23. Juni 2021 / 18:31 Uhr

Egon Hirschke ist Torwart mit 80 Jahren: "Solange wie es geht, soll man spielen"

Egon Hirschke ist Torwart mit 80 Jahren: "Solange wie es geht, soll man spielen"

Maximilian Krone
Märkische Allgemeine Zeitung
Zum 80. Geburtstag gibt es für Egon Hirschke natürlich eine Torte im Fußball-Design
Zum 80. Geburtstag gibt es für Egon Hirschke natürlich eine Torte im Fußball-Design
Anzeige

Treue Seele: Egon Hirschke ist 80 Jahre alt und hütet noch immer das Tor der Ü60-Mannschaft des SV Union Neuruppin (Brandenburg). Das Ehrenmitglied des Vereins spricht über einen ganz besonderen Tag im Jahr 1996, die Entwicklung im Verein und sein Versprechen, nur noch eine Halbzeit im Tor zu stehen.

Dieser Artikel ist Teil des Aktionsbündnis #GABFAF. Mehr Informationen auf gabfaf.de.

Mittwoch und Freitag sind für Egon Hirschke Pflichttermine, denn dann ist der 80-Jährige als "Stubenältester" der Ü60-Mannschaft - wie er selber sagt - auf dem Sportplatz seines Herzensverein SV Union Neuruppin aktiv. Der in Polen geborene Torhüter ist seit 1989 Mitglied des Sportvereins. Über einen Arbeitskollegen bei der Autobahnpolizei, mit dem er im Sportunterricht des Öfteren Fußball spielte, kam er zu Lok Neuruppin, wie der Verein damals noch hieß.

Anzeige

Schon von 1968 bis 1974 spielte Hirschke bei Traktor Friesack Fußball. Nach seiner abgeschlossenen Ausbildung im Reichsbahnausbesserungswerk in Wittenberge begann der noch heute topfitte Rentner, der selbst sagt, man sei immer nur so alt, wie man sich selber fühle, mit der Arbeit bei der Transportpolizei. Durch den Wechsel zur Verkehrspolizei in Nauen fand er den Weg ins Havelland und zum Friesacker Fußball. "Wir hatten damals immer Kleinfeldturniere mit der Betriebsmannschaft, wo ich aber oft nicht dabei sein konnte", erinnert er sich.

In Bildern: Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Prignitz/Ruppin 2020/21.

Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Prignitz/Ruppin 2020/21. Zur Galerie
Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Prignitz/Ruppin 2020/21. ©

1981 ging es für Hirschke dann zur Autobahnpolizei nach Neuruppin, wo er acht Jahre später mit dem aktiven Fußball beginnen sollte - im Alter von 48 Jahren. Als ein sehr besonderes Highlight erinnert er sich gerne an einen Sonntag im Jahr 1996. "Da habe ich drei Spiele an einem Tag gemacht. Erst mit den Altherren, dann mit der zweiten Männermannschaft und anschließend in der 1. Kreisklasse mit den ersten Herren", verrät Hirschke, "es war eiskalt und wir gewannen mit 2:1 gegen Schönberg."

Nach eigenen Angaben stand Hirschke noch bis zum Alter von 58 im Tor der ersten Männermannschaft, wobei er nebenbei auch Keeper der Ü50- und Ü60-Mannschaft war. "Es ist wichtig, dass da auch die Frau mitspielt", erklärt er, erzählt mit einem Lachen aber auch: "Meine Frau fragte mich vor 30 Jahren schon, wann denn endlich Schluss sei. Ich habe ihr gesagt, dass ich mit 75 nur noch eine Halbzeit spiele." Daraus ist aber auch nichts geworden, denn noch immer steht Hirschke bei der Ü60 zwischen den Pfosten, "solange wie es geht, soll man spielen", ist sein Motto.

Vor Beginn der Corona-Pandemie agierte Hirschke, der bis auf jeweils einen Handgelenksbruch pro Seite kurz vor und nach der Wende von Verletzungen verschont blieb, noch als Torwart-Trainer im Jugendbereich. "Die Jungs freuen sich noch immer, wenn sie mich sehen", erklärt er. Schon von 1996 bis 2006 führte der in Neuruppin wohnende Rentner zusammen mit Hartmut "Hattel" Neumann eine Mannschaft von der E- bis zur B-Jugend. Damals konnten drei Pokalsiege, zwei Kreismeisterschaften und zwei Hallenkreismeisterschaften bejubelt werden. Unter anderem gehörten Stefan Fechner, die Brüder Steven und Dustin Wolter, sowie der heutige Torwart-Trainer Steven Köthke der Mannschaft an.

Aktuelles aus der Brandenburger Fußballwelt

Auch über die Entwicklung des Vereins freut sich Hirschke sehr. "Wir haben eine gute erste Männermannschaft und auch die jungen Spieler der zweiten Herren geben sich viel Mühe. Ich bin sehr zufrieden", besonders lobende Worte erhält dabei der ehemalige Vorsitzende der Unioner, Markus Vetter, "er hat hier sehr viel bewegt." Auch der Platzwart der Neuruppiner darf sich warme Worte für den "super Platz" anhören, "und noch dazu haben wir jetzt einen Kunstrasen, wo wir ja immer spielen können."


An ein Ende der Fußballzeit denkt Hirschke noch lange nicht - noch nicht einmal tropische Temperaturen von 37 Grad halten das Ehrenmitglied des SV Union Neuruppin davon ab, seine liebste Freizeitbeschäftigung auszuführen: "Alle haben gesagt: 'Ihr habt doch nen Vogel'", erzählt er, "aber wir haben es ja überstanden." Und auch schon in der kommenden Woche wird Hirschke, komme was wolle, das Tor im Training seiner Ü50 und Ü60 hüten - das wird sich wohl nicht mehr ändern. Nur seine Frau durfte sich zuletzt einen neuen Spruch anhören: "Jetzt spiele ich bis 100, und ab dann nur noch eine Halbzeit."