08. März 2022 / 12:44 Uhr

96 hat ein Tugend-Problem

96 hat ein Tugend-Problem

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
In Sandhausen: Die 96-Mannschaft schleicht enttäuscht vom Platz.
In Sandhausen: Die 96-Mannschaft schleicht enttäuscht vom Platz. © IMAGO/Eibner
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Hannover 96 hält gut mit gegen spielerisch starke Teams. Gegen Klubs, die über Tugenden wie Zweikampfhärte kommen, gibt es allerdings Probleme im Alltag der 2. Liga. Für die nächste Saison muss 96 Konsequenzen ziehen und das Team umbauen.

Die schöne Welle, die 96 erwischt zu haben glaubte, ist schon wieder zusammengebrochen. In Sandhausen „hat alles gefehlt, das war in allen Mannschaftsteilen eine Katastrophe“, ärgert sich ­96-Chef Martin Kind. „Total enttäuscht“ sei er, so aufzutreten, „das geht natürlich nicht.“ 

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Nicht anders sieht es Sportchef Marcus Mann. „Zum wiederholten Mal hätten wir einen großen Schritt machen können und haben die Chance liegen gelassen, uns von hinten abzusetzen.“ Nun habe man „eine lange Woche, um das aufzuarbeiten“. Immer deutlicher wird dabei – gegen Spitzenmannschaften überzeugt die Mannschaft. Gegen Klubs, die Fußball nicht nur arbeiten, sondern auch spielen wollen. 2:2 gegen Darmstadt, Siege gegen St. Pauli (3:0) und Kiel (2:0), da läuft’s.

Wenn es aber zur Sache geht, wenn Zweikampfhärte gefordert ist, dann lassen sie es schleifen. Die beiden letzten 1:3-Niederlagen in Heidenheim und Sandhausen machen das noch mal besonders deutlich. „Bei Gegnern, die über andere Tugenden kommen, haben wir Probleme“, räumt Sportchef Mann ein. Wenn es auch mal schmerzen kann, ziehen zu viele 96-Profis zurück.

Mann will zwar den Gegnern „keine Vorlage liefern, wie sie gegen uns spielen müssen“. Doch das dürfte längst bekannt sein. Denn auch „gegen Gegner aus dem hinteren Drittel haben wir Luft nach oben“, räumt Mann ein. Sie wollen offenbar nur spielen bei 96, sobald es auf dem Rasen enger und härter zugeht, machen sie schlapp. Das ist besonders fahrlässig, denn es sind nun mal typische Tugenden für die 2. Liga, mit denen Sandhausen und Heidenheim unterwegs sind.

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Die Frage ist nun: Liegt es an sportlich-taktischen Fehleinschätzungen des Trainers? Christoph Dabrowski hatte ja zu Recht viel Lob für seinen überraschenden Matchplan gegen St. Pauli eingeheimst. Zuletzt aber passte die Idee weder beim 0:4 im DFB-Pokal gegen Leipzig noch in Sandhausen. In beiden Partien musste der Ausgangsplan verändert und angepasst werden. Mit der Dreier-Abwehrkette in Sandhausen zu starten, war ein fataler Fehlgriff.

Oder weist das Tugendproblem nicht doch auch auf eine Charakterschwäche des Teams hin? Sind sich einige Spieler zu fein oder halten sich für etwas Besseres, als sich in bodennahe Zweikämpfe verwickeln zu lassen?

Für die kommende Saison dürften die Pleiten jedenfalls ein klares und notwendiges Signal sein – womöglich genau rechtzeitig. „Mit den Planungen werden wir jetzt beginnen“, kündigt Kind an. „Wir werden den Charakter der Mannschaft verändern müssen.“ Gefragt ist dabei vor allem der Sportchef. Mann muss als Tugendwächter die Balance finden fürs Team – zwischen Widerstandsfähigkeit und spielerischer Qualität. 96 peilt ja auf Sicht den Aufstieg an.

Ein guter Hebel für Veränderungen sind die zehn auslaufenden Verträge. „Das ist eine Chance“, hofft Kind. Maximilian Beier soll gehalten werden. Bei Mike Frantz, Niklas Hult, Linton Maina, Marcel Franke, Mark Diemers, Dominik Kaiser, Philipp Ochs, Marc Lamti und Marlon Sündermann ist das offen. „Die 2. Liga sichern und dann entscheiden“, fordert Kind. Und dabei immer auf Tugendhaftigkeit achten.

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