27. Juni 2021 / 21:49 Uhr

"Harter Brocken": Aber Wolfsburgs Steffen traut seinen Schweizern den Weltmeister-K.o. zu

"Harter Brocken": Aber Wolfsburgs Steffen traut seinen Schweizern den Weltmeister-K.o. zu

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Hofft aufs Weiterkommen der Schweizer: VfLer Renato Steffen traut seinen Kollegen den Achtelfinal-Sieg gegen Frankreich zu.
Hofft aufs Weiterkommen der Schweizer: VfLer Renato Steffen traut seinen Kollegen den Achtelfinal-Sieg gegen Frankreich zu. © imago/DeFodi
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Im EM-Achtelfinale bekommt es die Schweiz am Montag als klarer Außenseiter mit Weltmeister Frankreich zu tun. Dennoch traut Renato Steffen vom VfL Wolfsburg seinen Eidgenossen das Weiterkommen zu.

Es ist eine Mammutaufgabe, die die Schweiz nun bei der EM zu bewältigen hat. Am Montag (21 Uhr) bekommen es die Eidgenossen im Achtelfinale mit keinem Geringeren als Weltmeister Frankreich zu tun. Die Mannschaft von Trainer Vladimir Petkovic ist klarer Außenseiter, doch VfL-Profi Renato Steffen traut seinen Vereinskollegen Kevin Mbabu, Admir Mehmedi und Co. die ganz große Überraschung zu. Und das, obwohl der Außenbahner des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten, der das Turnier verletzungsbedingt verpasst, von den bisherigen Leistungen nicht so überzeugt war.

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1:1 gegen Wales, 0:3 gegen Italien, 3:1 gegen die Türkei - die EM-Auftritte der schweizerischen Nationalmannschaft waren bisher durchwachsen. "Ich habe die Schweiz gemischt erlebt und nicht so, wie ich sie kenne. Dass sie dem Spiel ihren Stempel aufdrücken, das habe ich etwas vermisst", sagt Steffen ehrlich. Aber der Sieg zuletzt sei für ihn "ein Schritt in die richtige Richtung" gewesen, auch wenn man das Spiel gegen die enttäuschenden Türken richtig einschätzen müsse. "Aber es hat das Selbstbewusstsein gestärkt." Und nicht nur das: Der Sieg brachte den Achtelfinal-Einzug - als einer der vier besten Gruppen-Dritten schaffte die Schweiz mit vier Zählern den Sprung in die K.o.-Phase.

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Und dort wartet nun der Weltmeister. "Jetzt kommt ein harter Brocken", weiß Steffen, sagt aber auch: "Wenn wir unsere Leistung zeigen, denke ich schon, dass wir gegen Frankreich eine Chance haben." Denn auch die Franzosen haben sich in Deutschland-Gruppe F schwergetan, mit fünf Zählern ging es für sie als Erstplatzierte in die K.o.-Runde. Aber da soll nun Endstation sein. Damit das so kommt, muss beim Außenseiter alles zusammenpassen. "Wenn wir als Schweiz erfolgreich sein wollen, dann muss jeder an die Schmerzgrenze gehen und den Spirit, den man beispielsweise bei Italien sieht, auf dem Platz zeigen. Dann sind wir richtig unangenehm." Das Team müsse "das ganze Spiel über als Kollektiv Druck auf die Gegenspieler machen. Es wird schwer, aber wenn wir passiv agieren, kann es gegen Frankreich gefährlich werden."

Steffen selbst wäre normalerweise auch mit dabei gewesen, hätte seiner Mannschaft helfen können. Doch eine Bandverletzung im linken Sprunggelenk, die er sich Mitte März beim 1:2 bei 1899 Hoffenheim in einem Zweikampf mit Ryan Sessegnon zugezogen hatte, bremste ihn. Inzwischen geht es seinem Fuß aber wieder gut. "Es ist zwar so, dass ich bei gewissen Bewegungen noch etwas spüre, aber das ist normal. Deswegen bin ich völlig entspannt." Und es sieht gut aus, dass Steffen schon beim Trainingsstart am 1. Juli zumindest wieder Teile des Mannschaftstrainings mitmachen kann. Ob es klappt, entscheidet sich kurzfristig. Abhängig ist das auch davon, wie die Leistungstests Anfang der Woche verlaufen.

Am Freitag hat Steffen das erste Mal wieder individuell trainiert - und dabei gleich Neu-Trainer Mark van Bommel kennengelernt. "Wir haben uns kurz gesehen", erzählt Wolfsburgs Nummer 8. "Er ist bei meinem Training vorbeigekommen, wir haben uns kurz ausgetauscht. Es war eine gute erste Begegnung." Nun freue er sich "extrem, wieder anzufangen. Es ist immer etwas Neues, aber auch Schönes, wenn ein neuer Trainer da ist. Es gibt neue Inputs, andere Trainings." Steffen rechnet mit harten, intensiven Wochen bis zur ersten Pokal-Runde (Auslosung am 4. Juli) am ersten August-Wochenende. Eine Woche später, am 14./15.August, startet der VfL in der Liga gegen Zweitliga-Meister und Aufsteiger VfL Bochum.

Steffen ist froh, dass es anders als in der vergangenen Saison diesmal wieder eine geregelte Vorbereitung gibt. "Das ist besonders für mich wichtig, weil ich nicht auf demselben Stand sein werde wie die anderen." Die Zeit will er nutzen, sich auch bei van Bommel in den Blickpunkt zu spielen. "Beim Trainerwechsel fängt alles bei null an. Egal, ob man gespielt hat oder nicht, du musst jeden Tag deine Leistung abrufen", weiß Steffen, der sich für die kommende Saison einiges vorgenommen hat: "Ich hätte schon gern zweistellige Scorerpunkte." In der abgelaufenen Spielzeit waren ihm fünf Tore und vier Vorlagen gelungen.