13. Dezember 2020 / 11:59 Uhr

Reporter-Legende Kai Ebel vor letztem Formel-1-Rennen bei RTL: Das waren meine 10 denkwürdigsten Momente

Reporter-Legende Kai Ebel vor letztem Formel-1-Rennen bei RTL: Das waren meine 10 denkwürdigsten Momente

Roman Gerth und André Batistic
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kai Ebel blickt zurück auf seine lange Karriere als Formel-1-Reporter.
Kai Ebel blickt zurück auf seine lange Karriere als Formel-1-Reporter. © Getty Images/imago images/DeFodi (Montage)
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Nach über drei Jahrzehnten ist es vorbei: RTL steigt aus Kostengründen aus der Formel 1 aus. Die Rennen laufen ab der Saison 2021 ausschließlich im Pay-TV bei Sky. Damit wird Boxenreporter-Legende Kai Ebel ebenfalls nicht mehr im TV zu sehen sein. Im Gespräch mit dem SPORTBUZZER erinnert sich Ebel an zehn besondere Momente seiner Tätigkeit.

Am Sonntag endet eine Ära. RTL überträgt mit dem Großen Preis von Abu Dhabi (14.10 Uhr), dem Saisonfinale der Formel 1, nach 30 Jahren sein vorerst letztes Formel-1-Rennen. Die Königsklasse des Motorsports wandert in der kommenden Saison komplett zu Sky. Kai Ebel wird den Fahrern am Sonntag nicht mit bunten Klamotten und Mikrofon in der Boxengasse auflauern. Die für ihre extravaganten Mode-Geschmack bekannte Boxenreporter-Legende wird stattdessen wegen der Corona-Pandemie im RTL-Studio in Köln sitzen. 533 Renn-Übertragungen haben die Statistiker des Hauses gezählt und 3,14 Milliarden Zuschauer in 30 Jahren addiert. Viel Zeit für einige besondere Geschichten.

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Und so sehr es dem 56-Jährigen schmerzt, dass RTL ausgerechnet die Debüt-Saison von Mick Schumacher, dem Sohn des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher, nicht mehr übertragen wird, so sehr freut sich Ebel für Micks Karriere-Chance im kommenden Jahr beim Haas-Team: "Er sitzt in einer stumpfen Waffe. Der Haas ist kein Top-Auto. Aber er ist genau das richtige für ihn als Ausbildungs- und Lernauto", sagt die RTL-Legende im Gespräch mit dem SPORTBUZZER. Ebel warnt jedoch davor, Schumacher Junior zu verheizen: "Wir müssen ihm die Zeit geben und ihn lernen lassen – und ihn nicht immer mit dem Vater vergleichen. Er soll das Schritt für Schritt machen, und dann wird er seinen Erfolg haben."

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So wie sein Vater Michael, dessen Karriere Ebel von Beginn an begleitet hat. Im SPORTBUZZER schreibt die Ikone der Formel-1-Berichterstattung in Deutschland über seine zehn denkwürdigsten Momente aus über 30 Jahren als Reporter in der Motorsport-Königsklasse.

Erster Einsatz vor Ort beim Senna-Tod

Beim Großen Preis von San Marino 1994 schickte mich RTL erstmals mit einer Live-Kamera an die Strecke, um vielleicht mit einem ausgefallenen Fahrer zu sprechen, um die Fans zu interviewen, um etwas Stimmung rüberzubringen und das Rennen damit zu garnieren. Und dann sind an dem Wochenende mit Roland Ratzenberger und Ayrton Senna zwei Menschen gestorben. Abends bin ich heulend zusammengebrochen. An der Strecke funktioniert man in diesem Moment einfach nur als Journalist. Ich habe da glaube ich 40, 50 Interviews gemacht aus dem Stand. Es war natürlich anders geplant – aber da fragt man dann eben genau das, worum es gerade geht. Man darf es nicht falsch verstehen: Es war eine Herausforderung und Chance zugleich. Es war ein Glücksfall, dass wir mit einer Kamera vor Ort waren. Wie hätten wir sonst die Informationen an die Leute bringen können? Sonst hätte man alles aus der Kommentatoren-Kabine gemacht. So konnte man Interviews ohne Ende führen machen. Das war sehr wichtig, und gleichzeitig natürlich ein extrem trauriger Moment.

