30. März 2021 / 11:06 Uhr

Gewinner der WM-Qualifikation: Das macht Emre Can so wertvoll für Joachim Löw und die DFB-Elf

Gewinner der WM-Qualifikation: Das macht Emre Can so wertvoll für Joachim Löw und die DFB-Elf

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Emre Can überzeugte in den ersten Spielen der DFB-Auswahl in diesem Jahr.
Emre Can überzeugte in den ersten Spielen der DFB-Auswahl in diesem Jahr. © IMAGO/Revierfoto/Getty Images (Montage)
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BVB-Alleskönner Emre Can hat eine beeindruckende Karriere in Europa hingelegt und zählt bei der DFB-Auswahl plötzlich zu den großen Gewinnern. Der 27-Jährige zeigte bei der WM-Qualifikation seinen Wert für Bundestrainer Joachim Löw. Er glänzt dabei auch mit seiner Vielseitigkeit.

Sein Trick zu einer spektakulären Befreiungsaktion beim 1:0-Sieg in Rumänien direkt vor der Bank von Joachim Löw hätte in jedes Lehrvideo gepasst. Emre Can zog den Ball mit der Sohle zurück, drehte sich rückwärts und leitete mit der Hacke weiter. Ein Kunststück, das einiges aussagt über den großen Gewinner der ersten beiden Länderspiele des Jahres. Über den Mann, der praktisch alles kann – und das fast überall.

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In beiden Partien der WM-Quali kam Can über 90 Minuten auf der ungewohnten linken Abwehrseite zum Einsatz. Dies war so nicht geplant, doch durch die Abreise von Corona-Kontaktperson Marcel Halstenberg, die Muskelbeschwerden von Robin Gosens und den schwachen Auftritt von Philipp Max beim 0:6-Debakel in Spanien erinnerte sich der Bundestrainer, dass Alleskönner Can sich auch schon auf dieser Position bewiesen hatte – vor acht Jahren bei Bayer Leverkusen.

Mit europäischen Top-Klubs auf Titel-Jagd

Dort startete der inzwischen 27-Jährige seine beeindruckende Karriere. Er holte Titel mit Bayern München, Juventus Turin und dem FC Liverpool, spielt nun bei Borussia Dortmund, meist als Innenverteidiger. Doch auf welcher Position fühlt er sich eigentlich selbst am besten aufgehoben? „Ich sehe mich als zentraler Spieler, Innenverteidiger, defensiver Mittelfeldspieler“, sagte Can vor seinem ersten Aushilfseinsatz auf links vergangene Woche gegen Island (3:0). Auf seiner Lieblingsposition als Sechser ist die Konkurrenz in Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Toni Kroos und Ilkay Gündogan allerdings riesig – um nur einige Mitstreiter zu nennen.

Auch beim DFB stand und steht Can hoch im Kurs, er durchlief seit der U15 alle Jugendauswahlmannschaften, gewann 2017 unter Löw als Stammspieler den Confed Cup, kommt aktuell auf 32 Länderspiele (ein Tor). Doch für „ganz oben“ reichte es (bislang) nicht. Zwar zählte er bei der EM 2016 zum Kader der A-Mannschaft, durfte aber lediglich bei der Halbfinalpleite gegen Frankreich (0:2) für den verletzten Sami Khedira 67 Minuten ran und absolvierte eine seiner schwächsten Partien im Nationalteam.

Bei der WM 2018 verzichtete Löw auf seinen Allrounder, der nun mit Blick auf sein letztes Turnier, die bevorstehende EM, eine ähnliche Rolle einnehmen könnte wie der zum Linksverteidiger umfunktionierte Ex-Schalker Benedikt Höwedes beim Titelgewinn 2014. Von Cans jüngsten Auftritten zeigte sich der scheidende Bundestrainer jedenfalls begeistert: „Ich fand, dass Emre sehr gut gespielt hat. Er ist sehr dynamisch aus der Abwehr ins Mittelfeld gegangen, war sehr ballsicher und körperlich sehr stark. Er hat viele Angriffe inszeniert mit Tempoläufen – genau das brauchen wir von den Außenverteidigern“, schwärmte Löw, um dann zuzugeben: „Eigentlich ist Emre eher im Zentrum oder auf der Sechs geplant.“

Can überzeugt durch Vielseitigkeit

Doch ob hinten rechts, links, in der Innenverteidigung und in der Mittelfeldzentrale – Can kann. Und Can liefert. Genau solch eine Konstanz und taktische Flexibilität schätzt und braucht Löw natürlich auch für ein Turnier, bei dem so viel passieren kann.


Auf seinem Weg zur letzten Titelmission in Diensten des DFB wird sich der Coach im Zweifelsfall eher für Spieler entscheiden, die zu hundert Prozent hinter ihm stehen und ihm einiges zu verdanken haben – auch dazu zählt Can unbestritten. Er sagt: „Joachim Löw ist ein toller Trainer, das weiß jeder. Aber für mich zählt vor allem auch, dass er ein wundervoller Mensch ist, der immer sehr respektvoll ist gegenüber jedem. Ich bin ihm sehr dankbar für vieles. Deswegen wollen wir ihm eine erfolgreiche EM zum Abschied schenken.“ Das Ticket dafür kann Can wohl schon mal buchen.