dann nicht mehr wir.

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