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Der erste WM-Titel von Michael Schumacher

1994 feierte Michael Schumacher seinen ersten WM-Titel im Benetton. Da gibt es Bilder, wie er mich bei einer Liveschalte nach dem Rennen in Adelaide mit Champagner geduscht hat. Klar ist es etwas Besonders, dabei zu sein, wenn ein Deutscher Weltmeister wird. Hinterher ist er mit Cowboystiefeln und Cowboyhut auf eine Party gekommen – schon herrlich und besonders.

Schumachers erster WM-Titel mit Ferrari

Eine noch größere Geschichte war es, als er das erste Mal mit Ferrari Weltmeister wurde. Dafür hat er aus meiner Sicht noch mehr arbeiten müssen. Es war ein Höhepunkt, den ich nie vergesse, wie er da stand nach dem Rennen 2000 in Suzuka. Ich gratulierte ihm: „Mensch Klasse! Ich sehe schon Barcardi Cola. Hier geht es gleich zur Sache.“ Da sagte er nur kurz: „Ich muss aber nochmal ins Briefing.“ Ich sagte dann: „Du bist Weltmeister. Die Saison ist vorbei.“ Woraufhin er entgegnete: „Aber von nichts kommt nichts.“ Das fand ich wirklich beeindruckend. Dass er selbst in dem Moment schon weiter gedacht hat, das Briefing noch zu Ende bringen zu müssen.

Sebastian Vettels erster WM-Titel – und eine kaputte Hose

Ein denkwürdiger Moment für mich in der Zusammenarbeit mit Sebastian Vettel war, als er in Abu Dhabi 2010 das erste Mal Weltmeister wurde. Das erste Mal war ja überhaupt nicht planbar. Damit hatte keiner gerechnet. Es war ja relativ einfach für (Fernando) Alonso mit 15 Punkten Vorsprung vor dem Deutschen im Red Bull. Vettel musste gewinnen, Alonso durfte maximal Fünfter werden. Das hat ja dank der rollenden Schikane Vitaly Petrov gut funktioniert. Was für mich hängenblieb war erstens, dass wir – nachdem Vettel über die Ziellinie fuhr – nach Michael Schumacher einen zweiten deutschen Weltmeister hatten. Und zweitens: Dass ich danach plötzlich eine kaputte Hose hatte. Vater Norbert Vettel hatte versprochen: „Du, wenn der Jung‘ es schafft, dann reiß ich dir die Buchs‘ kaputt.“ Und das hat er tatsächlich gemacht.

Nico Rosberg schlägt Lewis Hamilton und wird Weltmeister

Wenn ich an Abu Dhabi denke, dann natürlich auch an die WM von Nico Rosberg im Jahr 2016. Er wurde mehr oder weniger aus Versehen Weltmeister. Keiner hat gedacht, dass er das Ding einmal gegen Hamilton gewinnt. Völlig überraschend kam nach dem perfekt gemachten Titelgewinn dann seine Familie eingeflogen, nachdem er das zuvor alles gar nicht geplant hatte. Mutter Sina, seine Frau natürlich, Vater Keke. Alle waren dann plötzlich da. Das war für ihn auch eine tolle Sache – vor allen Dingen eine einmalige Sache, denn danach hat er aufgehört – sinnvollerweise … Ich war ehrlich gesagt etwas sauer (lacht). Denn danach hätten wir einen silbernen Mercedes mit der Nummer eins gehabt und noch einen schnellen Deutschen vorne dabei und nicht nur Sebastian. Das fand ich schade.

