10. September 2022 / 10:53 Uhr

Fan-Hass, strenge Auflagen: Deshalb ist das Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig so hitzig

Fan-Hass, strenge Auflagen: Deshalb ist das Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig so hitzig

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Niedersachsenderby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig ist eine Hochrisikopartie.
Das Niedersachsenderby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig ist eine Hochrisikopartie. © IMAGO/osnapix/Hübner (Montage)
Anzeige

Am Samstag steht nahezu die gesamte Polizei Niedersachsens bereit: Zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig steigt das Niedersachsenderby – ein Hochsicherheitsspiel. Die Lage bei beiden Klubs ist angespannt und sogar die Freundschaft zwischen den beiden Trainern wird für die Partie ruhen gelassen.

Wer die Bedeutung des Fußballspiels zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig verstehen will, braucht sich nur ein paar Zahlen anzuschauen. 7000 Plätze müssen an diesem Samstag (13 Uhr/Sky) im Stadion aus Sicherheitsgründen leer bleiben. Mehr als 42 000 Zuschauer werden selbst zu diesem Zweitliga-Spiel trotzdem noch kommen. Eine weitere Zahl verraten die Sicherheitsbehörden ganz bewusst nicht: Wie viele Polizisten in Hannover und Umgebung im Einsatz sein werden, um die beiden Fanlager voneinander zu trennen. "Kräftemäßig planen wir alles ein“, sagte der Sprecher der Polizeidirektion Hannover der Braunschweiger Zeitung.

Anzeige

Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig ist im niedersächsischen Fußball das, was Schalke 04 gegen Borussia Dortmund tief im Westen und Werder Bremen gegen den Hamburger SV noch etwas weiter nördlich ist: ein Derby zweier schon seit Jahrzehnten rivalisierender Klubs, das in den vergangenen Jahren immer noch weiter überhöht wurde.

Einige 96-Fans hielten in der vergangenen Woche ein Plakat mit der Aufschrift "Tod und Hass dem BTSV“ hoch. Auf der Gegenseite gibt es Eintracht-Anhänger, die sich Fanschals mit der Aufschrift "Hannoverrecke“ um den Hals hängen. Anders als 2013 ist diesmal immerhin noch kein lebendes Schwein mit einem 96-Schal in der Innenstadt von Hannover ausgesetzt worden. Braunschweigs Trainer Michael Schiele weiß vor seinem ersten Niedersachsen-Duell trotzdem genau: "Das hier ist eines der bedeutendsten Derbys in Deutschland.“

Die sportliche Ausgangslage scheint eindeutig

Sportlich ist die Ausgangslage zumindest auf dem Papier eindeutig: Hannover hat den höheren Etat, den besseren Kader und die größeren Ambitionen. "Wenn wir dieses Spiel gewinnen, werden wir erst mal unter den Top 6 bleiben, vielleicht für einen längeren Zeitraum. Das ist mein Ansporn als Trainer“, sagte Hannovers Stefan Leitl nach vier Siegen in Serie. Der Tabellenletzte Braunschweig dagegen kann nach zwei Ab- und zwei Aufstiegen seit 2018 immer weniger mit Zweitliga-Schwergewichten wie 96 oder dem HSV konkurrieren.

Anzeige

Zu dem Charakter eines Derbys gehört allerdings, dass die enorm "hochgetriebene Stimmung“ (Dieter Hecking) eine Mannschaft auch besonders puschen oder lähmen kann. In der Saison 2016/17 spielten noch beide Rivalen um den Bundesliga-Aufstieg mit. Hannover gewann das direkte Duell am 29. Spieltag durch ein Tor von Niclas Füllkrug mit 1:0 und verlor derart beflügelt danach kein Spiel mehr.

In der Braunschweiger Erstliga-Saison 2013/14 war noch das genaue Gegenteil passiert. Die Eintracht gewann das Derby ebenfalls am 29. Spieltag mit 3:0. Dieses eine Spiel und die damit verbundenen Emotionen entzogen der Mannschaft aber alle Energie für den Rest der Saison. Danach holte der Aufsteiger keinen einzigen Punkt mehr und stieg wieder ab. Der damalige Trainer Torsten Lieberknecht behauptet noch heute: Im Fall einer Niederlage gegen Hannover hätte man den Klassenerhalt vermutlich eher geschafft.

Am Samstag ruht die Trainer-Freundschaft

Und so kommt es – wenn auch nicht häufig – vor, dass jemand die Bedeutung dieses Derbys auch mal wieder etwas herunterdimmt. "Wir sind nicht in der Position, dass wir uns auf ein Spiel mehr oder weniger freuen können als auf die anderen“, sagte Braunschweigs Stürmer Fabio Kaufmann mit Blick auf die Tabelle. "Aber wir wissen genau, was dieses Spiel für die Region bedeutet.“

Auch die beiden Trainer werden sich mit Sicherheit nicht anfeinden. Beide absolvierten 2017 gemeinsam die Ausbildung zum Fußballlehrer – und bildeten damals auch eine Fahrgemeinschaft vom Lehrgangsort Hennef in ihre süddeutsche Heimat. "Zwischen uns ist eine Freundschaft entstanden, die aber am Samstag ruht“, sagte Leitl.

[Anzeige] Erlebe das Deutschland-Spiel gegen Costa Rica live und exklusiv in der Konferenz bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.