15. Oktober 2021 / 08:00 Uhr

Fürth-Trainer Stefan Leitl über den Druck im Abstiegskampf, die Job-Sicherheit und den Karriere-Plan

Fürth-Trainer Stefan Leitl über den Druck im Abstiegskampf, die Job-Sicherheit und den Karriere-Plan

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fürth-Coach Stefan Leitl stellt sich den Fragen im SPORTBUZZER-Interview.
Fürth-Coach Stefan Leitl stellt sich den Fragen im SPORTBUZZER-Interview. © Getty Images (Montage)
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Greuther Fürth ist in dieser Bundesliga-Saison der krasse Außenseiter. Im Kampf um den Klassenerhalt müssen die Kleeblättler bereits einige Rückschläge hinnehmen. Vor dem Kellerduell mit dem VfL Bochum spricht Trainer Stefan Leitl im SPORTBUZZER-Interview über die Drucksituation im Abstiegskampf, die Job-Sicherheit in Fürth und den eigenen Karriere-Plan.

SPORTBUZZER: Stefan Leitl, am Samstag kommt es zum Aufsteigerduell mit dem VfL Bochum. Der Revierklub holte bisher vier Zähler, Fürth nur einen. Wie sehen Sie die Drucksituation?

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Stefan Leitl (44): Den Druck machen wir uns schon selbst, weil wir mit der bisherigen Punkte-Ausbeute nicht zufrieden sind. Wichtig wird sein, in ein kontinuierliches Punkten zu kommen. Das Heimspiel gegen Bochum ist wichtig für uns.

Ist die Situation im Tabellenkeller mit Hertha, Augsburg, Bielefeld, Bochum und Fürth genau so zu erwarten gewesen?

Ich möchte nicht über unsere Konkurrenten sprechen. Wir sind der große Außenseiter in der Liga. Es muss fast alles perfekt laufen, dass wir die Liga am Ende halten. Ich bin davon überzeugt, dass wir es schaffen können. Die Tabelle spiegelt aktuell ein Bild wider, das für uns auch positiv sein kann. Wir müssen jetzt in die Punkte kommen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Ihr Fazit nach sieben Spielen dürfte nicht ganz so positiv ausfallen.

Wir sollten die Ergebnisse und Leistungen differenzieren. Wir haben uns leistungstechnisch in den letzten drei, vier Wochen enorm gesteigert und sind deutlich konkurrenzfähiger als zuvor. Im Ergebnis hat sich das leider noch nicht widergespiegelt. Daher sind wir auch nicht zufrieden.


Ihr Team kassierte bereits 19 Gegentore – ist die Defensive aktuell das größte Problem?

Es sind einfach gewisse Dinge, die ausschlaggebend waren. Es gab Veränderungen im Kader kurz vor Transferende. Die tun uns sicherlich sehr gut, aber viele der neuen Spieler kommen nicht aus einem Rhythmus. Da müssen wir noch aufholen. Zudem bekommen wir zu einfache Gegentore – gerade nach Standard-Situationen.

Ihr direkter Konkurrent Bielefeld war in der vergangenen Saison der krasse Außenseiter. Für Arminias Geschäftsführer Samir Arabi war es ein Rennen für das Schlauchboot Bielefeld gegen 17 Motorboote. Wie fühlen Sie sich in dieser Saison?

Samir Arabi hat seinen kompletten Aufstiegskader mit in die Bundesliga genommen – das war bei uns nicht der Fall. Wir sind kein typischer Aufsteiger und haben sehr viel Potenzial verloren. Für uns war es klar, dass es in den ersten Wochen und Monaten schwer wird. Auch in den letzten Jahren wurden wir immer wieder als Underdog oder sogar Abstiegskandidat in der 2. Liga gehandelt. Von daher ist die Situation nicht neu für uns und wir können gut damit umgehen.

Gibt es von Ihnen eine Punktevorgabe bis zur Winterpause? Zehn Spiele sind es noch.

Nein. Es geht darum, den Anschluss an drei, vier Mannschaften zu halten. Wir wollen in Schlagdistanz bleiben und dann alles mobilisieren für das Ziel Klassenerhalt. Eine Punktvorgabe mache ich nicht.

Es entstehen oft automatisch Trainer-Diskussionen, wenn es mal nicht so läuft. Müssen Sie sich davor auch in Fürth fürchten?

Der Trainerjob ist nie sicher. Ich bin knapp drei Jahre hier und unser Weg ist stetig nach oben gegangen. Wir haben jetzt etwas erreicht, was vielleicht niemand von uns erwartet hätte. Ich glaube schon, dass wir alle wissen, wie schwer es ist, mit unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten in der Bundesliga zu bestehen. Daher mache ich mir keine Sorgen um meinen Job. Ich versuche das Bestmögliche für den Verein zu geben. Und noch mal: Es wäre eine Riesensensation, wenn wir die Liga halten würden.

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Einige Bundesliga-Trainer besitzen eine Transferklausel im Vertrag. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Wenn Trainern wieder stärker das Vertrauen geschenkt wird und man auch durch schwere Phasen gemeinsam geht, glaube ich auch, dass es wieder zu mehr Konstanz auf den Trainerstühlen kommt und man wieder weniger Klauseln hätte.

