23. Juli 2021 / 19:26 Uhr

"Wir haben nicht viel, aber wir haben Manpower": Amateurklubs helfen nach der Hochwasserkatastrophe

"Wir haben nicht viel, aber wir haben Manpower": Amateurklubs helfen nach der Hochwasserkatastrophe

Philipp von Wedelstedt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Kickers Westerwald verteilen gesammelte Sachspenden
Die Kickers Westerwald verteilen gesammelte Sachspenden © Kickers Westerwald
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In Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz hat die Flutkatastrophe verheerende Schäden angerichtet. Die Amateurfußballer der Gemeinden zögerten nicht lange und boten Hilfe an, wo sie nur konnten. Auch deutschlandweit ist die Hilfsbereitschaft groß.

Dieser Artikel ist Teil des Aktionsbündnis #GABFAF. Mehr Informationen auf gabfaf.de.

"Wir wussten direkt, wir wollen unbedingt helfen", sagt Maximilian Kulesza vom VfB Hilden aus Nordrhein-Westfalen. Am Sonntag nach dem Hochwasser stand er mit anderen Vereinsmitgliedern auf dem Nove-Mesto-Platz, um die Keller vom Wasser und vom Sperrmüll zu befreien. "Auch wenn wir nicht viel anbieten können, Manpower haben wir genügend" sagt der VfB-Vorsitzende. Er bot dem Bürgermeister und der örtlichen Feuerwehr die Hilfe des Vereins an. 24 Stunden später waren die Helfer vor Ort und packten mit an. Neben der körperlichen Unterstützung sorgte der Verein auch für die Verpflegung der rund 150 Helfer.

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Zahlreiche Vereine helfen bei Aufräumarbeiten

Auch für den VfL Hillesheim war sofort klar, dass man den Betroffenen in der Gemeinde helfen will. Kurzerhand erstellte man eine Whatsapp-Gruppe und bewarb diese im Netz. Hier konnten sich alle Hilfsbereiten melden, egal ob Vereinsmitglied oder nicht. Ein voller Erfolg, wie der Verein bekannt gab: "Viele fleißige Helfer der SG haben sich gefunden, um als Aufräumtrupp Hilfe in der Not zu leisten."

Koblenzer Regionalliga-Kicker packen an

Die Kicker vom Regionalligisten Rot-Weiß Koblenz fuhren geschlossen als Mannschaft nach Kreuzberg an der Ahr, wo die Wassermengen besonders viel Zerstörung anrichteten. Einen halben Tag lang entrümpelten die Spieler Keller, Garagen und sogar ganze Wohnungen. Ein bewegendes Erlebnis für die Koblenzer Jungs, die auch gerne noch mehr geholfen hätten, wie Trainer Heiner Backhaus berichtet: "Ich hatte das Gefühl, dass unsere Jungs am liebsten erst nach Hause gefahren wären, wenn alles wieder aufgeräumt und aufgebaut ist. Aber das wird Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern."

Vereine sammeln fleißig Geld- und Sachspenden

Neben der Unterstützung vor Ort richtete Rot-Weiß Koblenz ein Spendenkonto ein und rief die Fans zur Unterstützung auf. Außerdem vereinbarte der Klub mit dem SV Eintracht Trier, alle Einnahmen aus dem gemeinsamen Rheinlandpokal-Viertelfinale zu spenden.

Für eine gemeinsame Aktion entschied man sich auch bei den Kickers Westerwald und Eintracht Windhagen, die ihr geplantes Testspiel kurzerhand zum Benefizspiel erklärten. "Die Bilder aus den betroffenen Gebieten haben uns im Rheinland auch schwer getroffen. Einige von uns haben Familie dort. Somit war schnell klar, dass wir als Kickers etwas tun wollen", sagt Meti Volkan, 2. Vorsitzender der Kickers Westerwald. Spontan setzte er sich mit Carsten Schellberg vom SV Eintracht Windhagen und mit dem zuständigen DRK-Ortsverband in Verbindung und rief die Aktion ins Leben.

Hilfsbereite Kicker aus Westerwald und Windhagen
Hilfsbereite Kicker aus Westerwald und Windhagen © Kickers Westerwald

"Das Testspiel geriet schnell in den Hintergrund. Nachdem wir bereits Kleiderspenden ablehnen mussten, weil die Hilfsbereitschaft so groß war, konnten wir jede Menge an Hygieneartikeln und Nahrungsmitteln sammeln. Schon während des Spiels konnten das DRK und andere Helfer mehrere Ladungen abtransportieren." Für die nächsten Wochen haben die Kickers Westerwald sich schon neue Hilfsaktionen überlegt. So sollen unter anderem alle Getränkeeinnahmen aus den nächsten Spielen den Betroffenen zukommen.


Vereine stark vom Hochwasser betroffen

Auch für die Amateurvereine waren die Überflutungen ein schwerer Schlag. Gerade jetzt, wo nach langer Corona-Pause der Ball endlich wieder rollen sollte. Im Apollinarisstadion in Bad Neuenahr-Ahrweiler tragen sonst der SC 13 Bad Neuenahr und der Ahrweiler BC ihre Spiele aus. Nach dem Hochwasser ist an Spielbetrieb erstmal nicht zu denken. Die Spielfelder und das Vereinsheim seien "nicht nur überflutet, sondern regelrecht zerstört", teilte der Ahrweiler BC in einem Statement mit. "Den Ahrweiler BC, so wie es ihn noch am Mittwochnachmittag gab, wird es auf absehbare Zeit nicht mehr geben", lautet die düstere Prognose.

Trotz der Zerstörung ihres Vereinsgeländes entschieden sich die Kickerinnen vom SC 13 Bad Neuenahr dazu, erstmal den Betroffenen ihrer Stadt zu helfen, die schwer von der Flut getroffenen wurde. Auch sie eröffneten ein Spendenkonto und riefen ihre Follower auf Instagram dazu auf, für die Opfer der Katastrophe zu spenden. "Viele haben alles verloren und stehen vor dem Nichts. Auch Familien aus unserem Verein sind betroffen", verkündete SC-Präsidentin Manuela Jüngling in der Stellungnahme des Vorstands.

Viele weitere Vereine helfen

Im gesamten Amateurfußball haben sich Vereine bereit erklärt, um den Opfern zu helfen. Um nur einige zu nennen: Der VfB Trebbin startete spontan einen Spendenaufruf während eines Testspiels. Der FC Silschede sammelte Spenden in Höhe von 100 Euro und legte noch 400 Euro dazu. Der 1. CFR Profzheim sammelte Sachspenden und musste wegen der überwältigenden Beteiligung schon am zweiten Tag einen Spendenstopp ausrufen. Der 1. FC Bocholt lädt die Einsatzkräfte aus den Katastrophengebieten zu einem Heimspiel ein und versorgt sie mit Essen und Trinken.

Die Hilfsbereitschaft im Amateurfußball ist riesig, und täglich kommen weitere hilfsbereite Vereine dazu.