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Eine besondere Begegnung im Steakhouse

Es gibt natürlich auch abseits der WM-Titel und historischer Momente kleinere Highlights. In Mönchengladbach habe ich beispielsweise öfter mal Jos Verstappen im Steakhouse getroffen. Da habe ich ihn gefragt, was er denn noch so mache. Und er antwortete: „Ich kümmere mich ein bisschen um meinen Sohn. Ich manage den, der fährt Kart und ist echt schnell.“ Der Ex-Formel-1-Pilot (u.a. Benetton, Arrows) Jos schwärmte weiter: „Hör zu: Nicht so wie ich. Ich bin immer über die Autos drüber gefahren. So ist der nicht, der fährt auch mit Gehirn.“ Von dem Moment an habe ich Max beobachtet. Und plötzlich war er für Toro Rosso an der Strecke. Das hatte ich alles durch den Jos früher mitbekommen. 2016 in Barcelona dann Max‘ erster Sieg in seinem ersten Einsatz für Red Bull: Da hatte ich dann als Erster Jos Verstappen am Mikro hinterher. Er hatte Tränen in den Augen und antwortete mit verheulter Stimme. Dem Manager blutete vor Freude sogar die Nase.

Als Schumacher die Schwangerschaft seiner Frau bestätigte

Einst drehte sich Michael Schumacher zu mir in der Startaufstellung nach dem eigentlich schon geführten Interview noch einmal um – und sagte: „Ich hab‘ noch was: Ich habe ja immer gesagt, wenn es soweit ist, melde ich mich mal. Corinna und ich erwarten Nachwuchs.“ Da hat er die Geburt seiner Tochter Gina (Jahrgang 1997) exklusiv bei mir angekündigt. Es stand nicht zuerst in der „Bild“, er hat es bei mir gemacht – das war natürlich eine tolle Sache.

Dank Bernie Ecclestone weltweit zu sehen

Ich hatte immer einen guten Draht zu Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Er hat dafür gesorgt, dass ich oben auf dem Podium mehrmals die Siegerinterviews führen durfte. Das erste Mal war auf dem Nürburgring. Da stehen plötzlich die schnellsten Drei der Formel 1 neben Dir und Du darfst sie interviewen, während die ganze Welt zuschaut. Nicht nur die mehreren Millionen RTL-Zuschauer, sondern plötzlich eine Milliarde auf der ganzen Welt. Dafür bin ich Bernie dankbar.

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Kuriosum bei der Midland-Teamvorstellung

Ich kann mich an eine Präsentation des Midland-Teams erinnern auf dem Roten Platz in Moskau – vor der Saison 2006 bin ich vom damaligen Jordan-Team dorthin eingeladen worden. Von Alex Shnaider, dem Stahl-Milliardär. Es war überragend, vor allem wegen eines Ereignisses. In dem großem Zelt, wo der neue Wagen präsentiert wurde, stand ein Show-Auto des Teams. Das heißt: Dieses Auto hatte keinen Motor und stand nur auf der Bühne – quasi ein Modell. Doch das wussten offenbar nicht alle. So setzte sich der leicht angetrunkene Politiker Wladimir Wolfowitsch Schirinowski in das Show-Car. Er versuchte verzweifelt, es zu starten und fragte nach einem Schlüssel, damit er es ankriegt. Ein wirklich surrealer und skurriler Moment.

Helmut Kohl und die Nationalhymne

Ich war einst mit Altbundeskanzler Helmut Kohl am Nürburgring zum Grid-Interview verabredet. Mitten im Gespräch klopfte er mir auf die Schulter und sagte: „So, Junge, jetzt halten wir mal die Klappe. Jetzt läuft die Hymne.“ Da haben wir kurz stramm gestanden und danach erst das Interview fortgesetzt. Dazu muss man sagen: Anders als heute, wo die Fahrer sich vor der Startaufstellung zur Hymne versammeln, lief das damals eher nebenbei. Alles bewegte sich weiter. Die Mechaniker schraubten, die Fahrer gingen auf Toilette, die Grid-Girls liefen umher. Keiner hat sich wirklich um die Hymne geschert. Aber der Kanzler hat mich darauf hingewiesen, dass das ein besonderer Moment war. Für mich war diese Reaktion dann im Nachhinein ein wirklich besonderer Moment.

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