Gibt es in Ihrer Trainerkarriere einen genauen Plan? Sie träumen sicherlich auch mal von der Europa oder sogar der Champions League.

Ich habe meine bisherigen Schritte schon bewusst gewählt und habe als Trainer im Nachwuchsleistungszentrum begonnen, um irgendwann eine Bundesliga-Mannschaft zu trainieren. Das habe ich mit der Spielvereinigung geschafft. Jetzt würden wir gerne in dieser Bundesliga bleiben. Als Sportler, und das sind wir Trainer, möchte man natürlich so erfolgreich wie möglich sein, ich finde es aber wichtig, dass man dabei auch sich, seinen Werten und seinem Weg treu bleibt und sich mit dem, was man tut, vollkommen identifiziert.

Wie konkret war im vergangenen Sommer die Überlegung, den Verein zu verlassen?

Ich war weder auf der Suche noch habe ich mich an den Gerüchten beteiligt. Wir haben in der vergangenen Saison alle Gespräche nach hinten verschoben, um den Aufstieg am Ende zu schaffen. Ich habe mich dann mit Rachid nach der Saison in Ruhe besprochen, wie die Ausrichtung sein soll und wie wir uns als Verein sehen. Es gab von meiner Seite keinen Wechselwunsch.

Wechsel gab es trotzdem einige vor Saisonbeginn. Wie bewerten Sie die anderen Neuzugänge wie Cedric Itten, Jetro Willems, Nick Viergever oder auch Jeremy Dudziak?

Dass sie Verstärkungen für uns sein werden, war uns klar. Diese Spieler machen uns natürlich besser. Hinter jedem Spieler steckt aber auch eine Geschichte. Jeremy Dudziak hat beim HSV kaum die Vorbereitung mitgemacht, Cedric Itten hat bei den Glasgow Rangers nur selten gespielt und Jetro Willems war in den vergangenen zwei Jahren viel verletzt. Wir können nicht von den Spielern erwarten, dass sie von heute auf morgen funktionieren. Der ein oder andere Spieler benötigt noch etwas Zeit. Es haben aber alle die individuelle Klasse, uns besser zu machen.

Gilt das auch für Adrian Fein? Er kam mit großen Erwartungen vom FC Bayern und stand zuletzt zweimal überhaupt nicht im Kader.

Wir hatten ein Testspiel in der Länderspielpause. Da ist er zum Einsatz gekommen. Jeder hat die Chance, sich anzubieten. Mit Adrians Defensivarbeit war ich in der Vergangenheit nicht ganz einverstanden. Das haben wir auch besprochen. Er trainiert gut und erhält die Möglichkeit, in den Rhythmus zu kommen.

Auf der Torhüter-Position haben Sie zuletzt eine Änderung vorgenommen. Marius Funk kam in Köln zu seinem ersten Startelf-Einsatz in der Bundesliga. Ist er jetzt die neue Nummer eins?

Er hat schon aufgrund der Vorbereitung und seiner Trainingsleistungen den Anspruch gestellt, die Nummer eins zu sein. Marius hat gegen Köln seine Sache sehr ordentlich gemacht. Wir werden uns vor dem Spiel gegen Bochum entscheiden, wie es in den nächsten Wochen aussehen soll.

Eine Entscheidung für die restliche Saison?

Wenn man eine Entscheidung auf dieser Position trifft, sollte man einen längeren Zeitraum auch dahinterstehen und das Ganze unterstützen. Daher werden wir nicht permanent den Torhüter tauschen. Ich war auch mit den Leistungen von Sascha Burchert nicht unzufrieden. Aber er hatte einfach kein Spielglück. Oft war der erste Schuss aufs Tor drin.

Sie haben nach der Transferperiode Ihren Kader gelobt. Sind Sie immer noch davon überzeugt, dass die Abgänge von David Raum, Anton Stach oder auch Sebastian Ernst gut aufgefangen wurden?

Die Neuzugänge machen uns im Gesamtverbund besser. Wir haben enormes Potenzial verloren. Wir haben Spieler abgegeben, die fast alle in der Bundesliga bei anderen Klubs regelmäßig spielen. Das mussten wir mit Neuzugängen kompensieren. Und das ist Rachid zum Ende der Transferperiode auch gelungen.

Muss sich im Winter noch etwas im Kader tun?

Wir können uns den Klassenerhalt nicht erkaufen. Wir sind von der wirtschaftlichen Situation abhängig. Aktuell bin ich mit dem Kader zufrieden. Der Kader ist sehr groß, einige verletzte Spieler kommen noch zurück. Ich hoffe, dass wir beispielsweise auf einen Gideon Jung oder Jessic Ngankam bald wieder zurückgreifen können.

Bei Ihrem nächsten Gegner VfL Bochum ist die Situation eine ähnliche. Der Klub investierte gar kein Geld in Neuzugänge und gab mit Robert Zulj einen der besten Spieler ab. Gibt es dennoch Unterschiede zwischen den beiden Vereinen?

Ich weiß nicht, ob wir uns mit Bochum vergleichen sollten. Wir haben schon noch eine andere Philosophie, setzen zum Beispiel viel auf junge Spieler. Unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten sind begrenzt und wir geben nur das aus, was uns zur Verfügung steht. Und das ist auch der richtige und nachhaltige Weg. Alles andere würde für uns als Verein keinen Sinn machen.