26. April 2022 / 13:20 Uhr

Nach Gräfe-Kritik und Matthäus-Vorschlag: Wie Ex-Schiri Rafati das VAR-Thema angehen würde

Nach Gräfe-Kritik und Matthäus-Vorschlag: Wie Ex-Schiri Rafati das VAR-Thema angehen würde

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Babak Rafati hat genaue Vorstellungen, wie man die Arbeit des VAR optimieren könnte.
Babak Rafati hat genaue Vorstellungen, wie man die Arbeit des VAR optimieren könnte. © dpa/IMAGO/Herbert Bucco (Montage)
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Wieder einmal standen in der Bundesliga am Wochenende die Schiedsrichter in der Kritik. Nach den Fehlentscheidungen in München und Leipzig fordern mehrere Experten Reformen. Deutliche Worte mit Blick auf die immer wieder auftretenden Fehlentscheidungen wählt auch SPORTBUZZER-Kolumnist und Ex-Referee Babak Rafati.

Nach den Schiedsrichter-Fehlentscheidungen am Bundesliga-Wochenende wird die Kritik immer größer - besonders am Deutschen Fußball-Bund. "Ich kann die Worte von Manuel Gräfe nur wiederholen: Der DFB hat die Schiedsrichterei gegen die Wand gefahren", sagt der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati im Gespräch mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

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Die Schiedsrichter sind seit dem 1. Januar in einer ausgegliederten GmbH organisiert. Der DFB ist mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafter, die Deutsche Fußball Liga ist ebenfalls Gesellschafter. Den Bereich "Sport und Kommunikation" verantwortet Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich. Das Team rund um Fröhlich ist laut Rafati mit der aktuellen Situation "überfordert".

Rafati: "Alles total unglaubwürdig"

Fröhlich und Co. seien alles "liebe und nette Menschen", sagt der Ex-Referee: "Aber das sind für mich keine Führungskräfte. Sie sind viel mehr auf Harmonie aus. Es ist der falsche Weg, immer wieder die Schiedsrichter in Schutz zu nehmen. Die Unparteiischen werden oft zu sehr mit Samthandschuhen angepackt, was zu Qualitätsverlust geführt hat. Es ist alles total unglaubwürdig und für die Reputation des deutschen Fußballs ungemein schlimm."

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Beim Topspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund (3:1) griff Video-Schiedsrichter Marco Fritz nach einem elfmeterwürdigen Foul von Benjamin Pavard gegen BVB-Profi Jude Bellingham nicht ein. Beim 2:1-Sieg des 1. FC Union bei RB Leipzig meldete indes der Video-Assistent Markus Schmidt einen Tritt von Leipzigs Nordi Mukiele gegen den Berliner Niko Gießelmann, Schiedsrichter Daniel Schlager revidierte seine Entscheidung aber nicht. Hätte ein Ex-Profi in diesen Situationen geholfen?

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hatte in seiner Sky-Kolumne den Vorschlag gemacht, dass ehemalige Fußballer als Unterstützung eingesetzt werden könnten. "Wir als ehemalige Fußballer können das deshalb besser bewerten, weil wir selber permanent und jahrelang in diesen Situationen waren und wissen, wie es aussieht, wenn man foult oder gefoult wird. Wie man fällt, wohin sich der Ball bewegt, wenn dieses oder jenes davor passiert. Und vor allem sehen wir es schneller", erklärte Matthäus, der von Rafati für diese Idee viel Zuspruch erhält: "Das würde der ganzen Sache absolut guttun."

Rafati würde auf Ex-Profis setzen

Der frühere Referee sieht bei den Schiedsrichtern das Problem, das keiner Erfahrungen als aktiver Fußball-Profi sammeln konnte und maximal im Amateurbereich gekickt hat. "Da sind die Bewegungsabläufe einfach ganz anders. Ein ehemaliger Profi könnte die Szenen viel besser beurteilen und wäre für die Video-Schiedsrichter eine optimale Hilfe", meint Rafati, der frühere Stars wie Stefan Effenberg oder Mario Basler in solchen Positionen sieht: "Das sind Leute, die geradeaus denken, entscheidungsfreudig sind und sich nicht verbiegen lassen."

Besonders in die Pflicht nimmt der frühere FIFA-Schiedsrichter den DFB und die Deutsche Fußball-Liga (DFL). Nach der Wahl von Bernd Neuendorf zum DFB-Präsidenten und Hans-Joachim Watzke zum DFL-Aufsichtsratschef sieht Rafati jetzt einen guten Zeitpunkt, um über die Fehler der letzten Jahre zu sprechen – und sie natürlich auch anzugehen: "Beim DFB bin ich da nicht ganz so optimistisch wie bei der DFL. Watzke ist ein Macher-Typ mit hohem Ansehen. Er könnte sehr gut dabei helfen, auch die Schiedsrichterei in Deutschland wieder voranzubringen."