11. Juli 2020 / 15:40 Uhr

Große Spendenbereitschaft: Paten retten Flüchtlingsteam des TuS Ehra-Lessien

Große Spendenbereitschaft: Paten retten Flüchtlingsteam des TuS Ehra-Lessien

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Mit seinem Team unterwegs: Coach Heiko Kiene (v.) legt auch viel Wert auf Teambuilding und Integration. So wie bei diesem Trip in den Harz im Jahr 2019.
Mit seinem Team unterwegs: Coach Heiko Kiene (v.) legt auch viel Wert auf Teambuilding und Integration. So wie bei diesem Trip in den Harz im Jahr 2019.
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Die zweite Mannschaft des Mannschaft des TuS Ehra-Lessien aus dem Landkreis Gifhorn besteht überwiegend aus Flüchtlingen aus Afrika. Innerhalb kurzer Zeit musste das Team mehr als 800 Euro aufbringen, um die Teilnahme am Spielbetrieb zu sichern. Das gelang mit dem Hilfe-Aufruf im SPORTBUZZER an einem Tag. Die Unterstützung im Dorf und anderer Vereine war riesig. Die Patenschaften für einzelne Kicker stießen besonders auf Resonanz. 

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Mit so viel Hilfe hätte er nicht gerechnet! Noch vor zwei Wochen stand Heiko Kiene, Trainer des TuS Ehra-Lessien II, vor einer Herkules-Aufgabe. Damit die Mannschaft, die überwiegend aus Flüchtlingen aus Afrika besteht, in der kommenden Saison wieder an den Start gehen kann, musste der Coach insgesamt mehr als 800 Euro beschaffen - und mit dem Hilfe-Aufruf im SPORTBUZZER und der AZ/WAZ hat er das in nicht mal einem Tag geschafft! Dazu gab es gleich die zweite tolle Überraschung: Das Team ist aufgestiegen, darf in der kommenden Saison in der 2. Kreisklasse ran.

"Es haben schon 29 Paten zugesagt, da sind auch einige dabei, die mehr Geld geben wollen. Es gibt auch viel Unterstützung aus dem Dorf - mit so viel Hilfe hätte ich nicht gerechnet", freut sich Kiene. Das Problem, das er zu bewältigen hatte: Die Vereinskassen sind wegen der Corona-Krise auch beim TuS alles andere als prall gefüllt, und Spieler ohne festes Einkommen müssen nach Vereinssatzung den Mitgliedsbeitrag von 54 Euro pro Saison nicht bezahlen. Der Verein konnte das Geld für den Spielbetrieb nicht mehr aufbringen.

Team-Abende stehen auch beim TuS Ehra-Lessien II auf dem Programm: Hier natürlich vor der Corona-Pandemie.
Team-Abende stehen auch beim TuS Ehra-Lessien II auf dem Programm: Hier natürlich vor der Corona-Pandemie. ©
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TuS Ehra-Lessien: Paten für die Spieler

Doch das hat Kiene nun aus dem Kopf: "Ich habe dem Verein das Geld am Montag überwiesen - und habe damit das, was von mir gefordert war, erfüllt." Aber weil so viele Leute so hilfsbereit waren, ist sogar noch mehr Geld zusammengekommen als eigentlich benötigt wurde. Der Coach versichert: "Das geht zu 100 Prozent in die Mannschaft, wir müssen noch Trikots nachbestellen, kaufen davon Getränke fürs Team oder besorgen Ausrüstung wie Schienbeinschoner." Um die Verwaltung des Betrags kümmert sich der Förderverein Mosaik „Ehra-Lessien, ein Dorf – ein Team e.V.". Kiene: "Da setze ich auf das Vier-Augen-Prinzip."

Kreativität hatte Kiene schon im Vorfeld gezeigt, wollte auf den üblichen Spendenaufruf verzichten und hatte sich überlegt, dass Helfer Patenschaften von einzelnen Spielern übernehmen können. Aber: Jetzt gibt es mehr Helfer als mögliche Paten-Spieler. Kiene: "Ich habe 25 Spielern Paten zugeteilt, aber auch nur den Helfern, die eine Patenschaft übernehmen wollten." Wer also doch einfach nur spenden wollte, durfte das natürlich auch. "Ich werde auch keinen Spieler zwei- bis dreifach vermitteln."

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VfL Rötgesbüttel hilft TuS Ehra-Lessien mit Spende aus der Mannschaftskasse

Eine ganz besondere Kooperation ist das Team dazu mit dem VfL Rötgesbüttel eingegangen. "Die erste und die zweite Mannschaft haben aus ihrer jeweiligen Mannschaftskasse gespendet und Patenschaften übernommen", freut sich Kiene. "Die Fotos ihrer Spieler hängen in ihrer Kabine." Und die VfLer haben dazu noch eine Tor-Prämie versprochen: Pro geschossenem Treffer der Paten-Spieler gibt's noch mal zwei Euro extra!

Für Kiene ist aber nicht nur finanzielle Hilfe in Aussicht, sondern auch tatkräftige: "Es haben sich auch zwei Helfer gemeldet, die mir neben dem Platz zur Hand gehen wollen." Der TuS-Coach suchte nämlich unter anderem auch noch nach Fahrern, die ihm helfen, Spieler zum Training oder zum Spiel zu bringen.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Der Traditionsverein Sparta Göttingen gewinnt die 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse. Zur Galerie
Der Traditionsverein Sparta Göttingen gewinnt die 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse. ©

"Riesen-Resonanz gibt richtigen Ruck"

Die Fahrten müssen dann aber nicht mehr zwingend in Ehra-Lessien am Sportplatz enden. Eine Spielgemeinschaft mit dem FC Schwalbe Altendorf steht im Raum. "Der Klub hat seit acht Jahren keine Fußballmannschaft mehr gemeldet. Da herrscht eine Riesen-Aufbruchsstimmung, die machen den Platz flott - und vielleicht können wir in der Rückrunde schon dort spielen", sagt Kiene voller Vorfreude. Der TuS-Coach hofft auf 20 bis 30 Zuschauer pro Spiel - und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: "Das wären dann 20 bis 30 mehr als jetzt."

Dann spielt das Team sogar schon in der 2. Kreisklasse, der Aufstieg kam überraschend. "Dann hätte ich den einen oder anderen Spieler vielleicht doch nicht so schnell ziehen lassen", sagt Kiene und lacht, kündigt aber an: "Wir werden in der Liga ein gutes Wort mitreden." Denn: "Die Riesen-Resonanz in Sachen Hilfe gibt den Jungs einen richtigen Ruck, so etwas pusht uns noch mal."