28. Januar 2022 / 06:56 Uhr

96-Keeper Zieler über starke Leistungen - und Hannover: "Bin wieder angekommen"

96-Keeper Zieler über starke Leistungen - und Hannover: "Bin wieder angekommen"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Torhüter Ron-Robert Zieler ist nach seiner Verletzung stark zurückgekommen. Im Interview blickt er zurück, aber auch in die Zukunft.
96-Torhüter Ron-Robert Zieler ist nach seiner Verletzung stark zurückgekommen. Im Interview blickt er zurück, aber auch in die Zukunft. © Florian Petrow
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Für Ron-Robert Zieler fühlt es sich gerade "ein bisschen wie Frühling an". Er ist nach langer Verletzungspause stark zurückgekommen - und auch in Hannover wieder angekommen. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der 96-Keeper auch über seinen neuen Trainer.

Ron-Robert Zieler, den wievielten Frühling erleben Sie eigentlich gerade?

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Es ist eine schöne Momentaufnahme, es fühlt sich für mich auch ein bisschen wie Frühling an. Nach so langer Verletzungspause so zurückzukommen, das tut mir auch mal ganz gut.

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Sie haben im Spiel gegen Schalke die erste schwere Verletzung ihrer Karriere erlitten. Was ist genau passiert?

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Es war eine normale Bewegung, dabei hat’s plötzlich peng gemacht und mich auch mal erwischt mit einer schweren Muskelverletzung. Es war eine neue Erfahrung für mich, länger raus zu sein. Man arbeitet für sich allein auf sein Comeback hin, das ist nicht immer einfach. Es war eine spezielle, auch emotionale Zeit.

Inwiefern emotional?

Man fiebert mit. Ich konnte nicht still sitzen bleiben, egal ob vorm Fernseher oder auf der Tribüne. Wir machen es ja immer sehr spannend. Ich kann mich noch gut an das 1:0 gegen den HSV hier erinnern, das hatte hinten raus viel mit Verteidigen zu tun. Da musste ich zwischendurch auch mal aufstehen und reingehen.

Der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2021/22 in der 2. Bundesliga

Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

Hat die Zeit Ihre Sicht auf den Job verändert?

Definitiv. Jetzt weiß ich, was es heißt, auf sein Comeback hinzuarbeiten. Es läuft sehr gut, aber ich werde demütig bleiben und weiter an meinem Körper arbeiten. Man weiß auch, dass eine Karriere endlich ist. Ich hoffe aber, dass sich noch vier, fünf Jahre spielen kann. Wie man sieht, bin ich in einer guten Verfassung.

Sie haben gegen Schalke und Gladbach fantastisch gehalten. Motivieren Sie diese Spiele besonders?


Das sind Spiele mit Bundesliga-Charakter. Auch wenn man immer 100 Prozent geben will, sind das schon besondere Spiele, und dann kommt man auch mal über 100 Prozent.

Ex-Torwart Wiese hat jüngst in einer Talkrunde der NP gesagt, sein Werder-Trainer Schaaf habe in all den Jahren kaum fünf Sätze mit ihm gesprochen. Wie ist das bei 96?

Ich kenne Dabro schon länger, man schätzt sich. Wir reden öfter mal miteinander.

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Der Torwart ist also nicht mehr so der Eigenbrötler?

Wir sind zwar im Teamsport, aber als Torwart schon auch auf gewisse Art und Weise Einzelsportler. Wenn’s nicht viel zu sagen gibt, macht man ja auch einen guten Job. Insofern war’s bei Tim Wiese vielleicht ein Qualitätsmerkmal, dass der Trainer nicht so viel mit ihm geredet hat.

Sie sind Weltmeister und stehen in einer Liste der 96-Torhüterlegenden mit Robert Enke und Jörg Sievers bei 96, haben hier Europapokalabende erlebt. Wie ordnen Sie sich ein?

Diese Vergleiche mache ich nicht. Ich bin ich, schon lange dabei und habe viel durchgemacht. Jeder weiß, was 96 und Hannover mir bedeutet. Ich bin sehr gern hier und wollte das Vorgefallene nicht so stehen lassen, dazu habe ich hier viel zu viele schöne Momente erlebt. Wir leben gern in Hannover, ich kenne hier viele Leute, bin gut verwurzelt. Deshalb war’s mir wichtig, zurückzukommen und meine Leistung zu bestätigen, und auch an mich zu glauben. Ich bin sehr happy, dass es so gut läuft. Ich bin wieder angekommen, so fühlt sich das für mich an.

