10. März 2022 / 11:05 Uhr

96-Torjäger Sebastian Kerk über den Abstiegskampf: „Natürlich sprechen wir darüber“

96-Torjäger Sebastian Kerk über den Abstiegskampf: „Natürlich sprechen wir darüber“

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die schwache Hinrunde von Hannover 96 hat bei Sebastian Kerk Spuren hinterlassen.
Die schwache Hinrunde von Hannover 96 hat bei Sebastian Kerk Spuren hinterlassen. © IMAGO/osnapix
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Am Sonntag ist sein Ex-Klub zu Gast - der Club aus Nürnberg. Sebastian Kerk spricht im Interview darüber, was bei den Franken besser läuft als bei Hannover 96. Dessen bislang erfolgreichster Torjäger bezieht auch Stellung zum Abstiegskampf und sagt: „Natürlich sprechen wir darüber.“

Sebastian Kerk, Sie sind der beste 96-Schütze – zufrieden damit?

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Sieben Tore sind in Ordnung, aber da könnten schon noch das eine oder andere Tor und die eine oder andere Vorlage mehr auf der Liste stehen. Allgemein hätten wir in dieser Saison mehr Tore schießen können. Das war vor allem in der Hinrunde unser Pro­blem, in den letzten Wo­chen ist es nicht mehr so akut. Da haben wir einen deutlichen Aufwärtstrend ge­zeigt.

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War es frustrierend, gegen Leipzig chancenlos zu sein?

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Das war Champions-League-Niveau bei den Leipzigern, das haben wir dann auch zu spüren bekommen. Ich hatte auch ab und zu das zweifelhafte Vergnügen, gegen Bayern zu spielen, als Pep Guardiola ihr Trainer war. Da läuft man 90 Minuten nur hinterher, das macht einen mürbe im Kopf. Und irgendwann scheppert’s dann.

96 hat zuletzt gegen Gegner verloren, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Erst Champions-Niveau, dann tiefster Zweitligakick.

Gegen Leipzig wurden uns die Grenzen aufgezeigt. Die Klatsche tat schon weh, das zehrt körperlich und mental an den Kräften. In Sandhausen haben wir die Grundtugenden nicht auf den Platz gebracht, die uns in den letzten Wochen stark gemacht hatten. Wir hatten da oft die Situation „Nimm du hin, ich habe ihn sicher“, dann ist keiner richtig hingegangen. Wir sind nicht in unser Spiel ge­kom­men mit dem Ball am Boden, dann sieht man alt aus gegen solche Gegner, die nur lange Bälle schlagen.

Der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2021/22 in der 2. Bundesliga

Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

Eine Einstellungssache?

Manchmal steht man auf dem Platz und denkt, was geht denn hier eigentlich ab. Da muss jeder Einzelne ge­gen die Widerstände angehen. Ich hasse es zu verlieren.

Warum kann 96 nicht konstant die Basics auf den Platz bringen?


In den letzten Wochen haben wir gezeigt, dass wir eine charakterlich gute Truppe sind, dass der eine für den anderen marschiert. Wenn wir diese Grundtugenden zeigen, wird es immer besser und ansehnlicher. Aber nach so einem Spiel fehlen einem die Argumente.

Ihnen war 2017 die Achillessehne gerissen, was jetzt Sebastian Ernst erlitten hat. Konnten Sie ihm etwas mitgeben für die Reha?

Wir haben uns schon ausgetauscht, ich habe ihm Mut zugesprochen. Bei mir dauerte das über 14 Monate, war aber auch etwas komplizierter als ein normaler Riss. Ich habe ihm gesagt, dass es natürlich beschissen ist, aber dass es auch noch schlimmere Verletzungen gibt.

Ist es eine Folge der Verletzung, wenn Sie an Tagen, an denen zweimal trainiert wird, einmal mitmachen?

