27. Dezember 2021 / 09:21 Uhr

96-Stürmer Sulejmani spricht offen über Corona-Erkrankung: "Das war nicht clever"

96-Stürmer Sulejmani spricht offen über Corona-Erkrankung: "Das war nicht clever"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Valmir Sulejmani erinnert sich ungern an seine Corona-Erkrankung.
Valmir Sulejmani erinnert sich ungern an seine Corona-Erkrankung. © Florian Petrow
Anzeige

Im September erwischte es Valmir Sulejmani: Corona. Mit dem SPORTBUZZER hat der 96-Stürmer offen über seine Erkrankung gesprochen - und auch darüber, warum er nicht geimpft ist. Er habe das Gefühl gehabt, "keine Zeit zu haben. Das war nicht clever."

Verflixt. Das war kein gutes Jahr für Valmir Sulejmani. Der 96-Stürmer ärgert sich – über sich selbst. Nicht, weil er kaum spielte, weil es im Klub nicht läuft, er nach 15 Jahren bei Hannover 96 in diesem Winter vielleicht sollte oder müsste.

Anzeige

Sein Thema ist die Corona-Erkrankung, die ihn am 13. September erwischte. Der Verlauf? Schwer für einen Profi wie ihn. Der 25-Jährige war ungeimpft, aber kein Leugner, kein Gegner oder Zweifler am Impfen wie Jo­shua Kimmich. Er habe das Gefühl gehabt, „keine Zeit zu haben“. Nun bereut er sein Corona-Eigentor.

Mehr über Hannover 96

Im Sommer, sagt er, wollte er sich impfen lassen. Er zählt auf, was dazwischenkam: Nationalmannschaft im Sommer, Vorbereitungscamp mit der Agentur, der Trainingsbeginn, der Kampf um Einsätze. Kollegen hatten erzählt, er müsste nach einer Impfung ein paar Tage aussetzen. Dies schreckte ihn ab.

Anzeige

Seine Schwestern arbeiten im medizinischen Bereich und redeten ihm ins Gewissen: „Sie haben ständig gesagt, ich soll mich impfen lassen.“ Tat er nicht: „Hätte ich es mal gemacht.“

"Ein Wahnsinn, einfach heftig"

Sulejmani wohnt in Gailhof in der Wedemark bei der Familie in einem Raum, der früher sein Kinderzimmer war. Am 10. September, dem Tag vor dem Heimspiel gegen St. Pauli, war sein Test positiv. Am 13. September erwischte ihn die Krankheit mit Wucht: Fieber, Schüttelfrost, Geschmacksverlust. „Dann die Atemnot“, sagt er, „du stehst auf, willst nach Luft schnappen. Es kommt nichts durch, ein Wahnsinn, einfach heftig.“

Er probierte zu essen, hielt sich die Augen zu, versuchte, Cola zu schmecken: „Nichts, gar nichts.“ Dazu kam die Angst. Würde er gesund werden, arbeiten können? Er habe an nichts anderes denken können.

Top-Torschützen in Bildern: die 50 erfolgreichsten Torjäger in der Geschichte von Hannover 96 (Stand: 9. Oktober 2021)

Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. Zur Galerie
Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. ©

Sein Vater zog eine Trennungsfolie durchs Haus, eine Co­ro­na-Zo­ne mit Bad und Valmirs Zimmer auf der einen und der freien Zone auf der anderen Seite. „Si­cher ist sicher“, sagt Su­lej­ma­ni. Die Plane ist weg, die Erkrankung auch. Er blieb bisher von Long Covid verschont – fiel aber einige Wochen im Job aus. 96-Internist Jan Meywirth checkt ihn regelmäßig.

Sulejmanis Fall brachte andere zum Impfen, „Freunde, die skeptisch waren“, sagt er: „Krass, Es muss erst mal was passieren, damit die Leute wach werden.“ Bei Sulejmani ist auch etwas passiert, bezüglich seiner Einstellung. „Ich bin so ge­strickt“, sagt er, „ich bin ehrgeizig, will nie fehlen. Das kommt aus der Familie, vom Opa und meinem Papa. Ar­beit, Arbeit, Arbeit, das ha­ben sie mir mitgegeben.“ Sein Opa gilt als sein Mentor. Der habe als Garten- und Landschaftsbauer „in Mellendorf bei uns im Dorf jeden Pflasterstein ge­legt“.

Winterwechsel ein Thema für Sulejmani?

Nun, sagt er, will er sich als Genesener impfen lassen, „damit ich auch die Leute um mich herum schützen kann – dann fehle ich halt mal ein paar Tage“. Die Impfung im Sommer vor lauter Ehrgeiz vor sich her zu schieben, „das war nicht clever“, gibt er zu.


Gebracht hat es ihm sportlich außerdem nicht viel. Weder bei der Nationalmannschaft des Kosovo noch bei 96 schaffte er es als Stürmer in die Startelf. Ob er deshalb im Winter wechselt, nach Berlin vielleicht, oder zu Ex-Klub Mannheim oder nach Sandhausen, bleibt offen. Oder ob er mit Trainer Christoph Dabrowski spricht? Ob 96 ein Plätzchen als zweite Sturmspitze frei hätte? Das sei ein anderes Thema, sagt Sulejmani.