11. August 2021 / 07:11 Uhr

Macht sich 96-Stürmer Weydandt zu viel Druck? "Ist selbst sein größter Kritiker"

Macht sich 96-Stürmer Weydandt zu viel Druck? "Ist selbst sein größter Kritiker"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hendrik Weydandt fiel den Fans auch in Norderstedt mit eher unglücklichen Aktionen auf.
Hendrik Weydandt fiel den Fans auch in Norderstedt mit eher unglücklichen Aktionen auf. © Florian Petrow
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Auch in Norderstedt ist Hendrik Weydandt wieder mit eher unglücklichen Aktionen aufgefallen. 96-Coach Jan Zimmermann nimmt den Stürmer in Schutz: "Es sieht ein bisschen unrund bei ihm aus, weil er sich selbst unter Druck setzt." Zu sehr? "Er ist selbst sein größter Kritiker".

Bei 96 wird außergewöhnlich viel mit links geschossen. Neun Linksfüße stehen bei 96-Trainer Jan Zimmermann im Ka­der. Stürmer Hendrik Weydandt gehört nicht dazu, seinen schönen Trainingstreffer machte er am Dienstag dennoch mit links. Allgemein geht dem Angreifer seit einiger Zeit nichts mehr leicht von der Hand. Zimmermann, sein Förderer vor einigen Jahren in Egestorf und aktueller Trainer, verspricht: „Er hat seine Stärken und wird sie für uns wieder zeigen, davon bin ich überzeugt.“

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Der Zeitpunkt, wann Weydandts Zauber zu verfliegen begann, lässt sich relativ einfach bestimmen. Vor 13 Mo­na­ten verlängerte 96 mit dem Stürmer den Vertrag bis 2023, mit einem Jahresverdienst von knapp 700 000 Euro. Sein Engagement, seine hannoversche Identität, seine Tore und An­ge­bo­te aus der Bundesliga hatten den Preis für 96 nach oben getrieben. Weydandt wirkte zunächst weder satt noch zufrieden, im Oktober war er noch einer der Derbyhelden beim 4:1 gegen Braun­schweig.

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Es folgten aber nur drei weitere Treffer in der vergangenen Saison. Je länger sein persönlicher Erfolg ausblieb, desto seltener wurden Einsätze und umso heftiger wurde die Kritik, Weydandt sei als ehemaliger Kreisliga-Stürmer technisch eben doch nicht gut genug ausgebildet. „Henne wird von außen ex­trem darauf reduziert“, weiß Zimmermann, „es gibt auch andere Spielertypen, die nicht die absolut begnadetsten Techniker sind, die sind in der Bundesliga Torschützenkönig geworden.“ Mario Gomez etwa war einst so ein Typ.

Weydandt setzt sich selbst unter Druck

2014 hatte der 96-Trainer den Kreisliga-Stürmer aus Groß Munzel in Egestorf be­kom­men. In der ersten Oberliga-Saison gab Zimmermann ihm nur zwei Startelfeinsätze. In der Saison war übrigens Alexander Meier (Frankfurt) Torschützenkönig in der Bundesliga. 2018 erzielte Weydandt in 108 Einsätzen unter Zimmermann 46 Tore. Danach war der Stürmer bereit für den märchenhaften Aufstieg bei 96.

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In der Mannschaft blieb Weydandt trotz seiner mäßigen vergangenen Saison eine anerkannte Größe, die Mannschaft wählte ihn in den Rat. Die Anerkennung von außen ließ zwar nach, aber nicht die seines Trainers. „Ich sehe Henne nicht so kritisch wie ihr“, betont Zimmermann, „und auch nicht so kritisch, wie er sich selbst sieht.“

An dieser Stelle lokalisiert der Trainer ein Problem des studierten Stürmers. Weydandt grübelt viel, nicht nur über Geld oder „verdeckte Gewinnausschüttungen in Konzernausschüttungen“. So lautete der Titel seiner Bachelor-Arbeit. Weydandt, sagt Zimmermann, „ist selbst sein größter Kritiker. Es sieht ein bisschen unrund aus bei ihm, weil er sich selbst unter Druck setzt.“

Hendrik Weydandts Fußballkarriere in Bildern:

Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. Zur Galerie
Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. ©

Im Pokalspiel in Norderstedt gab er den Kritikern erneut Argumente. Er kam für Marvin Ducksch (68. Mi­nu­te), strahlte aber nicht an­nä­hernd die Torgefahr des zu­vor zweimaligen Torschützen aus.

„Er hat gegen Norderstedt unglückliche Situationen gehabt“, weiß auch Zim­mer­mann, „aber er hat al­le seine Zweikämpfe ge­won­nen.“ Der Trainer ar­bei­tet mit Weydandt daran, „die Stärken, die er hat, hervorzuheben. Ich weiß, was er kann – und was er nicht kann.“

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