27. Februar 2021 / 10:20 Uhr

FC Eilenburg wandelt auf den Spuren des FC Bayern

FC Eilenburg wandelt auf den Spuren des FC Bayern

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
Der FCE-Kapitän Sebastian Heidel (M.) wird von zwei Nordhäusern in die Zange genommen.
Die Eilenburger wollen sich den Aufstieg auf dem grünen Rasen sichern. © Thomas Jentzsch
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Beim FC Eilenburg träumt man vom Aufstieg. Durch die Zwangspause befinden sich die Nordsachsen seit etwa vier Monaten an der Tabellenspitze. Die Hinrunde möchten die Eilenburger noch zu Ende spielen.

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Eilenburg. Wer hätte damals am 31. Oktober 2020 gedacht, dass das 0:0 beim Kellerkind Carl Zeiss Jena II so wertvoll sein würde? Mit diesem einen Punkt hat sich der FC Eilenburg in der Fußball-Oberliga am VfL Halle 96 vorbei auf den ersten Platz geschoben.

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„Fast vier Monate ununterbrochen Spitzenreiter, das schafft sonst nur der FC Bayern München“, witzelt Eilenburgs Cheftrainer Nico Knaubel am Telefon. Es ist sportlich gesehen, aktuell die einzige Freude. „Wenn es Dir mal nicht gut geht, schaust du einfach auf die Tabelle“, lacht Knaubel. Dem 41-jährigen Fußballverrückten geht es manchmal nicht gut. „Ohne Sport werde ich ab und zu ungenießbar“, gibt der gebürtige Delitzscher zu. Seitdem er denken könne, fasziniere ihn der Fußball und jetzt vermisse er den „Kabinengeruch“ von Tag zu Tag mehr.

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Den Kontakt zu seinen Spielern hält er zum größten Teil virtuell. „Wir halten uns an die Regeln und sind diszipliniert“, so Knaubel, der normalerweise vier Mal am Abend im Sparkassen-Nachwuchszentrum auf dem Platz steht. Jetzt sitzt er in seinem Wohnzimmer und leitet Online-Trainingseinheiten. Am Montag ist freiwilliges Training, Mittwoch verpflichtend. „Dann tauschen wir zuerst aus, beantworten Fragen und trainieren anschließend“, beschreibt er das neue „Teamtraining“.

Viel Eigendisziplin notwendig

Gemeinsam mit seinem Co-Trainer Arvid Schröpfer hat Knaubel die ersten Übungseinheiten vorbereitet, mittlerweile haben auch schon Physiotherapeuten und Spieler als Trainer „vorgeturnt“. Zuletzt war der zukünftige Sportlehrer Philipp Sauer an der Reihe. „Saui hat das echt gut gemacht. Bei einer so langen Zeit ist Abwechslung gut“, weiß Knaubel, der im Erfahrungsaustausch auch auf andere Trainerkollegen setzt. Als Landesauswahl-Trainer ist sein Netzwerk groß. „Wir unterhalten uns, tauschen Ideen aus. Für mich ist es das Wichtigste, den Kontakt zur Mannschaft zu halten. Das ist das A und O.“

Doch auch der Coach weiß, wie fit wirklich jeder Einzelne ist, zeigt sich erst, wenn alle wieder auf dem Platz stehen. Im Moment braucht es viel Eigendisziplin. „Normalerweise sollte sich jeder, der es bis in eine Oberliga-Mannschaft geschafft hat, gern bewegen. Wer jetzt lieber auf dem Sofa liegt, muss sich ohnehin fragen, ob die 5. Liga für ihn das richtige ist.“

Bisher gibt es aus seinem Team keine Signale, dass die Corona-Zwangspause dem einen oder anderem die Lust genommen hat. „Ich gehe davon aus, dass alle am Tag x dabei sind.“ Auf die Frage, wann es denn endlich wieder losgehen werde, bleibt auch Knaubel stumm. Als Angestellter beim Sächsischen Fußballverband hat er zwar viele Kontakte und Informationen, klare Antworten aber nicht. „Jeder hat eine Meinung. Es drängen zu viele Interessen nach außen. Ich habe Hoffnung gehabt, dass langsam gelockert wird und Kleingruppen-Training unter einem strengen Hygienekonzept wie im Frühjahr möglich sein wird. An einen Wettkampf denke ich derzeit noch gar nicht.“

Noch sieben Spiele offen

Klar ist, dass beim FC Eilenburg angesichts der Ausgangslage jeder hofft, dass die Saison nicht abgebrochen wird, sondern zumindest die Hinrunde zu Ende gespielt wird. Dieses Modell wird aktuell auch vom Nordostdeutschen Fußballverband favorisiert. Die Eilenburger hätten dann noch sieben Spiele zu bestreiten – und dafür locker bis Ende Juni Zeit. Den Amateuren sitzt die Europameisterschaft ja schließlich nicht im Nacken. „Wir haben schon mal ein bisschen gewitzelt“, plaudert Knaubel aus dem Nähkästchen: „Das wären dann sieben Endspiele gegen Lok Leipzig.“

Den Endspielmodus hatten die Eilenburger vor dem Pokal-Halbfinale ausgerufen und den Regionalligisten erfolgreich aus dem Wettbewerb gekegelt. Vier Heimspiele und drei Auswärtsduelle stehen den Eilenburgern noch bevor. Wenn danach die Meisterschaft gefeiert werden könnte, wäre eine völlig verkorkste Saison doch noch gerettet. Zugegeben: Aktuell wirkt das sehr nach Träumerei. Aber: Träume sind ja zum Glück noch erlaubt.