Es hat schon etwas damit zu tun. Wenn ich warm bin, ist alles gut. Aber diese An­fangs­vier­tel­stun­de, die ist schon sehr zäh, bis der Organismus in Gang kommt.

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Sie fühlen sich morgens wie ein 60-Jähriger, der schwer aus dem Bett kommt?

Vielleicht nicht ganz so alt (lacht). Aber ich merke schon, wenn ich am Vortag oder am Wochenende etwas geleistet habe. Dann fällt das Aufstehen etwas schwerer.

Was ist denn Ihre Lieblingsposition bei 96?

Hängende Spitze, so ein bisschen der Freigeist in der Of­fen­si­ve. Ich habe ein gutes Gespür, wo ich Überzahlsituationen schaffen und Mitspieler in Szene setzen kann. Ich wünsche mir aber, dass ich öfter meinen linken Fuß in Abschlusssituationen bekomme. Da suche ich auch die Gespräche mit den Mitspielern, damit wir uns besser aufeinander ab­stim­men.

Was ist von den Hoffnungen, die Sie mit 96 verbunden haben, übrig?

Natürlich kommt man mit den Erwartungen hierher, ei­ne wichtige Rolle in der Liga zu spielen. In der Hinrunde ist uns das nicht gelungen, das hat auch bei mir Spuren hinterlassen. Aber der Weg, den wir mit Christoph Da­brows­ki eingeschlagen ha­ben, ist der richtige, damit bin ich voll zufrieden.

Ist bei 96 der Abstiegskampf in der Kabine ein Thema?

Wir sind mittendrin im Abstiegskampf, und natürlich sprechen wir darüber. Es wä­re fatal, wenn wir das nicht ma­chen würden. Wir haben eine bessere Ausgangslage als andere Mannschaften. Uns wurde aber in Sandhausen ganz klar gezeigt, worauf es ankommt.

Die Wintertransfers von Hannover 96 von 2000 bis heute (Stand: 31. Januar 2022)

Saison 99/00 - Darlington Omodiagbe (LSK Lodz -> Hannover 96, Ablöse: 500.000 Euro) Zur Galerie
Saison 99/00 - Darlington Omodiagbe (LSK Lodz -> Hannover 96, Ablöse: 500.000 Euro) ©

Sie sind ein intelligenter Spieler, der sich auch mal „einen Kopf macht“. Wie wirkt sich das aus?

Wenn’s gut läuft, spielt sich’s immer leicht, dann greift ein Rädchen ins andere. Wenn nicht, wie gegen Sandhausen, dann macht man sich schon Gedanken. Dann ist man auch ein Stück weit ab­ge­lenkt. Es ist nicht so gut, wenn man zu viel nachdenkt, dabei habe ich mich in Sandhausen in der einen oder anderen Situation erwischt. Da habe ich mich selbst hinterfragt, was ich hier eigentlich gerade veranstalte.

Sie waren viereinhalb Jahre in Nürnberg. Was macht der „Club“ besser als 96?

Da zahlt sich die Kontinuität aus, wenn gewisse Abläufe sich automatisieren. Das hat man auch an St. Pauli gesehen, das wie Nürnberg letzte Saison nicht so gut stand. Der Trainer hat ein bisschen was taktisch verändert, und ein paar junge Leute sind dazugekommen. Durchaus möglich, dass sie aufsteigen.

Ihr 96-Vertrag läuft bis 2023. Sie sind 27, wie sieht Ihre Karriereplanung aus?

Ich bin nicht als Wandervogel bekannt und will nicht gleich nach dem Jahr weiterziehen. Ich habe Bock, bei 96 zu bleiben. Erst mal müssen wir alles daransetzen, im nächsten Jahr wieder in der 2. Liga antreten zu dürfen, um dann hoffentlich eine erfolgreichere Saison zu spielen. Ich komme mit allen Jungs gut aus und bin relativ umgänglich. Deswegen kommt’s mir auch so vor, als wäre ich schon ewig hier.