04. August 2021 / 10:40 Uhr

Heiko Scholz vor Lok Leipzigs Pokal-Kracher: "Vielleicht eine klitzekleine Chance"

Heiko Scholz vor Lok Leipzigs Pokal-Kracher: "Vielleicht eine klitzekleine Chance"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Heiko Scholz 2
Heiko Scholz mit perfekter Schusshaltung im Pokalspiel gegen den FC Karl-Marx-Stadt. Scholz hat mit dem Gewinn des FDGB-Pokals mit Lok und des DFB-Pokals mit Bayer Leverkusen ein einmaliges Double geschafft. © imago/Montage
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Am Samstag empfängt der 1. FC Lok Leipzig im DFB-Pokal Erstligist Bayer Leverkusen. Heiko Scholz holte einst den Pott in Ost und West und blickt nun auf die Begegnung seiner beiden Ex-Vereine.

Leipzig. Es gibt nur wenige Fußballspieler, die für die DDR und das wiedervereinte Deutschland gegen den Ball getreten haben. Und es gibt noch weniger Ex-Nationalspieler, die noch dazu den FDGB-Pokal und den DFB-Pokal gestemmt haben. Der Görlitzer Heiko Scholz ist einer davon.

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Scholz, 55, gehört zum von Alexander Schmidt, 52, geleiteten Trainerteam von Dynamo Dresden, hat mit dem Zweitliga-Aufsteiger einen glänzenden Saisonstart hingelegt (vier Punkte aus zwei Spielen) und würde mit seinen Dynamos schrecklich gerne die zweite Runde im DFB-Pokal erreichen. Dazu müsste Liga-Konkurrent SC Paderborn am Freitag im Rudolf-Harbig-Stadion geschlagen werden (Anpfiff 20.45 Uhr). „Flutlicht, Pokal, 15.000 Fans – was willst du mehr?“, fragt der Weitgereiste und schreitet selbst zur Beantwortung: „Weiterkommen!“

Heiko Scholz Co-Trainer Dynamo
Heiko Scholz ist derzeit Co-Trainer bei Dynamo Dresden. © PICTURE POINT

Scholz hat in Sachen Pokal etwas zu erzählen, hielt beide Pötte in Händen. Am 13. Juni 1987 gewann der 1. FC Lok Leipzig im Finale im Stadion der Weltjugend (wurde 1992 abgerissen) 4:1 gegen Hansa Rostock. Dieter Kühn (2), Olaf Marschall und Hans Leitzke trafen vor 47.000 Zuschauern. Mittendrin im gut abgehangenen Team um René Müller, Frank Baum und Co.: Der 21-jährige Mittelfeld-Renner Heiko Scholz. „Ich konnte viel und schnell laufen.“ Und kicken konnte er auch. Scholz spielte von 1986 bis 1990 beim 1. FC Lok, wurde danach für zwei Jahre ein Dynamo, ehe er einen Vertrag bei Bayer Leverkusen unterschrieb. „Scholles“ Highlight bei Bayer: Der 1:0-Sieg im DFB-Pokal-Endspiel gegen die U23 von Hertha BSC am 12. Juni 1993. Torschütze im Berliner Olympiastadion? „Ulf Kirsten, wer sonst?“

Scholz: "Lok kannten alle in Europa"

Nun fügt es sich, dass Scholzens Exen aus Leipzig und Leverkusen die Klingen kreuzen. Im DFB-Pokal. Am Sonnabend um 15.30 Uhr im Bruno-Plache-Stadion. Regionalligist empfängt Champions-League-Anwärter. Geht da was für Lok, Herr Scholz? „Eigentlich nicht, aber wenn alles zusammenkommt, ist da vielleicht eine klitzekleine Chance“, sagt der Mann, der Lok von 2013 bis 2018 trainiert und den so wichtigen Unterstützer Franz-Josef Wernze für Lok gewonnen hat. Scholz-Zutaten zur Pokal-Sensation: „Eigene Top-Leistung, ein super Torwart, Glück, ein guter Schiri und eine Bayer-Mannschaft, die einen gebrauchten Tag erwischt.“ Nicht zu vergessen: Ein gut gefülltes Plache-Stadion. Da müsse zuschauer- und stimmungstechnisch mehr kommen als gegen den BFC und Jena, so Scholz. Sein früherer Lok-Kollege Torsten Kracht, 53, bekanntermaßen Sportchef bei Lok, setzt trotz Urlaubszeit und personalisierter Tickets auf ein ausverkauftes Haus mit über 6000 Fans. „Die werden sich dieses Spiel nicht entgehen lassen.“

Heiko Scholz gehörte übrigens auch jenem Bayer-Team an, dass am letzten Spieltag der Saison 1993/1994 beim VfB Leipzig gewann und noch in den Uefa-Cup rutschte. Beim Leverkusener 3:2-Sieg am 7. Mai 1994 trafen Alexander Opoku und Frank Edmond für den feststehenden Absteiger VfB. Torschützen für Bernd Schuster, Scholz und Kollegen: Dieter Hecking (Eigentor), Paulo Sergio und – wer sonst? – Ulf Kirsten.

Sein Interesse am Leipziger Verein war bei Heiko Scholz zu dieser Zeit unterkühlt. „Ich habe nie verstanden, weshalb man den 1. FC Lok 1991 in VfB umgetauft hat. Lok kannten alle in Europa, das mit dem VfB war 100 Jahre her.“ Der VfB Leipzig wurde 1903 erster Deutscher Meister.