08. März 2021 / 13:40 Uhr

Talent wiederentdeckt: Sorgt Philipp Ochs bei 96 für mehr Gefahr aus dem Mittelfeld?

Talent wiederentdeckt: Sorgt Philipp Ochs bei 96 für mehr Gefahr aus dem Mittelfeld?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Philipp Ochs weiß, wo das gegnerische Tor steht - in Aue stellte er das mal wieder unter Beweis.
Philipp Ochs weiß, wo das gegnerische Tor steht - in Aue stellte er das mal wieder unter Beweis. © IMAGO/Eibner
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Viel Einsatzzeit hat Philipp Ochs seit seinem Wechsel zu 96 noch nicht bekommen. Mit seinem Treffer in Aue hat der 23-Jährige (wieder) auf sich aufmerksam gemacht. Er könnte für das erhoffte Mehr an Torgefahr aus dem Mittelfeld sorgen, schließlich brachte er es aufgrund dieses Talents zum Jugendnationalspieler.

Der Musterschüler des Trainers ist so etwas wie der Klassensprecher für die jungen Spieler bei 96. Aber was hat Philipp Ochs bisher davon gehabt? Der 23-Jährige bringt es auf fünf Startelfeinsätze, seit er im Frühjahr 2020 nach Hannover gekommen ist. 35-mal gehörte er zum Kader, bekam nur kurze oder gar keine Spielzeiten. Nun, in Aue, zog er ab zum 1:0. Ein Klasseschuss, ein Fingerzeig nach oben nach einem Treffer, der vom Himmel zu fallen schien. Ein Wunder war dies nicht: Wegen seiner Torgefahr wurde Ochs nämlich mal Juniorennationalspieler.

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Darauf hätte man kommen können, gerade in Hannover. Ochs gehörte 2014 neben dem Leverkusen-Star Nadiem Amiri zu jener Hoffenheimer Julian-Nagelsmann-Horde, die 96 die Chance zum deutschen Meistertitel nahm. Amiri traf zweimal beim 5:0 im U19-Finale in der HDI-Arena, Ochs als Linksaußen einmal. Aufseiten der Roten spielten damals unter anderem Waldemar Anton und Noah Sarenren Bazee.

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Ochs durchlief von der U15 bis zur U19 alle Jugendnationalmannschaften. 24 Tore schoss er in 59 Länderspielen als Angreifer. Er stürmte links, rechts und in der Mitte. In seiner Profizeit rutschte der gebürtige Wertheimer (bei Würzburg) immer weiter nach hinten. Schuld daran: Nagelsmann.

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Ein verlässlicher Einwechselspieler

Der Startrainer schulte Ochs in der Profimannschaft zum Linksverteidiger um. Den Defensivposten bewachte er in seinen Leihstadien Bochum und Aalborg/Dänemark. Ihn könne ein Trainer fast überall gebrauchen, auch defensiv, hieß es.

Seine Karriere hat dies nicht nach vorne gebracht. Ochs war, wie bei 96, häufig Ersatz, zuletzt mal Backup für Linksverteidiger Niklas Hult oder ein verlässlicher Einwechselspieler für den Fall, dass Kocak einen verlässlichen Faktor brauchte. „Er ist sehr fleißig, sehr zuverlässig, taktisch sehr diszipliniert“, sagt der Trainer.

Sein zweiter 96-Treffer dürfte ihn weiter voranbringen als jedes Fleißkärtchen. Mit seinem starken linken Huf belohnte sich Ochs. Er ist der Typ Streber im positiven Sinn, der in seiner Freizeit mit einem persönlichen Trainer Extraschichten schiebt, statt Partys zu feiern.

Die Bilder zum Auswärtsspiel von Hannover 96 beim GC Erzgebirge Aue:

 96-Torschütze Philipp Ochs zieht ab und trifft aus der Distanz zum 1:0. Zur Galerie
96-Torschütze Philipp Ochs zieht ab und trifft aus der Distanz zum 1:0. ©

Die Geduld lohnt sich. Kocak war nach dem Aue-Spiel „zufrieden mit ihm, er hat ein schönes Tor gemacht“. Wenn 96 sich sehnt nach Toren aus dem Mittelfeld, Ochs könnte sie wohl häufiger liefern. Der frühere Hoffenheimer spielt zielstrebig, bereits gegen Fürth hatte er Torschüsse vorbereitet, aus denen 96 Treffer hätte machen müssen.

Und was sagt der Klassensprecher selbst? „Ich habe gesehen, dass ich schießen kann, und ich habe geschossen.“ Ganz schlicht. So einfach wie das Geheimnis seiner Geduld nach so vielen Spieltagen auf der Ersatzbank. Ochs holt sich Kraft in der Familie. Dazu gehört bald auch ein Baby. Seine Frau Celina erwartet eine Tochter.