22. Februar 2022 / 21:08 Uhr

96-Verteidiger Jannik Dehm im Interview: Dabrowski „weiß, was Spieler brauchen“

96-Verteidiger Jannik Dehm im Interview: Dabrowski „weiß, was Spieler brauchen“

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Jannik Dehm freut sich über das Vertrauen von 96-Coach Christoph Dabrowski.
Jannik Dehm freut sich über das Vertrauen von 96-Coach Christoph Dabrowski. © Florian Petrow
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Mit Jannik Dehm in der Dreierkette hat 96 am Sonntag den FC St. Pauli überrascht. Im Interview spricht der Verteidiger unter anderem über diese Rolle, das Wiedersehen mit den Ex-Kollegen aus Kiel, seinen Trainer und den Konkurrenzkampf.

Jannik Dehm, beim Sieg gegen St. Pauli haben Sie ungewohnt in einer Dreier-Abwehrkette verteidigt. Wie war’s für Sie?

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Ich habe das schon mal in Kiel gespielt, und es war auch keine Überraschung, weil wir das vorher so trainiert hatten. Ich habe von Anfang an, als ich hierhergekommen bin, gesagt, dass ich flexibel bin. Ich habe ein paar Minuten gebraucht, um reinzukommen und anfangs war’s ein bisschen schwammig, aber dann haben wir auch als Team ganz gut reingefunden und Selbstvertrauen für das neue System bekommen. Mit dem 1:0 ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Wir haben gemerkt, da geht was - so wie es das Trainerteam versprochen hat.

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Gibt es schon ein Versprechen für das Spiel kam kommenden Freitag gegen ihren Ex-Klub Kiel?

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Das kommt hoffentlich noch. Es ist wichtig, da weiterzumachen. Ein Sieg hilft in der Tabelle nicht viel, deshalb ist es wichtig, gegen Kiel nachzulegen.

Konstanz ist ja das Oberthema für die Mannschaft und auch für Sie persönlich mit dem schwachen Spiel in Heidenheim. Wie bekommt man die rein?

Ich glaube, die Saison spiegelt unsere Entwicklung ganz gut wieder. Wir hatten vor der Saison einen großen Umbruch, das Ganze muss sich neu finden. Wir müssen versuchen uns zu festigen. Konstanz reinzubekommen, das braucht Zeit.

Bilder vom Spiel der 2. Bundesliga zwischen dem FC St. Pauli und Hannover 96

Beim Aufwärmen richten Spieler und Staff von 96 einen besonderen Gruß an ihren verletzten Kollegen Sebastian Ernst. Zur Galerie
Beim Aufwärmen richten Spieler und Staff von 96 einen besonderen Gruß an ihren verletzten Kollegen Sebastian Ernst. ©

Es hätte für die Dreierkette auch andere Optionen gegeben. Spüren Sie das Vertrauen des Trainers?

Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mir das Vertrauen geschenkt hat. Und ich glaube, dass liegt daran, dass er selber Fußballer war. Er weiß, was Spieler brauchen. Er hat dieses zwischenmenschliche Gefühl, das im Fußball sehr wichtig ist. Das ist auch beim Thema Konstanz wichtig. Er vertraut nicht nur mir, sondern auch anderen, auch wenn mal so ein Spiel wie das in Heidenheim dazwischenkommt.

Sie haben mal gesagt, Sie seien ein Typ für Neuanfänge. Ist immer noch Neuanfang?


Davon kann man nicht mehr sprechen. Es ist ein Entwicklungsprozess, mit Höhen und Tiefen. Die Mannschaft ist mittlerweile aber auch durch die guten Pläne des Trainers gefestigt. 

Sie stehen im Konkurrenzkampf mit Sei Muroya, der verletzt war und jetzt zurückkommt. Wie beurteilen Sie die Lage?

Es freut mich, dass Sei wieder da ist. Konkurrenzkampf ist Alltag in dem Geschäft und gut für die Mannschaft. 

Gehen Sie davon aus, dass Sie Freitag wieder spielen dürfen?

Das weiß ich nicht. Ich habe bis auf das Heidenheim-Spiel eine ordentliche Leistung gezeigt und meine Stärken auf den Platz gebracht.

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Überrascht es Sie, dass Kiel unten mit drinhängt?

Man darf nicht vergessen, dass der knapp verpasste Aufstieg sehr an den Jungs gezehrt hat. Sie hatten mental sehr damit zu kämpfen. Aber auch da ist es ein Entwicklungsprozess mit dem neuen Trainer. Es wird für uns keine einfache Aufgabe.