Sie sprechen die Zeit an, als Ex-Trainer Kocak Sie trotz Vertrags weggeschickt hat. 96-Chef Kind hat sich auch despektierlich über Sie geäußert – hat er sich dafür entschuldigt?

Ich habe mit Herrn Kind gesprochen. Ich kenne ihn seit 13 Jahren und er kennt mich. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis. Wir haben uns ausgesprochen, für mich war das Thema danach abgehakt. Wir haben uns jetzt auch wieder ein paar Mal in der Kabine gesehen, es ist alles wieder o.k.

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Jürgen Rynio: 1979 bis 1986 (204 Spiele) Zur Galerie
Jürgen Rynio: 1979 bis 1986 (204 Spiele) ©

Sie werden in zwei Wochen 33, ihr Vertrag läuft bis 2023. Können Sie sich vorstellen, zu verlängern?

Es ist alles Spekulation, wie es am Ende kommen wird. Ich kann nur sagen, ich bin happy, hier wieder Fuß gefasst zu haben. Ich spiele unheimlich gern und hoffentlich noch sehr lange für Hannover 96.

Werden Sie auch noch mal mit 96 in der Bundesliga spielen?

Hoffnung, irgendwann noch einmal mit 96 Bundesliga zu spielen ist immer da. Aber aktuell ist das überhaupt nicht unser Thema, da haben wir einen ganz anderen Fokus. Wenn ich jedoch sehe, was Dabro in der kurzen Zeit bewirkt hat und wenn wir mit dieser Überzeugung weiterarbeiten, werden wir das Schiff jetzt erst einmal in die richtige Bahn lenken. Aber das geht nicht von heute auf morgen.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach der Profikarriere?

Noch nichts Konkretes. Ich könnte mir aber vorstellen, im Fußball zu bleiben. Torwarttrainer wäre aber nicht mein Ziel.

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2020/21: In der ersten Runde setzte sich Hannover 96 noch mit 3:2 bei den Würzburger Kickers durch, danach folgte das Aus in Runde zwei. Kurz vor Weihnachten verlor 96 mit 0:3 im eigenen Stadion gegen Werder Bremen.  ©

Sie haben nach dem 0:0 gegen Dresden bei Sky Dabrowski als überragenden Trainer bezeichnet. Ist Ihnen das nur so rausgerutscht?

Er hat als Profi sehr viele Spiele gemacht und weiß, wie eine Kabine funktioniert. Das kommt ihm sehr zugute. Er hat einen guten Draht zur Mannschaft und gibt uns die richtigen Inhalte mit. Immer zwei, drei Punkte, die wir versuchen umzusetzen. Ich möchte ihn aber nicht in den Himmel loben, sondern nur erreichen, dass wir mit dieser Überzeugung und Hingabe weiterarbeiten müssen und die gute Entwicklung in den nächsten Spielen bestätigen.

Besonders gut läuft es im Pokal. Träumen Sie schon vom Finale in Berlin?

Träumen dürfen in erster Linie die Fans. Die Pokalabende wie gegen Gladbach sind aber viel zu selten geworden. Das Finale zu erleben wäre für jeden Sportler ein Traum, aber jetzt müssen wir erstmal schauen, gegen wen wir spielen.

Haben Sie einen Wunschgegner bei der Auslosung am Sonntag?

Ich wünsche mir ein Heimspiel vor vielen Fans, gegen wen, lasse ich offen. Ich stehe ja zum ersten Mal im Viertelfinale, für mich ist das schon ein Teilerfolg.

Beim letzten Pokaltriumph 1992 hat Sievers im Halbfinale auch einen Elfmeter geschossen. Wollen Sie es ihm nachmachen?

Schießen kann ich, hoch und weit (lacht). Wenn ich müsste, würde ich schießen, aber ich würde mich erstmal darauf konzentrieren, welche zu halten. Gegen Dresden habe ich schon ein Elfmeterschießen mit gewonnen.