16. April 2021 / 09:19 Uhr

Duisburg-Spiel wird für Dynamo Dresden zur Nervenschlacht

Duisburg-Spiel wird für Dynamo Dresden zur Nervenschlacht

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
SGDMSV
SGD-Stürmer Christoph Daferner traf zwar im Hinspiel, doch momentan leidet er wie alle Dynamos an Ladehemmung. Wilson Kamavuaka und seine „Zebras“ haben sich indes in den letzten Monaten aus dem Tabellenkeller emporgearbeitet und wollen in Dresden punkten. © Imago/osnapix
Anzeige

Am Samstagnachmittag empfängt Dynamo Dresden den MSV Duisburg. Die Gäste sind im Aufwind und rufen mit ihrem bitteren Saisonabschluss im Vorjahr mulmige Gefühle bei den Schwarz-Gelben hervor.

Anzeige

Dresden/Duisburg. Seit Anfang Dezember ist Dynamo Dresden Tabellenführer der 3. Fußball-Liga. Zu Weihnachten hatten die Schwarz-Gelben sieben Punkte Vorsprung auf Platz zwei, acht auf den Relegationsrang. Doch das Polster ist weg – nach drei Spielen ohne Sieg und ohne eigenes Tor hält den Zweitliga-Absteiger nur noch ein mageres Pünktchen Vorsprung auf dem Platz an der Sonne, Rang drei ist auch nur ein Punkt weg. Selbst Platz vier ist nur noch fünf Zähler entfernt. So sorgen sich die Fans, dass es ihrem Club in diesem Jahr genauso ergehen könnte wie dem kommenden Gegner in der Saison 2019/20.

Anzeige

Der MSV Duisburg lag damals lange klar auf Aufstiegskurs, verpasste die ersehnte Rückkehr in die 2. Bundesliga aber noch auf den letzten Metern. Vom 14. bis zum 32. Spieltag waren die „Zebras“ Tabellenführer, nach einem 1:1 in Uerdingen waren sie nur noch Zweiter. Ende Juni rutschte die Mannschaft von Trainer Torsten Lieberknecht nach einem 0:1 bei Viktoria Köln ganz aus den Aufstiegsrängen, wurde am Ende mit 62 Zählern nur Fünfter – mit einem Punkt Rückstand auf den FC Ingolstadt, der in die Relegation durfte und dort hauchdünn am 1. FC Nürnberg scheiterte.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Hinspiel von Dynamo in Duisburg

Nächster Sieg: Die SG Dynamo Dresden gewinnt gegen den MSV Duisburg mit 3:0. Zur Galerie
Nächster Sieg: Die SG Dynamo Dresden gewinnt gegen den MSV Duisburg mit 3:0. ©

Ein maßgeblicher Grund für die sportliche Enttäuschung war neben individuellen Fehlern der Spieler auf dem Platz – beispielsweise patzte Torwart Leo Weinkauf – eine Verletzungsmisere. Sieben Spieler fehlten MSV-Trainer Torsten Lieberknecht in der Endphase des Aufstiegsrennens. Da drängen sich zwangsläufig Parallelen zur aktuellen Situation bei Dynamo auf, denn am Sonnabend fehlen Trainer Markus Kauczinski gegen die Duisburger sogar zehn Spieler.

Duisburg gut in Form

Nur einer – Kapitän Sebastian Mai – ist gesperrt, alle anderen fallen wochenlang aus oder können bis zum Saisonende gar nicht mehr eingesetzt werden. Die Situation ist somit eine ganz andere als vor dem Hinspiel Ende November, als die Dresdner mit voller Kapelle an die Wedau reisten und dort mit dem 3:0 den vierten Sieg in Folge feierten. Damals trafen Christoph Daferner, Patrick Weihrauch und Philipp Hosiner, diesmal ist Weihrauch (Reha) gar nicht dabei, Daferner und Hosiner stecken in einem Formtief.

Wenn Pavel Dotchev, der nach dem am 10. November entlassenen Lieberknecht, Interimscoach Marvin Compper und dem am 27. Januar schon wieder beurlaubten Gino Lettieri schon der vierte MSV-Trainer in dieser Saison ist, davon spricht, dass der Auswärtsauftritt in Dresden „das leichteste Spiel der Saison“ sei, dann kann man fast meinen, er glaubt, Dynamo sei bereits sturmreif geschossen.

Dass der Bulgare nach den jüngsten Entwicklungen beim Gegner gegenüber seinen Spielern noch von „Bonuspunkten“ spricht, die es in Dresden zu holen gebe, mag man kaum glauben. Denn in den letzten sechs Spielen holte der MSV drei Siege und zwei Unentschieden, seit seinem Amtsantritt hat Dotchev von zehn Partien sechs gewonnen, nur zwei verloren. Zuletzt rettete Torhüter Weinkauf seinem Team mit einem gehaltenen Elfmeter ein achtbares 1:1 in Mannheim.

Broll fordert Team- und Kampfgeist

Ganz sorgenfrei kommen die aufstrebenden Duisburger aber auch nicht von Rhein und Ruhr an die Elbe, denn auch sie haben Besetzungsprobleme. Julian Hettwer (Sprunggelenksverletzung), Cem Sabanci (Kreuzbandriss), Dominic Volkmer (Muskelfaserriss), Federico Palacios (Muskelbündelriss), Niko Bretschneider und Stefan Velkov (beide Aufbautraining) fallen aus. Abwehrchef Dominik Schmidt sitzt zudem eine Rotsperre ab. Und frei von Abstiegssorgen sind die Westdeutschen auch noch nicht, denn als 13. der Tabelle haben sie nur fünf Punkte Vorsprung auf die rote Zone.

Was im „Hinterstübchen“ der Dresdner Spieler nach dem 0:2 in Unterhaching vorgeht, das dürften die vom letzten Jahr übrig gebliebenen MSV-Profis aber leicht erahnen. Sie haben beim Topfavoriten auf den Aufstieg, der am Freitagabend bei einem Hansa-Sieg bei Bayern München II Platz eins mindestens für eine Nacht räumen muss, garantiert weniger Druck.

Dynamo-Torwart Kevin Broll weiß das. Beim MDR sagte der Keeper nach der ernüchternden Pleite im Sportpark Unterhaching: „Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern müssen zusammenstehen.“ Fußballerische Qualitäten besitzt die Kauczinski-Truppe trotz der Ausfälle immer noch reichlich, aber hat sie auch bessere Nerven als der MSV im Vorjahr? Bald wird man das wissen.