25. Februar 2022 / 19:17 Uhr

Hitzlsperger "Lame Duck", Zweifel an Mislintat: Beim VfB Stuttgart gilt das Prinzip Hoffnung

Hitzlsperger "Lame Duck", Zweifel an Mislintat: Beim VfB Stuttgart gilt das Prinzip Hoffnung

Oliver Trust
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der VfB Stuttgart erlebt einen bedenklichen Absturz.
Der VfB Stuttgart erlebt einen bedenklichen Absturz. © IMAGO/Sportfoto Rudel
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Dem VfB Stuttgart droht nach 2016 und 2019 der nächste Abstieg aus der Bundesliga. Der VfB erlebt einen bedenklichen Absturz. Noch ist die sportliche Leitung unumstritten.

Pellegrino Matarazzo ist kein gutes Beispiel, um die Stimmungslage rund um den VfB Stuttgart zu dokumentieren. Der wäre vor dem Nachbarschaftsduell bei der TSG Hoffenheim am Freitag (20.30 Uhr, DAZN) eher ein Kandidat für den Titel "entspanntester Trainer der Welt". Alles andere entspräche nicht dem ausgeglichenen Naturell des 44-Jährigen Italo­amerikaners. Viele Optimisten in Stuttgart scheinen sich daran festzuhalten und Rang 17 in der Bundesliga auszublenden. Oder auch an Sportdirektor Sven Mislintat, dem starken Mann beim VfB.

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Erst neulich hat Mislintat sich und den Trainer zur Schicksalsgemeinschaft erklärt. Das Duo gehe zur Not zusammen in die 2. Bundesliga. Das ist jedoch kaum vorstellbar angesichts des Zustandes des deutschen Meisters von 2007, der seit dem Titelgewinn einen bedenklichen Absturz erlebt. Jetzt droht der dritte Abstieg nach 2016 und 2019 und ist Ausdruck einer gelebten Selbstüberschätzung.

Hitzlsperger ist "lame duck" und soll sich vor Entscheidungen drücken

Thomas Hitzlsperger darf in dieser Situation vernachlässigt werden. Der ist seit 2019 Vorstandsvorsitzender und gilt seit seiner Ankündigung, seinen Vertrag nicht zu verlängern, als "Lame Duck". Der Ex-Geschäftsführer des 1. FC Köln, Alexander Wehrle, wird sein Nachfolger. Hitzlsperger erklärte am Donnerstag, der Finanzchef der Kölner werde "in der nächsten Länderspielpause, also Ende März, hier beginnen". Schon zuvor hatte der Ex-Nationalspieler alles in Mislintats Hände gelegt. Sein kolportierter Leitspruch spräche Bände. "Mach du", soll Hitzlsperger am liebsten sagen und sich vor Entscheidungen drücken.

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Mislintats "Alleinherrschaft" ist nichts Neues bei den Schwaben und deutet auf ein seit Jahren bestehendes strukturelles Problem hin. Eine gesunde Debattenkultur oder ein solides Controlling, das gab es beim VfB praktisch nie. Wer am Ruder war, durfte nach Belieben wursteln. Bei seiner ersten Station als Verantwortlicher Sportdirektor drehte Mislintat den Klub auf links. Aus dem erfolgreichen Ausbildungsklub machte er einen Import-Export-Klub. Die Strategie, in Dutzendpacks junge Talente einzukaufen, fällt dem VfB nun auf die Füße. Die eigene Jugendarbeit und damit ein Stück weit die Identifikation, wurden vernachlässigt.

Mancher zweifelt nun an Mislintats Fähigkeit, einen ausgeglichenen Kader zusammenstellen zu können. Bisher lebte der nach seinem Einstieg im Frühjahr 2019 vom Ruf des Talentschnüfflers, erworben in Dortmund, wo er als "Diamantauge" galt. In Westfalen kam es am Ende trotz der Fähigkeiten von Mislintat zu einer geräuschvollen Trennung. Ein ähnliches Szenario spielte sich bei Arsenal ab.

Hoffnung auf Aufschwung könnte trügerisch sein

Gelingt der Klassenerhalt nicht, scheint ein unkontrollierter Absturz des finanziell angeschlagenen VfB kaum zu vermeiden. Vielen der weit über 300 Mitarbeitern droht die Entlassung. Zudem kann der VfB die Stadionmiete kaum schultern. Da das Stadion für die EM 2024 weiter ausgebaut wird, muss die Stadt mit öffentlichen Geldern einspringen.

Bisher verkauft Mislintat einen möglichen Abstieg als schmerzhaften, aber tragbaren Rückschritt. Man werde das Konzept fortsetzen und einfach wieder aufsteigen. Und noch hoffen die Stuttgarter unbeirrt auf einen Aufschwung in den letzten Spielen. Eine Hoffnung, die am Ende trügerisch kein könnte.