25. April 2018 / 22:38 Uhr

FC Bayern verliert Arjen Robben, Jerome Boateng - und gegen Real Madrid

FC Bayern verliert Arjen Robben, Jerome Boateng - und gegen Real Madrid

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Auf Bayern-Star Thomas Müller und seine Kollegen wartet im Kampf um den Einzug ins Champions-League-Finale nun eine Herkulesaufgabe
Auf Bayern-Star Thomas Müller und seine Kollegen wartet im Kampf um den Einzug ins Champions-League-Finale nun eine Herkulesaufgabe © imago/Michael Weber
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Nach einem ganz bitteren Abend muss der FC Bayern gehörig um den Einzug ins Endspiel der Champions League zittern. Die Münchner unterlagen Real Madrid 1:2 - und haben zudem Verletzungen von Arjen Robben und Jerome Boateng zu beklagen.

Ein Spiel als Knackpunkt, als oberstes Gericht einer ganzen langen Saison. Die Bayern ließen ihr letztes Hemd auf dem Rasen der Allianz Arena gegen Titelverteidiger Real Madrid. Aber es reichte wieder nicht gegen die Königlichen. Durch das 1:2 im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals reisen die Münchner mit einer denkbar schlechten Ausgangsposition nächste Woche nach Madrid, das Rückspiel im „Bernabeu“ am 1. Mai dürfte zur „Mission impossible“ werden. Joshua Kimmich hatte die Bayern mit seinem 1:0 vom Finale in Kiew träumen lassen, doch es setzte zu viele Nackenschläge und Magenschwinger. Die Verletzungen von Arjen Robben und Jérôme Boateng, die beide noch vor der Pause raus mussten, und die Gegentreffer durch Marcelo und Asensio. Im Rückspiel müsste Jupp Heynckes an alter Wirkungsstätte nicht weniger als ein Wunder gelingen.

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Heynckes: "Wir geben nicht auf"

"Die frühen Verletzungen waren Rückschläge, die man nicht so einfach wegsteckt", sagte Heynckes bei Sky: "Und: Die beiden Gegentore waren Geschenke. Wir haben hingegen eine Fülle an überragenden Torchancen nicht genutzt. Ich habe selten eine Madrider Mannschaft gehen, die so viel zugelassen hat. Daher geben wir auch nicht auf. Es sind noch 90 Minuten."

Die Bayern mit sechs Champions-League-Siegern von 2013 in der Startelf: Boateng, Martínez, Müller, Ribéry, Robben und Rafinha, der damals nicht von Beginn an spielte. Und Real Madrid mit: Cristiano Ronaldo, dem viermaligen Henkelpott-Gewinner, einmal mit Manchester United.

Zu Spielbeginn hatten die Ärzte der beiden Mannschaften mehr zu tun als die Herren Profis. Arjen Robben, der Wembley-Held von 2013, kurz zuvor noch besungen von den Bayern-Fans. Der Rechtsaußen blieb plötzlich auf dem Rasen sitzen, nach dem Quick-Check von Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt war klar: Nichts geht mehr. Der Oberschenkel! Mit gesenktem Haupt musste der Holländer in die Kabine trotten. Nach acht Minuten kam Thiago, der in die Zentrale rückte, Müller dafür auf rechts. Da waren es nur noch fünf Henkelpott-Gewinner, allerdings kennt auch James Rodríguez, die Real-Leihgabe, dieses erhabene Gefühl.

