27. Dezember 2020 / 16:30 Uhr

FK-Chef Hartmut Lenski im Interview: "Die Leute können das sehr gut einschätzen"

FK-Chef Hartmut Lenski im Interview: "Die Leute können das sehr gut einschätzen"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Bis zur erneuten Aussetzung des Spielbetriebs sahen die Zuschauer und FK-Chef Hartmut Lenski (kleines Foto) zahlreiche spannende Spiele: Maximilian Gräser (M.) und seine Teamkollegen von Fortuna Babelsberg II setzten sich am letzten ausgetragenen Kreisoberliga-Spieltag mit 2:1 bei der SG Saarmund um Tilman Käpnick (r.) durch.
Bis zur erneuten Aussetzung des Spielbetriebs sahen die Zuschauer und FK-Chef Hartmut Lenski (kleines Foto) zahlreiche spannende Spiele: Maximilian Gräser (M.) und seine Teamkollegen von Fortuna Babelsberg II setzten sich am letzten ausgetragenen Kreisoberliga-Spieltag mit 2:1 bei der SG Saarmund um Tilman Käpnick (r.) durch. © Benjamin Feller/Marcus Alert
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Fußballkreis Havelland: Der langjährige Fußballkreischef Hartmut Lenski spricht über die Herausforderungen der Corona-Pandemie und seine persönliche Zukunft.

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Das Jahr 2020 wird auch in die Geschichtsbücher des Fußballkreises Havelland eingehen. Dieser wird seit 2014 von seinem Vorsitzenden Hartmut Lenski geführt. Im Interview spricht der 62-Jährige über die größten Herausforderungen der Corona-Pandemie, die Stimmung bei den Vereinen und die finanziellen Herausforderungen, die der Fußballkreis aktuell zu bewältigen hat.

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Sie sind seit 2000 als Fußballkreis-Vorsitzender aktiv, zunächst im Fußballkreis Havelland-Mitte, seit 2014 im Großkreis Havelland. War 2020 das bislang herausforderndste Jahr?
Hartmut Lenski: Das kann man mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie und einer zweimaligen Unterbrechung des geregelten Spielbetriebs mit Sicherheit sagen.

In BIldern: Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Havelland 2020/21.

Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Havelland 2020/21. Zur Galerie
Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Havelland 2020/21. ©

Können Sie dem Jahr dennoch etwas Positives abgewinnen?
Es hat sich gezeigt, dass gerade in dieser schwierigen Lage alle an einem Strang ziehen. Fußballkreis, Staffelleiter und die Vereine haben dafür gesorgt, dass man das Beste aus den ungewöhnlichen Begebenheiten gemacht hat.



Nachdem die Saison 2019/20 durch die Quotientenregelung und ohne Absteiger gewertet wurde, ruht der Ball in der Spielzeit 2020/21 seit Anfang November. Was für eine Saisonfortführung halten Sie für realistisch?
Natürlich wollen wir alle, dass der Ball so schnell wie möglich wieder rollt. Eine reguläre Durchführung der Saison ist nicht mehr realistisch. Play-Off-Spiele im Anschluss an die Hinrunde hätten aus sportlicher Sicht ihren Reiz. Ich kann mir aktuell aber nicht vorstellen, dass es vor Ostern wirklich wieder zur Sache geht. Die Vereine brauchen natürlich eine entsprechende Vorlaufzeit. Ich denke, wir können froh sein, wenn wir die Hinrunde ordentlich über die Bühne bekommen und dadurch Auf- und Absteiger ermitteln. Eine weitere Saison ohne Absteiger kann es mit Blick auf die jetzigen Staffelgrößen nicht geben.

Der Fußballkreis Havelland hat sich als einziger der acht Großkreise gegen eine Durchführung eines Kreispokalwettbewerbs ausgesprochen, um im Fall einer erneuten Aussetzung des Spielbetriebs besser reagieren zu können. Fühlen Sie sich im Nachhinein bestätigt?
Bestätigt ist der falsche Ausdruck. Wir haben im Vorfeld intensiv darüber diskutiert und uns letztendlich dafür entschieden, weil uns die reibungslose Durchführung der Saison 2020/21 auch im Sommer nicht so richtig geheuer schien. Es war ja zu erwarten, dass die Infektionszahlen im Herbst und Winter wieder nach oben gehen würden. Im Nachhinein war die Entscheidung sicherlich richtig.