Wie eng ist ihr Draht noch nach Kiel?

Mit einigen Spielern wie Finn Porath und Thomas Dähne habe ich noch fast täglich Kontakt. Wir machen Späße über das Spiel am Freitag. Die Kieler sind nicht unbedingt in einer besseren Position als wir und wollen das Spiel gewinnen. 

Wie erwarten Sie Kiel hier - mitspielend oder tief verteidigend?

Das ist eine Mannschaft, die gern den Ball hat. Aber sie wissen auch um die Brisanz des Spiels. Sie haben das letzte Spiel zu Hause verloren. Da ist der Flow und die Sicherheit raus, die sie zuvor hatten. Das können wir mit dem Sieg gegen Pauli im Rücken nutzen, hoffentlich mit vielen Zuschauern. Das würde uns guttun.

Was macht den Trainer Dabrowski aus - seine Ansprache?

Kommunikation ist extrem wichtig für uns Spieler. Er weiß aus seiner Zeit als Spieler, was uns guttut und was nicht. 

Sie hatten das Glück in Hoffenheim unter Julian Nagelsmann, in Kiel unter Ole Werner und nun unter Dabrowski zu trainieren. Kann man die Trainer vergleichen?

Alle drei leben den Fußball. Wenn man sie an der Seitenlinie sieht, dann ist da Leben. Das ist wichtig und gibt der Mannschaft Halt. Alle drei haben auch eine klare Vision vom Fußball. Sie zeigen klar auf, wie sie spielen möchten. Prinzipien sind ihnen auch wichtig - wie auch die taktische Finesse, sich an den Gegner anpassen zu können, wie bei uns am Sonntag auch mal mit der Dreierkette zu spielen. Es sind fußballschlaue, fußballbegeisterte Trainer, die sich 24/7 um Fußball kümmern.

Der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2021/22 in der 2. Bundesliga

Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

Machen Sie sich Sorgen, dass 96 absteigen könnte?

Nein. Der Trainer zeigt uns auf, dass es ein Prozess mit Höhen und Tiefen ist, den wir zusammen durchstehen müssen. Wenn man die Qualität sieht und beim Sieg am Sonntag auch, wozu die Mannschaft imstande ist, dann mache ich mir darum keine Gedanken. Ich schaue zwar auf die Ergebnisse der anderen Klubs, aber nur, um mir an den Kopf zu fassen, wie ausgeglichen und verrückt die Liga ist.  

Hilft der Mannschaft, dass wieder mehr Fans im Stadion sein dürfen?

In Hamburg waren jetzt ja erstmals wieder mehr Leute im Gästeblock. Das ist für uns sehr wichtig, wenn sich die Euphorie vom Platz auf die Fans überträgt und wir das mitnehmen können. Wir hoffen, dass möglichst viele Zuschauer am Freitag ins Stadion kommen und wir ihnen auch ein ordentliches Ergebnis zurückgeben können.

Wie haben sie sich eingelebt in Hannover?

Ganz gut, meine Freundin kommt nächsten Monat zu mir. Wenn ich frei habe, fahre ich oft in den Süden zu meiner Familie.

Sie haben mit 96-Sportchef Marcus Mann eine Saison bei der zweiten Mannschaft in Hoffenheim zusammengespielt, er war ihr Kapitän. Wie eng ist das Verhältnis jetzt bei 96?

Die Vergangenheit verbindet uns natürlich. Wir unterhalten uns abseits des Platzes schon mal über frühere Mit- oder Gegenspieler, wie deren Wege verlaufen sind. Unser Co-Trainer Kai Hesse ist ja auch einer unseren früheren Gegenspieler. Aber Marcus ist in einer anderen Position. Man kann nicht sagen, dass wir ein besonderes Verhältnis haben im Vergleich zu den anderen Spielern.  

Haben Sie sich noch etwas Besonderes vorgenommen für die Restsaison, vielleicht mal ein Tor zu schießen?

Das wäre schön. Für mich steht aber der Mannschaftserfolg im Vordergrund. Wir sind jetzt auf einem guten Weg und man hat am Sonntag gesehen, zu was die Mannschaft imstande ist. Das wollen wir jetzt konstant weiterführen. 

Sollten Sie mal wieder auf die Bank müssen und Muroya spielt - das würde Sie nicht ärgern?

Das wäre untypisch für einen Profifußballer. Aber ich kann mich nur im Training anbieten, die Entscheidung trifft der Trainer.