07. Februar 2021 / 12:34 Uhr

Erzgebirge Aues gefühlter Sieg gegen HSV: „War nicht unbedingt zu erwarten“

Erzgebirge Aues gefühlter Sieg gegen HSV: „War nicht unbedingt zu erwarten“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nach Aufholjagd gegen den HSV: Jubel bei den Veilchen.
Nach Aufholjagd gegen den HSV: Jubel bei den Veilchen. © Robert Michael/dpa
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Die richtige Wortwahl in der Kabine von Dirk Schuster und eine taktische Umstellung verhalfen dem FC Erzgebirge Aue zum starken Comeback gegen den Hamburger SV. Der Punkt sollte den Sachsen Auftrieb für die kommenden Aufgaben in der 2. Bundesliga geben.

Aue. Clemens Fandrich fasste seine Gefühlslage nach dem 3:3 gegen den Hamburger SV in einem Satz zusammen. „Wenn du gegen den HSV so zurückkommst, fühlt sich der Punkt wie ein Sieg an“, sagte der Mittelfeldspieler des FC Erzgebirge Aue. Auch Teamkollege Florian Krüger war nach dem beeindruckenden Comeback der „Veilchen“ glücklich: „Wir haben alle ganz ordentlich geschlafen und uns das Unentschieden hart erkämpft. Damit sind alle zufrieden, denn ein Punkt war nicht unbedingt zu erwarten.“

Taktische Umstellung dreht Partie

Fandrich und Krüger hatten mit ihren Toren im zweiten Durchgang entscheidenden Anteil daran, dass die Auer in einem schon verloren geglaubten Spiel noch einmal zurückkamen. Zur Pause lag die Mannschaft von Trainer Dirk Schuster gegen einen bis dahin in allen Belangen überlegenen HSV mit 1:3 zurück. „Wir waren zu weit vom Gegner weg, hatten zu große Lücken, Schwierigkeiten im Anlaufverhalten und sind in den Zweikämpfen nicht griffig genug gewesen“, analysierte Fandrich die schwache erste Hälfte seines Teams.

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In der Kabine packte Schuster seine Mannschaft an der Ehre. „Es war in keiner Weise laut. Wir haben aber die Charakterfrage gestellt“, erklärte der 53-Jährige und gab einen Einblick in seine Wortwahl: „Wollen wir die restlichen 45 Minuten auf der Sanduhr herunterrieseln lassen und uns unserem Schicksal ergeben? Oder wollen wir anfangen, uns richtig zu wehren und versuchen, das zweite Tor zu schießen und dann auf unsere Chance zu lauern?“ Schließlich, so stellte Schuster ebenfalls klar, „stand noch nirgends geschrieben, dass wir das Spiel verlieren müssen“.

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Nach einer taktischen Umstellung vom 4-4-2-Sytem auf ein 4-5-1 und einem Pfostenschuss von HSV-Stürmer Aaron Hunt in der 49. Minute gelang Fandrich per Flachschuss tatsächlich der Anschlusstreffer (50.) – das erste Saisontor für den defensiven Mittelfeldspieler. „Das war wie ein kleiner Dosenöffner. Auf einmal hat es eine Eigendynamik für uns angenommen“, sagte der ehemalige Profi von RB Leipzig.

Zähler gegen Spitzenteam zufriedenstellend

Absolut sehenswert war nach knapp einer Stunde der Ausgleich durch Krüger, der mit einem Volleyschuss aus der Drehung HSV-Schlussmann Sven Ulreich überwinden konnte. „Den treffe ich nicht alle Tage so“, gestand der U-21-Nationalspieler. „Es war ein schönes Gefühl, denn der Ball ist nicht einfach zu nehmen gewesen. Es war ein passender Moment, so ein Tor zu schießen.“

In der Schlussphase war das Schuster-Team dem Sieg näher als die sichtlich beeindruckten Hamburger. Es wäre der erste Auer Erfolg in dieser Saison über ein Spitzenteam gewesen. „Aber wir wollen die Kirche im Dorf lassen und geben uns mit dem Punkt zufrieden“, meinte Fandrich. „Der HSV ist einfach eine andere Größe. Wir müssen weiter auf uns schauen und die Teams schlagen, die unsere Kragenweite haben.“ Zu dieser Kategorie dürfte auch der 1. FC Heidenheim gehören. Dort sind die Auer, die in der Tabelle mit 29 Punkten weiter im gesicherten Mittelfeld stehen und voll auf Kurs Klassenverbleib sind, am nächsten Samstag (13.00 Uhr/Sky) zu Gast.


Sebastian Wutzler