17. März 2021 / 10:16 Uhr

Drei von 21 Landesverbänden haben die Saison schon abgebrochen - Brandenburg wartet noch

Drei von 21 Landesverbänden haben die Saison schon abgebrochen - Brandenburg wartet noch

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
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Auf dem Sportplatz des Malterhausener SV fand schon mehrere Monate kein Spiel mehr statt. © Frank Neßler
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Nach Hamburg und Schleswig-Holstein hat auch Sachsen-Anhalt die Saison 2020/21 abgebrochen. In Brandenburg wartet man auf die Entscheidungen der Ministerpräsidentenkonferenz.

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Der Malterhausener SV hat den allermeisten Fußballvereinen in Brandenburg eines voraus: Gewissheit. Der Verein aus dem Landkreis Teltow-Fläming spielt nämlich nicht in einer Liga in der Mark, sondern in Sachsen-Anhalt. Und im Nachbar-Bundesland, nur 15 Autominuten von Malterhausen entfernt, wurde am Montagabend die Saison auf Landesebene abgebrochen. Dass die dortigen Fußballkreise ähnlich verfahren werden, gilt als sehr wahrscheinlich.

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Glücklich ist der MSV-Trainer Mike Marquardt allerdings nicht damit, er hätte die Saison gerne sportlich zu Ende gespielt, schließlich liegt seine Mannschaft aktuell auf Platz zwei der Kreisliga Nord im Fußballkreis Wittenberg. „Ich finde es schade. Ich denke mal, alle die unten stehen, sind vermutlich zufrieden. Aber wenn man einen Lauf hat, würde man gerne weiterspielen“, sagt Marquardt.

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Sachsen-Anhalt ist der erste Landesverband im Gebiet des Nordostdeutschen Fußball-Verbands (NOFV), der seine Saison abgebrochen hat. Von den insgesamt 21 Landesverbänden in Deutschland hatten zuvor bereits Hamburg und Schleswig-Holstein einen Schlussstrich unter die zweite Corona-Saison gezogen. Der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) will dagegen die Entscheidungen der Ministerpräsidentenkonferenz am 22. März abwarten. „So können wir uns auf weitere Szenarien vorbereiten – die eine Beendigung der Hinrunde, aber auch einen Abbruch bedeuten können“, sagte Geschäftsführerin Anne Engel in einer Mitteilung des FLB vom Montagabend. In dieser verkündete der Verband zudem, dass die Spielklassen nicht regulär zu Ende gespielt werden – ein Fakt, der bereits seit Monaten klar war, bei der Vorstandssitzung am Montagabend aber seine formelle Umsetzung fand.



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Im Idealfall soll zumindest die Hinrunde zu Ende gespielt werden, „die Auf- und Absteiger-Regelungen bleiben davon unberührt“, teilte der FLB mit: „Die Regelung gilt für alle Alters- und Spielklassen des FLB einschließlich seiner Fußballkreise. Pokalwettbewerbe sollen, soweit möglich, zu Ende geführt werden, gegebenenfalls auch nach dem 30. Juni 2021.“ Der FLB hatte bereits Mitte Januar die Ergebnisse einer Umfrage unter den Vereinen mit Teams auf Landesebene veröffentlicht. Tenor: keine Saisonfortsetzung über den Juni hinaus.

Gleiches gilt in Mecklenburg-Vorpommern, dort könnte nur der Landespokal der Männer eine Ausnahme bilden, weil ein Starter für den DFB-Pokal ermittelt werden muss. „Sofern also die reelle Chance besteht, den Spielbetrieb unter Anwendung von Hygienekonzepten und der Einhaltung von behördlichen Vorgaben wiederaufzunehmen – und diese Chance sehen wir derzeit noch –, wollen wir nicht vorschnell handeln“, sagte Joachim Masuch, Präsident des Landesfußballverbands.

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Eine ähnliche Umfrage wie in Brandenburg startet nun der Berliner Fußball-Verband (BFV), wie er am Dienstag mitteilte. Bis Sonntag können die Teilnehmer ihre Meinung kundtun. „Die Ergebnisse fließen in die Entscheidungsfindung der spieltechnischen Gremien und des Präsidiums ein und werden mit der Vorstellung der weiteren Schritte veröffentlicht“, heißt es vom BFV.

In Thüringen (TFV) führt der Verband ebenfalls eine Befragung durch, die Vereine haben bis zum 28. März Zeit, die sechs Fragen zu beantworten. Am vergangenen Freitag hatte der Spielausschuss des TFV nach einer virtuellen Konferenz mitgeteilt: „Ein Saisonabbruch zum jetzigen Zeitpunkt wird von den Teilnehmern als voreilige Aktion abgelehnt.“ Allerdings gibt es dort eine Deadline: „Es wird festgestellt, dass, wenn bis zum 12. April der Trainingsbetrieb in Thüringen nicht wieder aufgenommen werden kann, der letztmögliche Wiederaufnahmetermin des Ligaspielbetriebs in der Thüringenliga und der Landesklasse zum 9. Mai nicht möglich wäre und somit ein Saisonabbruch für den Punktspielbetrieb als unausweichlich angesehen wird.“

Ein solches Datum gibt es in Brandenburg bislang nicht. FLB-Geschäftsführerin Anne Engel hatte vergangene Woche im MAZ-Interview lediglich gesagt, „der Spielbetrieb muss relativ bald starten, damit wir die Hinrunde noch zu Ende spielen können“.

Wenig Hoffnung in Sachsen

In Sachsen (SFV) sieht es der Verband negativer. „Angesichts der gegenwärtigen Pandemieentwicklung in Sachsen erarbeiten die spielleitenden Ausschüsse des SFV ein Szenario, das die vorzeitige Beendigung der Meisterschaften in den Landesspielklassen (für alle Altersklassen) vorsieht“, hieß es in einer Mitteilung am Dienstag, nachdem der Vorstand am Montagabend getagt hatte. „Die aktuelle Verordnungslage lässt im Moment wenig Hoffnung auf die anvisierte Absolvierung einer Hinrunde zu“, sagte Volkmar Beier, der Vorsitzendes des Spielausschusses.

In Sachsen-Anhalt war man ähnlicher Meinung und hat die Konsequenzen gezogen. Sollte der NOFV einen Aufsteiger aus der Verbandsliga zulassen, wird dieser nach der Quotientenregel ermittelt, wie zum Beispiel in Brandenburg im vergangenen Jahr. Kommt diese zum Tragen, profitiert auch der Malterhausener SV. Er hat als Zweiter zwölf Punkte aus fünf Spielen geholt (Quotient: 2,4), Tabellenführer SG Lebien/​Annaburg II aus sechs Spielen 13 Zähler (2,17). „Wir nehmen es auch dankbar an, wenn es so ist“, sagt Mike Marquardt, „die Jungs sind heiß, sie scharren mit den Hufen“ – am Dienstagabend trafen sie sich zum ersten Training in Malterhausen seit mehreren Monaten.

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