20. September 2021 / 10:23 Uhr

Jetzt auch formell ein Chef: Darum war Julian Börner in Kiel der 96-Kapitän

Jetzt auch formell ein Chef: Darum war Julian Börner in Kiel der 96-Kapitän

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Steht ihm: Innenverteidiger Julian Börner trug am Samstag in Kiel die Kapitänsbinde.
Steht ihm: Innenverteidiger Julian Börner trug am Samstag in Kiel die Kapitänsbinde. © IMAGO/Claus Bergmann
Anzeige

Weil Marcel Franke kurzfristig ausfiel, musste in Kiel ein Mitspieler die Kapitänsbinde tragen. Die Wahl von Jan Zimmermann fiel auf Julian Börner. Der gehört zwar nicht zum Mannschaftsrat, aber der 96-Trainer war sich sicher, dass "er am ehesten damit umgehen kann". Nun ist der 30-Jährige auch formell ein Chef.

Die schwarz-weiß-grüne Binde steht dem kräftig gebauten Julian Börner gut. Aber warum Börner? Auf die Frage mussten sich die 96-Fans erst mal einen Reim machen. Der Mannschaftsrat auf der Bank, Kapitän Marcel Franke krank. Dominik Kaiser und Hendrik Weydandt gehörten nicht zur Startelf, Mike Frantz fehlte verletzt, Simon Falette übrigens auch – allerdings für seinen neuen Klub Hatayspor. 96-Trainer Jan Zimmermann musste schnell reagieren, einen Profi aussuchen, der das Team führen kann. Keine einfache Entscheidung, eigentlich.

Anzeige

„An einem Spieltag auf einmal gesagt zu bekommen, die Mannschaft als Kapitän aufs Feld zu führen, kann für den einen oder anderen eine Belastung sein“, weiß Zimmermann.

Mehr über Hannover 96

Sebastian Ernst hätte gewiss ein Kandidat sein können, aber er sollte sich darauf konzentrieren, seinen ersten Treffer zu erzielen. Das gelang ihm. Lukas Hinterseer wäre eine natürliche Autorität, ist aber erst seit zwei Wochen dabei. Weltmeister Ron-Robert Zieler wäre in seiner aktuellen Form ebenfalls infrage gekommen, aber als Torwart oft zu weit vom Geschehen weg gewesen.

Anzeige

Hinzu kommt der entscheidende Punkt. Die Trendwende, erneut sichtbar bei dem 3:0, und die spürbar neue Mentalität der Mannschaft kommen vor allem von den neuen, konstanteren Spielern. Blieb also Börner.

Börner bringt Akzeptanz und Argumente mit

96 meldete am Samstag einen Magen-Darm-Infekt bei Franke. Er konnte jedenfalls nicht spielen. Also gab Zimmermann die Binde an Börner. Bei der Wahl zum Mannschaftsrat am 10. Juli stand die Verpflichtung des 30-Jährigen bereits im Raum. Er stand damals noch nicht auf der Kandidatenliste, schaffte es außerdem nicht rechtzeitig in die Wahlkabine, weil sein Klub ihm nicht freigab.

Inzwischen lieferte Börner viele gewonnene Zweikämpfe, ordentliche (und mutige) Spieleröffnungen, siegreiche Kopfballduelle und dazu passende Körperlänge. Börner bringt jene Leistung, die Zimmermann als Basis brauchte für sein Umschaltmodell für das abgerockte 96 der vergangenen zwei Zweitligajahre. Hinzu kommt die Akzeptanz der Mannschaft für ihrem Interimskapitän.

Der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2021/22 in der 2. Bundesliga

Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

„Da geht’s nicht um Beliebtheit, sondern um den Mehrwert“, erklärte Zimmermann seine Entscheidung. Börner lebe die geforderten Eigenschaften vor. Außerdem hatte Zimmermann das Gefühl, „dass es bei ihm charakterlich passt und er am ehesten damit umgehen kann. Ich war mir sicher, dass er es locker sieht und eher als Auszeichnung für sich wertet.“

Börner war zwischen 2017 und 2019 in Bielefeld bereits Kapitän einer Zweitligamannschaft gewesen. Franke wird die Binde, wenn er sich schnell erholt hat, gewiss zurückbekommen. Die Hierarchie hat sich in der Mannschaft dennoch leicht verändert. Börner gehört nun formell zu den Chefs, auch ohne Ratswahl.