04. Mai 2021 / 17:03 Uhr

Nach schriftlicher Abfuhr: Erneuter Appell für Verlängerung statt Abbruch der Saison

Nach schriftlicher Abfuhr: Erneuter Appell für Verlängerung statt Abbruch der Saison

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Der Fußball-Landesverband Brandendenburg (FLB) gibt Hinweise im Umgang mit dem Coronavirus.
Der Saisonabbruch im Brandenburger Fußball sorgt weiter für Diskussionen. © Symbolbild
Anzeige

Mehrere Vereine wollen nicht, dass die Brandenburger Fußball-Spielzeit 2020/21 wertungslos verfällt. Auf ein für sie unbefriedigendes Antwortschreiben von FLB-Präsident Jens Kaden haben sie nun ihrerseits reagiert.

Anzeige

Sie wollen nicht nachgeben. Auch nach einer schriftlichen Abfuhr hat eine Gruppe um Rainer Stock, Trainer des Landesklasse-Ost-Teams FSV 63 Luckenwalde II, ihren Appell zur Fortsetzung der Brandenburger Fußball-Saison 2020/21 erneuert. Zu den Unterzeichnern des zweiten Briefes, der an den Landesverband FLB gerichtet ist, zählen neben Luckenwalde II der Teltower FV, FSV Admira, GW Deutsch Wusterhausen, BW Dahlewitz, Juventas Crew Alpha, SV Rangsdorf, SV Schönefeld und der RSV Waltersdorf.

Anzeige

Am 30. März hatte sich Stock erstmalig an den FLB gewandt und angeregt, die vom Verband getroffene Entscheidung zum Abbruch der Saison 2020/21 – in der es bis auf den MSV Neuruppin als Erster der Brandenburgliga weder Auf- noch Absteiger gibt – noch einmal zu überdenken. Auch andere Vereine wie der FC Stahl Brandenburg (Landesliga Nord), Germania Schöneiche (Landesliga Süd) und der Angermünder FC (Landesklasse Nord) kontaktierten den FLB Anfang April direkt und forderten ein Umdenken.

In Bildern: Das sind die wichtigsten Sommertransfers Brandenburgs 2021/22.

Die Sportbuzzer-Wechselbörse Zur Galerie
Die Sportbuzzer-Wechselbörse ©

Stock plädierte für eine Verlängerung der Spielzeit – um vor allem die Teams, die in den Monaten des stattfindenden Spielbetriebs viele Punkte sammelten und mit guten Leistungen zu überzeugen wussten, nicht zu bestrafen. Er erhielt dabei von zahlreichen Vereinen Zuspruch – unter anderem vom Landesklasse-Vertreter Teltower FV.



FLB-Präsident Kaden: Abbruch "alternativlos"

Knapp zwei Wochen später erhielt Stock ein Antwortschreiben des FLB-Präsidenten Jens Kaden, in dem dieser unter anderem erklärt, dass vor der getroffenen Entscheidung durch den Verbandsvorstand am 29. März „jegliche Szenarien, Ideen und Vorschläge, Entwicklungen und Alternativen“ für eine andere Lösung durchgegangen worden seien. Gerade mit Blick auf die weiterhin „geringe Wertschätzung“ des Amateursports bei Bund und Ländern sei man weiterhin davon überzeugt, dass die letztlich getroffene Entscheidung „alternativlos und richtig ist, auch wenn darüber der eine oder andere Fußballfreund nicht ganz begeistert ist“. Dennoch habe der FLB den Clubs mit seinem Entschluss (Kaden: „Das tut uns allen weh!“) nötige Planungssicherheit gegeben.

Die vorgeschlagene Variante der Saisonverlängerung, wie sie etwa im Vorjahr in Bayern angewandt wurde, sei für den FLB keine praktikable Lösung gewesen. Zum einen verweist Kaden auf die besondere Stellung des Bundeslandes Bayern mit einer eigenen Regional- und Oberliga und schreibt an Stock: „Demnach ist selbst hypothetisch gesehen Ihr Vorschlag nicht geeignet, dies als einzig richtige Lösung anzusehen. Zu viele Faktoren und Abhängigkeiten sind weder vorausschaubar, noch berechenbar. Eine Vielzahl anderer Landesverbände hat ebenso wie der Fußball-Landesverband Brandenburg den Abbruch der Saison vollzogen, in den restlichen Verbänden geht eine klare Tendenz zu einer solchen Entscheidung.“

Kritik: Kompromissbereitschaft fehlt

Auf Kadens Schreiben haben jetzt nochmals einige Vereine reagiert. Sie wünschen sich weiterhin eine Alternative statt den wertungslosen Saisonabbruch. Es wird zum Beispiel auf die getroffene Entscheidung des Fußball-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, in dem es anders als in Brandenburg zumindest Aufsteiger gibt, verwiesen. Zudem bekräftigen sie den von Stock im ersten Brief deutlich gemachten Standpunkt. Dabei geht es keineswegs darum, einen etwaigen Aufstieg zu fordern. „Uns geht es einzig und allein um die Würdigung der bisherigen Leistungen der Mannschaften. Es ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar, aus welchen Gründen erbrachte Leistungen vollends einer Wertung entzogen werden sollen.“

Mehr zum Brandenburger Fußball

Die Vereine hadern zudem mit einer mangelnden Kompromissbereitschaft und hätten sich gewünscht, mehr in die Entscheidungsfindung einbezogen zu werden. So gab es zum Beispiel im vergangenen Dezember Videokonferenzen mit den verschiedenen Staffeln auf Landesebene, um sich ein Stimmungsbild einzuholen. Ein ähnliches Vorgehen hätten sich die Vereine auch zu einem späteren Zeitpunkt und angepasst an die aktuellen Gegebenheiten gewünscht. „Es kommt einem zumindest so vor, als wenn es wenig Bereitschaft beim Verband gibt, von seinem Standpunkt abzurücken“, sagt etwa Marco Fritz. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Teltower FV und gleichzeitig Co-Trainer der ersten Männermannschaft des Vereins.

Fragezeichen in nächste Saison geschoben

Diese führte zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs mit neun Siegen aus zehn Spielen die Landesklasse-West-Tabelle an und träumte nach 14 Jahren von der Rückkehr in die Landesliga. „Dass die gebrachten Leistungen jetzt für die Katz sind, ist natürlich ärgerlich. Deswegen hätten wir uns vom Verband natürlich eine andere Lösung gewünscht“, sagt Fritz.

Mit Blick auf das inzwischen seit sechs Monaten ausgesetzte Mannschaftstraining für Amateurfußballer werben sie zudem erneut für eine Fortsetzung der Saison 2020/21 im Spieljahr 2021/22. Das „gäbe den Spielern also die Möglichkeit, sich hinreichend auf die Rückkehr in den regelmäßigen Trainings- und Wettkampfbetrieb vorzubereiten, da eine Fortsetzung der Saison 2020/21 auch erst zu Anfang September möglich wäre. Insofern stimmen wir mit Ihnen überein, dass es behördlicherseits weiterhin an einer klaren Perspektive für den Amateursport fehlt. Und gerade vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, weshalb der Landesverband in eine Saison 2021/22 mit sodann erneut aufgeblähten Ligen starten möchte“.

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!