02. Oktober 2021 / 10:02 Uhr

Michael Rummenigge: Warum Trainer Pal Dardai noch im Amt ist und was bei Hertha sonst noch schief läuft

Michael Rummenigge: Warum Trainer Pal Dardai noch im Amt ist und was bei Hertha sonst noch schief läuft

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Pal Dardai ist seit Januar zum zweiten Mal Cheftrainer von Hertha BSC
Pal Dardai ist seit Januar zum zweiten Mal Cheftrainer von Hertha BSC © IMAGO images/UwexKoch/Eibner-Pressefotox (Montage)
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge beleuchtet die Lage bei Hertha BSC und benennt die zahlreichen Baustellen des Hauptstadtklubs. Nach Ansicht des Ex-Nationalspielers ist Trainer Pal Dardai der falsche Mann, doch nicht der einzige Grund für die Misere.

Beim Blick auf Hertha BSC muss ich an den Berliner Flughafen denken: Beides sind Dauerbaustellen und es wird regelmäßig abgefertigt. Flüge auf dem Airport, die Fußball-Mannschaft auf dem Feld. 0:5 beim FC Bayern, 0:6 bei RB Leipzig, dazwischen gab es die beiden bisher einzigen Siege gegen die Aufsteiger VfL Bochum und SpVgg Greuther Fürth. In der Bundesliga-Tabelle bedeutet das nach sechs Spieltagen einen Platz im Mittelmaß – und für mehr wird es auch in dieser Saison nicht reichen. Es braucht Aufbruch, Erneuerung, Innovation. Dafür ist der eher altbackene Trainer Pal Dardai einfach nicht der richtige Mann.

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Der neue Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic hätte sich schon im Sommer von dem Ungarn trennen müssen. Dardais Quasi-Rücktritt nach der Klatsche gegen die Bayern hätte für mich dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Aber er ist immer noch im Amt. Meiner Ansicht nach kann es dafür nur einen Grunde geben: Der Trainermarkt ist derzeit weitgehend leer, ein Nachfolger nicht so leicht zu finden. Manch einer mag jetzt vielleicht Florian Kohfeldt nennen, aber ganz ehrlich: Bäume hat er bei Werder Bremen auch nicht ausgerissen und ist mit dem Klub am Ende sogar abgestiegen.

Apropos Werder: Hertha erinnert mich an die Bremer. Oder den HSV. Oder Schalke 04. Für alle drei Vereine endete ein schleichender Niedergang in der 2. Liga. Ich würde die Berliner in dieser Saison zwar noch nicht zu den Abstiegskandidaten zählen, aber sie sollten aufpassen, dass sich nicht in einen noch stärkeren Abwärtssog geraten. Unruhe gibt es schließlich schon genug. Die sportliche Lage ist brenzlig, Lars Windhorst dürfte nach seinem 375-Millionen-Euro-Invest zunehmend unruhig werden, der Blick auf manche Teile des Kaders führt bei mir zu kaltem Grausen. Hinzu kommt eine verheerende Darstellung in der Öffentlichkeit.

Man denke nur an den Deadline Day. In den Sozialen Netzwerken wurde den Fans Hoffnung auf eine große Transferoffensive gemacht. Es kam genau ein Spieler: Myziane Maolida aus Nizza. Dabei hatte man mit Bobic eigentlich auf mehr gehofft. Aber man kann von dem neuen Manager auch keine blitzschnellen Wunderdinge erwarten, dafür ist bei Hertha in den vergangenen Jahren zu viel passiert. Der Manager muss im Verein dringend aufräumen und in den kommenden Wechselfenstern seine aus Frankfurt bekannte Spürnase aktivieren. Sonst wird Union Berlin auf Jahre der Hauptstadt-Klub Nummer eins bleiben.