15. April 2021 / 12:57 Uhr

Fünf auf einen Streich: Geithain hält Bezirksrekord bei Platzverweisen

Fünf auf einen Streich: Geithain hält Bezirksrekord bei Platzverweisen

Frank Müller und Rainer Hertle
Leipziger Volkszeitung
Symbolbild
Die Entscheidungen der Unparteiischen wurden auch damals nicht immer wohlwollend aufgenommen. © Imago
Anzeige

Früher war nicht alles besser. Denn hitziges Auftreten auf dem grünen Rasen, aber auch Gewaltandrohungen waren in der Vergangenheit nicht so selten. Seit 1951 halten die Geithainer den Bezirksrekord, was die Anzahl von Feldverweisen angeht.

Anzeige

Leipzig. In unserer kurzen Serie zu Vorkommnissen und den sich daraus ergebenden Sportgerichts-Verfahren beleuchten wir, dass es auf den Fußballplätzen der Region auch früher schon manchmal recht rüde zuging. Die zu Grunde liegenden Ereignisse belegen, dass es keineswegs gesitteter als heute ablief, wie mitunter behauptet wird.

Anzeige

Dennoch blieb ein Ereignis im Nachwuchsfußball 1980 ganz ohne Folgen. Ein Schiedsrichter hatte das Aufstiegsspiel zur B-Jugend-Bezirksklasse zwischen dem SSV Markranstädt und Rotation Leipzig 1950 nachweislich drei Minuten zu zeitig abgepfiffen und es sogar zugegeben. Doch das Sportgericht wertete die Partie wie ausgegangen, weil „der Regelverstoß nicht spielentscheidend war“.

Mehr aus der Serie

Weit schlimmer ging es am 3. Mai 1981 beim Duell der Männer-Bezirksliga zwischen Aktivist Borna und dem ESV Delitzsch zu. Ein Bornaer Spieler warf in der 82. Minute aus Verärgerung über eine Entscheidung des Referees diesem den Ball aus kürzester Entfernung an den Kopf. Der Unparteiische ging kurz in die Knie, zeigte dem Sünder dann aber folgerichtig die Rote Karte. Der „Wurfgewaltige“ war kaum zu beruhigen und musste von seinem eigenen Team vom Platz geschafft werden, kündigte dem Schiri dabei aber an: „Nach Spielschluss schlage ich dich zum Krüppel.“ Er wartete dann tatsächlich auf den Referee und holte zum Schlag aus. Linienrichter und Bornaer Funktionäre hielten den Übeltäter allerdings zurück. Die Strafe fiel dennoch deftig aus, er wurde für ein Jahr gesperrt.

Rustikale Gangart in Geithain

An diesem 3. Mai 1981 schien Gewalttätigkeit in der Luft zu liegen, denn am gleichen Tag schlug der Geithainer Spielertrainer im Bezirksliga-Match bei KAP Niedergoseln einen Gegenspieler mit der flachen Hand und sah dafür natürlich Rot. Vor der Gerichtsverhandlung beantragte die Disziplinarkommission des Vereins (sie hatte nach damaligem Prozedere das erste Wort) selbst eine Spielsperre von zwölf Wochen vor. Die Rechtskommission (entsprach dem heutigen Sportgericht) bestätigte dies. Zugleich durfte er sein Traineramt bis Oktober des gleichen Jahres nicht mehr ausüben.

Die Geithainer waren schon ein ganzes Stück früher in rustikaler Art aufgefallen. Seit 1951 halten sie den Bezirksrekord, was Feldverweise angeht. In der Bezirksklasse-Partie gegen DHfK Leipzig wurden fünf Motor-Akteure vom Platz gestellt, aus der Elf wurde also eine „Sechs“. Zu dieser Zeit war das noch kein Grund, ein Spiel abzubrechen. Wie die Geithainer Rumpftruppe die Begegnung über die Zeit gebracht hat, ist leider nicht überliefert.