12. Juni 2021 / 17:25 Uhr

Dynamo Dresden kann Verluste im laufenden Geschäftsjahr deutlich drücken

Dynamo Dresden kann Verluste im laufenden Geschäftsjahr deutlich drücken

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend konnte für das Geschäftsjahr 2019/20 einen Jahresüberschuss von 1,25 Millionen Euro verkünden.
Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend konnte für das Geschäftsjahr 2019/20 einen Jahresüberschuss von 1,25 Millionen Euro verkünden. © imago images/Nordphoto
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Zweitliga-Aufsteiger machte in der Saison 2019/20 trotz Abstieg und Corona Gewinn, das laufende Geschäftsjahr lief auch besser als erwartet.

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Dresden. Wie weiter bei Dynamo Dresden? Darüber zerbrechen sich die Gremien nun den Kopf, denn der Abbruch der Ordentlichen Mitgliederversammlung für das Geschäftsjahr 2019/20 war alles andere - nur nicht geplant. Noch an diesem Wochenende geht die Analyse los, warum die technische Durchführbarkeit so scheitern konnte. Am Montag wird Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend mit dem Dienstleister Linkando auch über Schadensersatzansprüche sprechen. Am Donnerstag soll eine Aufsichtsratssitzung stattfinden, auf der vielleicht schon entschieden werden kann, wann die Mitgliederversammlung nachgeholt wird. Die Tendenz geht aktuell dahin, sie im November mit der Mitgliederversammlung für das Geschäftsjahr 2020/21 zusammenzulegen - und wohl auch wieder als Präsenzveranstaltung durchzuführen. “Das halte ich schon aus Gründen der Fristen und der Kosteneffizienz für sinnvoll”, sagte Wehlend am Samstagnachmittag auf einer Online-Pressekonferenz.

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Der kaufmännische Geschäftsführer der Schwarz-Gelben war zwar zerknirscht über das Scheitern der ersten Online-MV bei Dynamo überhaupt und übernahm auch die Verantwortung dafür - für die Einberufung der Versammlung sei das Präsidium zuständig, für die Organisation der Zusammenkunft aber die Geschäftsführung -, doch er hatte auch gute Nachrichten. So habe Dynamo das Geschäftsjahr 2019/20 trotz Einbruchs der Corona-Krise mit einem Jahresüberschuss von 1,25 Millionen Euro sehr gut abgeschlossen. Außerdem werde der prognostizierte Verlust für das laufende Geschäftsjahr - die Saison 2020/21 - wohl deutlich geringer ausfallen. Ging man im letzten Herbst noch von 5,8 Millionen Euro Verlust aus, rechnet man aktuell mit 4 Millionen Euro, die sich im besten Falle noch auf 2,5 bis 3 Millionen Miese verringern könnten, so Wehlend. Dynamo habe gespart, wo es irgend ging, Investitionen zurückgestellt. Man könne Überbrückungshilfen des Bundes in Anspruch nehmen, diverse Fan-Aktionen wie die Geisterticket-Initiative seien sehr gut gelaufen.

Wehlend erleichtert über Beschluss des Stadtrates

Erleichtert ist Wehlend, dass der Stadtrat Dynamo am Freitag vier Millionen Euro Zuschuss bewilligt hat. Eine Million Euro gibt es direkt als Ausgleich für Mehrkosten beim Bau des neuen Trainingszentrums, je 1,5 Millionen indirekt an die Stadionprojektgesellschaft für die vergangene und die kommende Saison als Mietzuschuss, damit Dynamo eine halbwegs wettbewerbsfähige Stadionmiete erhält. So kann der Zweitliga-Aufsteiger die Bedingungen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) für die Lizenz als erfüllt ansehen, kann drohende Strafen bis hin zum Punktabzug als erledigt ansehen. Wehlend atmete auf, dass er in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten nun nicht bis zum 15. September plötzlich neue Millionen an Euro auftreiben muss: “Wir hätten sonst gegenüber der DFL unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit noch mal neu nachweisen müssen.”

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Genaue Zahlen zum Geschäftsabschluss 2019/20 könnte es demnächst noch auf einer Bilanz-Pressekonferenz geben. Über das Prozedere wird aber erst einmal beraten, interessierte Mitglieder konnten die Geschäftszahlen aber schon bei der Geschäftsführung einsehen, sich über die Ertragslage des Vereins kundig machen. Spätestens im November werden die Bilanzen noch einmal allen Mitgliedern präsentiert - wahrscheinlich wieder im Kongresszentrum, wenn es keine neue Corona-Welle gibt. Von Online-Mitgliederversammlungen hat man erst einmal genug, ließ Wehlend durchblicken.

Präsidium bleibt bis zur Neuwahl im Amt

Dass die Wahl des Präsidiums, des Jugend- und des Ehrenrates diesmal nicht stattfinden konnte, war zwar bedauerlich, doch führungslos ist der zweitgrößte ostdeutsche Sportverein deswegen noch lange nicht. Bis die Neuwahlen durchgeführt werden können, bleiben die amtierenden Gremienmitglieder im Amt, erklärte Wehlend. So auch Präsident Holger Scholze, der von internen Kritikern wegen angeblicher Schleichwerbung auf der Vereinshomepage attackiert und vom Ehrenrat zu einem Verweis und einem Ordnungsgeld verurteilt war - offenbar aus der Motivation heraus, den Vereinschef zu beschädigen oder gar zu Fall zu bringen.