09. August 2021 / 10:48 Uhr

"Gute Situationen kreiert": 96-Allrounder Ochs darf offensiv ran - und liefert ab

"Gute Situationen kreiert": 96-Allrounder Ochs darf offensiv ran - und liefert ab

Dirk Tietenberg und Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Philipp Ochs stellt im Pokal unter Beweis, dass er auch eine Option für die Offensive ist.
Philipp Ochs stellt im Pokal unter Beweis, dass er auch eine Option für die Offensive ist. © IMAGO/Claus Bergmann
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Etwas überraschend spielte Philipp Ochs in Norderstedt auf der Zehn. "Die Idee war, aus dem Zentrum mehr tiefe Laufwege zu haben", sagte 96-Coach Jan Zimmermann. Der Plan mit dem Allrounder ging auf: "Er hat gute Situationen kreiert." Vom Führungstreffer ganz zu schweigen.

Seine bisherigen Trainer meinten es stets gut mit ihm. Aber irgendwann kam sich Philipp Ochs vor wie ein Wanderpokal, wie ein wertvoller Spieler zwar, der aber von Position zu Position gereicht wird. Im Trainingslager von Hannover 96 in Rotenburg flachste der 24-Jährige, es fehle nur noch, dass er als Innenverteidiger spielen oder trainieren müsse.

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Trainer Jan Zimmermann tat ihm etwa zwei Wochen später den Gefallen, als mal wieder ein Innenverteidiger fehlte. Ochs war ja da. Er kann schließlich irgendwie alles. So wie im Pokal am Samstag in Norderstedt. Ochs war beim 4:0 nicht nur Spielball personeller Engpässe, sondern Spielmacher, ein sogenannter „Zehner“.

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Mit seinem etwas glücklichen 1:0 wurde er sogar zum Vorentscheider der ungleichen Begegnung. „Sein Nachteil in der Vorbereitung war, dass er auf verschiedenen Positionen gespielt hat und immer defensiv eingesetzt wurde“, erklärte Zimmermann nachher, „nun konnten wir ihn mal offensiv se­hen. Er hatte den Einsatz verdient und hat es mit dem ersten Tor auch zu­rück­ge­zahlt.“

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Ducksch profitiert von Ochs' Spielweise

„Die Idee mit Ochsi war, aus dem Zentrum mehr tiefe Laufwege zu haben“, erläuterte Zimmermann, „er hat gute Situationen kreiert. Wir wollten mehr Bindung zu Ducksch im Strafraum haben.“ Hat geklappt, Marvin Ducksch profitierte von der Tiefe im Ochs-Spiel.

„Philipp ist taktisch gut ausgebildet, man kann ihn auf viele Positionen stellen“, sagte Marcus Mann. Klar, dass der 96-Sportchef das so sagt, schließlich war Mann selbst bis vor Kurzem noch Ausbilderboss in Hoffenheim, wo Ochs in die Lehre ging – unter anderem beim aktuellen Bayern-Startrainer Julian Nagelsmann.

Ochs gewann mit Nagelsmann die deutsche Meisterschaft der A-Junioren, vor sieben Jahren in Hannover. Zur etwa gleichen Zeit förderten ihn der aktuelle Co-Bundestrainer Marcus Sorg und U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz in den Juniorenteams des DFB. Ochs hatte viele Lehrer mit großen Namen in seiner Karriere.

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Immer mal wieder werden die Sei Muroya und die anderen Spieler in Norderstedt ordentlich nass. Zur Galerie
Immer mal wieder werden die Sei Muroya und die anderen Spieler in Norderstedt ordentlich nass. ©

Seine Torgefahr zeigte er bereits damals und später auch unter Kenan Kocak. Aber kaum hatte er mal zweimal in der Startelf gestanden, wanderte er wieder zurück auf die Bank – als erster Kandidat für eine Einwechslung. Als Notnagelsmann ist Ochs aber eigentlich zu wertvoll.

Sein Vertrag endet in einem Jahr, Mann dürfte also jetzt schon Argumente sammeln, um mit dem Familienvater den Vertrag zu verlängern. Ansonsten wird der im nächsten Sommer ablösefrei wechseln – 96 hatte ihn im Januar 2020 selbst kostenfrei bekommen.

Ochs sei ein Spieler, der „Rhythmus und Selbstvertrauen braucht“, findet Zimmermann. Aber eine Selbsteinschätzung wird Ochs haben, sodass er weiß: Die Spielmacherposition dürfte er nicht auf Dauer behalten. Weil 96 gerade ein Verbindungsstück zwischen Mittelfeld und Ducksch auf dem Transfermarkt sucht.