18. September 2018 / 20:12 Uhr

Holstein Kiel: Analyse, Aufarbeitung, neuer Anlauf

Holstein Kiel: Analyse, Aufarbeitung, neuer Anlauf

Andrè Haase
Kieler Nachrichten
Holstein-Verteidiger Johannes van den Bergh (re.) im Zweikampf mit Fürths David Atanga. Der 31-jährige Routinier der Störche fordert für die kommenden Auftritte „Verantwortung mit und gegen den Ball“.
Holstein-Verteidiger Johannes van den Bergh (re.) im Zweikampf mit Fürths David Atanga. Der 31-jährige Routinier der Störche fordert für die kommenden Auftritte „Verantwortung mit und gegen den Ball“. © dpa
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Zweite Liga: Holstein Kiel will die 1:4-Niederlage in Fürth schnell aus den Gliedern schütteln – Einige Störche angeschlagen

Zwei Tage hatte KSV-Trainer Tim Walter seinen Störchen nach der herben Pleite bei der SpVgg Greuther Fürth freigegeben. „Das war gut, vor allem um den Kopf freizubekommen“, sagte Linksverteidiger Johannes van den Bergh. Der 31-Jährige hatte wie seine Teamkameraden einiges aufzuarbeiten und stürzte sich anschließend mit vollem Elan in die neue Trainingswoche auf dem Weg zum Heimspiel gegen den VfL Bochum (Sonnabend, 13 Uhr).

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Zwei Trainingseinheiten, zwischenzeitlich Videostudium und viele Gespräche mit der ganzen Mannschaft, Kleingruppen und einzelnen Spielern – so sah das Programm von Holstein-Chefcoach Walter am Dienstag aus. Das Nachmittagstraining begann 75 Minuten später als angekündigt, eben weil die Aufarbeitung der zahlreichen Fehler und Schwächen der Fürth-Partie so viel Zeit einnahm. „Wir haben das Spiel analysiert, das war auch von Nöten“, erklärte van den Bergh. „Wir werden unsere Lehren aus der Niederlage ziehen und in der Trainingswoche an den Themen arbeiten.“

So standen vor allem spielnahe Situationen wie Unterzahlverteidigung, Angriffe über die Flügel und das Umschaltspiel in beide Richtungen im Fokus. Vor allem Letzteres sah am Sonnabend gegen die Franken überhaupt nicht gut aus. „Der Kernpunkt ist die Verantwortung mit und gegen den Ball“, beschrieb van den Bergh das Ergebnis der Analyse. „Wir müssen einfache Ballverluste vermeiden, das ist uns in Fürth gar nicht gelungen. Unser Umschaltspiel hat im gesamten Verbund nicht funktioniert. Und wir müssen schlicht besser verteidigen. Unser Spiel ist risikobehaftet, dafür brauchen wir in allen Teilen eine hohe Verantwortung für die Situationen.“

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Das Gegentor zum 0:3 war exemplarisch für die Schwächen im KSV-Spiel. Linksverteidiger van den Bergh tauchte auf dem rechten Flügel auf und verlor den Ball. Fürth schaltete blitzschnell um, schuf trotz eigentlich ordentlicher Kieler Verteidigungsposition Überzahl und verwertete den Konter eiskalt – die Vorentscheidung. „Fürth war einfach schneller im Kopf, wir haben schlecht umgeschaltet“, fasste van den Bergh zusammen und ergänzte ein grundlegendes Problem der Störche: „Insgesamt ist unser Ertrag im Vergleich zum Aufwand – zum Beispiel der Laufleistung – zu gering. Wir müssen mehr daraus machen.“ Diese klaren Worte kommen nicht von ungefähr.

Holstein Kiel: Das Training am Dienstag

Während seine Kollegen die Warmmachphase begonnen haben, bekommt Flügelturbo Kingsley Schindler (re.) noch ein paar Anweisungen von Coach Tim Walter. Zur Galerie
Während seine Kollegen die Warmmachphase begonnen haben, bekommt Flügelturbo Kingsley Schindler (re.) noch ein paar Anweisungen von Coach Tim Walter. ©

Mit 31 Jahren und 86 Bundesliga- sowie 136 Zweitligaspielen ist der gebürtige Niedersachse einer der wichigen erfahrenen Spieler im Storchennest – und gerade in solch einer Situation wie aktuell gefordert. „Ich versuche als erfahrener Spieler voranzugehen. Das kann man verbal, aber auch durch die Körpersprache“, sagt van den Bergh. „Ich bin aber ein Freund davon, zuerst auf die eigene Leistung zu schauen. Wenn die stimmt, kann man auch Ratschläge geben. Ich beobachte viel, und wenn ich sehe, dass ein junger Spieler den Kopf hängen lässt, oder sich etwas in die falsche Richtung entwickelt, gehe ich hin und spreche das an.“ Die Möglichkeit dazu bestehe in der professionellen Atmosphäre jederzeit. „Wir bekommen vom Trainerteam Raum, damit sich Hierarchien entwickeln können. Wir sprechen viel untereinander – wenn es sein muss, auch mal in einem raueren Ton.“

Rau war der Ton am Dienstag auf dem Trainingsplatz nicht, vielmehr konstruktiv und Ausdruck der Konzentriertheit. Zur Sache ging es dennoch. Den Störchen war anzumerken, dass die erste Saisonniederlage an ihnen nagt, gleichzeitig aber wurde auch deutlich, dass sie willens sind, diesen Auftritt so schnell wie möglich vergessen zu machen. Leidtragende der Intensität waren Mathias Honsak, der nach einem Kopfballduell unsanft auf die Hüfte fiel und kurz behandelt wurde, und Neuzugang Masaya Okugawa. Für den Japaner war das Training nach einem Duell mit Innenverteidiger Dominik Schmidt beendet, er bekam einen Schlag auf den Unterschenkel und knickte um. Über die Schwere der Verletzung ist bislang nichts bekannt.

Masaya Okugawa musste das Training nach einem Zweikampf mit Dominik Schmidt abbrechen.
Masaya Okugawa musste das Training nach einem Zweikampf mit Dominik Schmidt abbrechen. © Andrè Haase

Nicht dabei waren außerdem Aaron Seydel (Reizung in der Ferse), Steven Lewerenz (Rücken), Benjamin Girth (Muskuläre Probleme) und Keeper Timon Weiner (DFB-Lehrgang).

Training am Dienstagnachmittag

Wer steigt auf? Wer steigt ab?

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Von 2018 bis 2021 stand Janni Serra bei Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag. In dieser Zeit kam der Stürmer 91 Mal zum Einsatz und erzielte 35 Tore. Nach seinem Vertragsende bei Holstein Kiel wechselt Serra zur Saison 2021/22 in die Bundesliga zu Arminia Bielefeld. Zur Galerie
Von 2018 bis 2021 stand Janni Serra bei Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag. In dieser Zeit kam der Stürmer 91 Mal zum Einsatz und erzielte 35 Tore. Nach seinem Vertragsende bei Holstein Kiel wechselt Serra zur Saison 2021/22 in die Bundesliga zu Arminia Bielefeld. ©