18. Mai 2022 / 23:56 Uhr

Elfmeter-Drama in Sevilla: Eintracht Frankfurt gewinnt Europa League und schreibt Geschichte

Elfmeter-Drama in Sevilla: Eintracht Frankfurt gewinnt Europa League und schreibt Geschichte

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eintracht Frankfurt hat die Europa League gewonnen.
Eintracht Frankfurt hat die Europa League gewonnen. © dpa
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Der Traum ist wahr geworden: Eintracht Frankfurt ist Sieger der Europa League in der Saison 2021/22. Die SGE sicherte sich den ersten Titel seit dem UEFA-Cup-Sieg 1980 nach hartem Abnutzungskampf gegen die Glasgow Rangers. Durch dem packenden Sieg nach Elfmeterschießen wird die Eintracht im kommenden Jahr in der Champions League antreten.

Der Jubel über das späte Happy End war grenzenlos. Die etwa 15.000 Fans von Eintracht Frankfurt in der mit rund 40.000 Zuschauern gefüllten Arena des FC Sevilla feierten am Mittwochabend den ebenso dramatischen wie historischen Sieg des hessischen Fußball-Bundesligisten in der Europa League. Auf dieser Trophäe steht nun erstmals der Name eines deutschen Klubs. Mit 6:5 (0:0, 1:1) nach Elfmeterschießen gewann das Team von Trainer Oliver Glasner gegen die Glasgow Rangers den zweiten internationalen Titel der Vereinsgeschichte. Rafael Borré wurde mit seinem verwandelten Elfmeter zum Helden.

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Seit 1980 musste die SGE auf diesen Moment warten, aus deutscher Sicht ist es die erste Trophäe im Wettbewerb seit den „Eurofightern“ von Schalke im Jahr 1997. Die Rangers hingegen verloren wie 2008 ein europäisches Finale.

In der Stadt waren rund 130.000 Anhänger beider Fanlager vor Ort. Neben einigen Auseinandersetzungen blieb es weitgehend ruhig. Anspannung und Vorfreude bestimmten die Atmosphäre.

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Glasner schickte den pünktlich genesenen Jesper Lindström von Beginn an aufs Feld – und damit die Top-Elf der Saison. Den verletzten Martin Hinteregger ersetzte Tuta. Almamy Touré startete rechts in der defensiven Dreierreihe. Auf der Gegenseite startete die Erfolgself des holländischen Trainer Giovanni von Bronckhorst vom Sieg gegen RB Leipzig, der Deutsche Leon Balogun saß auf der Bank.

Das stimmungsvolle Duell, bei dem jede Aktion wechselseitig gefeiert oder mit Pfiffen versehen wurde, begann hitzig: Frankfurts Kapitän Sebastian Rode wurde am eigenen Strafraum bei einem rüden Einsatz von John Lundstram am Kopf verletzt, blutete, machte nach langer Behandlung mit Turban aber aufopferungsvoll bis kurz vor dem Ende weiter. Schiedsrichter Slavko Vincic aus Slowenien zeigte nicht einmal Gelb – durchaus fragwürdig.

Der Auftritt danach blieb nervös. Die erste Torannäherung gelang Djibril Sow (8.). Die Rangers, die mit dem BVB und Leipzig bereits zwei deutsche Teams ausgeschaltet hatten, kamen kaum nach vorne. Hinten erstmals eingreifen musste Keeper Allan McGregor gegen Ansgar Knauff (20.). Es entwickelte sich eine hessische Druckphase ohne hundertprozentige Torchancen.

Den ersten Abschluss der Rangers hatte Aribo, der links vorbeizielte (26.). Danach drückte Frankfurt mit einigen kleinen Möglichkeiten (Lindström, Kostic) dem Spiel seinen Stempel auf, ohne zwingend zu sein. Torlos ging es in die Halbzeit, das Spielniveau bis dato war überschaubar.

Nach dem Seitenwechsel spielte der Bundesligist mit mehr Druck. Der Treffer fiel überraschend aber für die Rangers. Ein fataler Kopfballversuch von Sow nach hinten ging schief, Tuta rutschte noch weg und Aribo schob frei vor Trapp problemlos ein (58.).

Routinier Makoto Hasebe kam anschließend für Tuta, der verletzt runter musste. Die SGE wurde nur kurz nervös, schnaufte durch und berappelte sich. Daichi Kamada verpasste in Folge eines Abwehrfehlers der Rangers mit einem Lupfer noch den Ausgleich (68.). Den erzielte nach scharfer flacher Flanke von Filip Kostic dem Kolumbianer Borré, der den Ball über die Linie drückte. Rund 20 Minuten vor Schluss war alles wieder offen. Ein Freistoß aus dem Halbfeld und ein Schuss aus spitzem Winkel, jeweils von Kostic, blieben ohne Erfolg. Die Partie ging in die Verlängerung.

Das Duell bei noch am späten Abend rund 30 Grad wurde zunehmend zum Kraftakt, die Fans feierten derweil weiter lauthals. Die gefährlichste Aktion hatte Ryan Kent (118.), doch Trapp rettete mit einer Glanzparade das Gegentor. James Tavernier (120.+1) scheiterte mit einem Freistoß an Trapp Frankfurt atmete tief durch. Das Drama entschied sich erst im Elfmeterschießen. Nachdem die ersten sechs Schützen trafen, verschoss Aaron Ramsey, der an Trapp scheiterte. Rafael Borré verwandelte den entscheidenden Elfmeter und sicherte Frankfurt den Titel.

Ein besseres Jahr hätte sich der Klub vom Main nicht für den Erfolg aussuchen können. Der erste Titel gelang vor 42 Jahren dem Team um Jürgen Grabowski. Die jüngst verstorbene Vereinslegende kommt im Fangesang der Eintracht prominent vor: "Wir haben die Eintracht im Endspiel gesehen, mit dem Jürgen." Dieses Lied hört man in Sevilla wohl die ganze Nacht über, um nun die neuen Helden zu besingen.