Der FC Bayern in der Einzelkritik: Die Noten zum Spiel gegen Real Madrid

Sven Ulreich: Größtes Spiel in der Karriere des Neuer-Stellverteters. Strahlte Ruhe aus, hielt fest, was auf seinen Kasten kam. Ohne Chance beim ansatzlosen Linksschuss von Marcelo ins lange Eck. Ebenfalls machtlos als Asensio zum 1:2 ins lange Eck traf. Stark im Eins-gegen-Eins beim Schuss von Benzema.
 Note 3
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Sven Ulreich: Größtes Spiel in der Karriere des Neuer-Stellverteters. Strahlte Ruhe aus, hielt fest, was auf seinen Kasten kam. Ohne Chance beim ansatzlosen Linksschuss von Marcelo ins lange Eck. Ebenfalls machtlos als Asensio zum 1:2 ins lange Eck traf. Stark im Eins-gegen-Eins beim Schuss von Benzema. Note 3 ©

Bayern-Balljunge leitet Führung ein

Nach furiosen, hektischem Start kühlten sich die Teams etwas herunter, erinnerten sich an die taktischen Vorgaben. Respekt und Vorsicht dominierten. Den Bayern merkte man an, dass sie erst den Robben-Schock verdauen mussten. Bis Joshua Kimmich abging, auf der verwaisten Robben-Seite. James erkannte den Laufweg, Kimmich sprintete in die Lücke und überraschte Real-Torhüter Keylor Navas mit einem frechen Direktschuss – das 1:0 (28). Navas sah dabei ziemlich unglücklich aus. Ausgangspunkt der Bayern-Führung war jedoch ein Balljunge hinter dem Tor vor der Südkurve. Gedankenschnell war er Torhüter Sven Ulreich die Kugel zu, der konnte das Spiel sofort schnell machen.

Sechs Minuten später erwischte es Boateng bei einem Antritt jenseits der Mittellinie. Die nächste Verletzung (die Leiste), der nächste bittere Abgang. Kurz vor der Pause dann der schlimmste Nackenschlag für die Bayern, das 1:1 für Real, höchst unglücklich entstanden. Weil Ronaldo an der Strafraumgrenze zuckte, aber nicht zum Fallrückzieher ansetzte, zögerte Martínez einen Moment. Den nutzte Marcelo für einen satten Linksschuss, der Ausgleich (44.).


Real Madrid in der Einzelkritik: Die Noten zum Spiel gegen den FC Bayern

Keylor Navas: Leistete sich einen krassen Stellungsfehler beim Gegentreffer von Kimmich in der ersten Hälfte. Musste häufig nachfassen. Ein unsicherer Auftritt der königlichen Nummer Eins, auch wenn er in der zweiten Halbzeit besser wurde und einmal stark gegen Ribéry parierte. Note: 4 Zur Galerie
Keylor Navas: Leistete sich einen krassen Stellungsfehler beim Gegentreffer von Kimmich in der ersten Hälfte. Musste häufig nachfassen. Ein unsicherer Auftritt der königlichen Nummer Eins, auch wenn er in der zweiten Halbzeit besser wurde und einmal stark gegen Ribéry parierte. Note: 4 ©

Nach der Pause lud Rafinha mit einem bitterbösen Patzer an der Mittellinie die Gäste zu einem Konter ein, den Asensio souverän zum1:2 (57.) abschloss. Real einfach cleverer und entschlossener. Bayern mit Courage und Willen, aber eben den Tick unglücklicher – das machte gestern den Unterschied. Und das obwohl von Tormaschine Cristiano Ronaldo außer einem Treffer, der wegen Handspiels aberkannt wurde, wenig zu sehen war.

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„Das Spiel kommt genau zur richtigen Zeit“, hatte Müller vor der Partie gesagt und meinte beinahe beschwörend: „Es liegt was in der Luft.“ Tatsächlich waren die Bayern besser als beim Viertelfinal-Aus gegen Real in der vergangenen Saison, damals ging das Hinspiel zu Hause auch 1:2 verloren. Über ein 2:1 kamen sie im Bernabeu doch in die Verlängerung – diesmal wieder?Realistischer ist, dass Meister Bayern ihrem Jupp, der sie in dieses Halbfinale geführt hatte, mit einem Pokalsieg am 19. Mai gegen Frankfurt einen würdigen Abschied bereiten können. Das Double als Balsam?