Die Fußballfans der Region müssen aber keine Angst haben, dass der Wettbewerb dauerhaft ausfällt?
Natürlich nicht! Wir alle hoffen, dass die Welt nach einer entsprechenden Zahl an Impfungen spätestens im Frühsommer wieder deutlich besser aussieht und man mit einem guten Gefühl in die Saison 2021/22 gehen kann – selbstverständlich mit einem regulären Pokalwettbewerb.

In Bildern: Das sind die ungeschlagenen Brandenburger Teams in der Saison 2020/21

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Das sind die ungeschlagenen Brandenburger Teams in der Saison 2020/21. ©

Sie haben den Mannschaften im Fußballkreis für die Hinrunde die Abgaben für die Heimspiele erlassen. Von welcher Größenordnung ausbleibender Einnahmen reden wir da?
Es geht um 5000 bis 6000 Euro.

Die einfach zu verkraften sind?
Einfach sicherlich nicht. Es ist schon ein finanzieller Klimmzug für uns. Wir haben in den vergangenen Jahren aber gut gewirtschaftet und uns ein gesundes Polster zugelegt. Natürlich müssen wir aber einsparen.

In welchen Bereichen ist das möglich?
Innerhalb des Fußballkreises treffen wir uns seit Pandemiebeginn nur zu Video- oder Telefonkonferenzen. Somit entstehen keine Reisekosten. Das ist ein kleiner, aber durchaus wichtiger Punkt.

Viele Vereine haben nach den ersten Lockerungen im Frühsommer dieses Jahres große Bemühungen unternommen, Hygienekonzepte zu erstellen und allen Verpflichtungen nachzukommen. Wie zufrieden sind Sie mit dem Engagement der Vereine, die vor neue Herausforderungen gestellt wurden?
Meiner Meinung nach haben Sie das Möglichste getan, um der Situation gerecht zu werden. Wenn ich auf den Sportplätzen war, hat man überall platziertes Desinfektionsmittel, abgesperrte Sitzplätze oder geschlossene Vereinslokale gesehen, um Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten.

Dennoch wurde der Spielbetrieb erneut eingestellt. Wie nehmen Sie die Stimmung in den Vereinen war?
Die Leute können das sehr gut einschätzen. Ich hatte bislang noch mit niemandem zu tun, der auf eine vorschnelle Wiederaufnahme des Spielbetriebs gedrängt hat. Es gibt keine Nörgler. Es sind sich vielmehr alle bewusst, dass wir in diesem Land aktuell ganz andere Sorgen haben.

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Haben Sie Angst, dass durch die erneute Unterbrechung einige Akteure die Lust am Fußball verlieren und es vermehrt zu Mannschaftsabmeldungen kommt?
Das glaube ich nicht. Dafür hat der Fußball eine zu große Strahlkraft. Das haben auch die sehr hohen Zuschauerzahlen nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Sommer gezeigt. Fans und Spieler brennen weiter und freuen sich, wenn es wieder losgehen kann.

Sie haben bis vor zwei Jahren selbst noch für die Altherren von Eintracht Glindow gekickt, sind regelmäßig auf den Sportplätzen der Region. Was vermissen Sie persönlich aktuell am meisten?
Natürlich die Geselligkeit. Dass man sich am Wochenende beim Spiel trifft und mit Gleichgesinnten über Gott und die Welt philosophieren kann.

2022 findet die nächste Vorstandswahl statt. Haben Sie vor, sich noch einmal zur Wahl zu stellen?
So ist aktuell der Plan. Eine weitere Wahlperiode könnte ich mir noch gut vorstellen, würde dann aber rechtzeitig eine Wachablösung in die Wege leiten.

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Der Jahreswechsel steht vor der Tür. Was wünscht sich der Fußballkreischef für 2021?
Man kann sich aktuell ja nur wünschen, dass wir alle gut durch diese schwierige Lage kommen und zu gegebener Zeit in einem geregelten Spielbetrieb wieder der schönsten Nebensache der Welt nachgehen können.