19. März 2019 / 05:55 Uhr

Holstein Kiel: Zauber-Linksfuß Lászlo Bénes zeigt bei Aue-Gala, wozu er fähig ist

Holstein Kiel: Zauber-Linksfuß Lászlo Bénes zeigt bei Aue-Gala, wozu er fähig ist

Marco Nehmer
Kieler Nachrichten
Lászlo Bénes bejubelt einen seiner Treffer.
Lászlo Bénes bejubelt einen seiner Treffer. © Paesler
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Ein linker Fuß lässt die Liga erzittern. Es ist der von Lászlo Bénes, Leihspieler von Fußball-Zweitligist Holstein Kiel. Am Freitag gegen Erzgebirge Aue schlug der Slowake gleich viermal mit seinem Zauberfuß zu. Zwei Tore, zwei Vorlagen – eine Leistung, die man Weltklasse nennen kann. Eine, die die Fantasie beflügelt, wo der Karriereweg den 21-Jährigen noch hinführen könnte. Klar ist: Das Teilstück Kiel ist bald wieder Geschichte. Jetzt, wo die Erfolgsstory erst angefangen hat. Schade eigentlich.

Ende Januar hatte Bénes bei den Störchen einen Leihvertrag bis zum Saisonende unterschrieben. Der Plan: Sein Stammverein Borussia Mönchengladbach gibt einen hochtalentierten jungen Mittelfeldspieler zeitweise ab, um Spielpraxis zu gewährleisten – und Holstein bekommt einen Profi aus dem oberen Regal, der den Handlungsspielraum bis in den Mai hinein erweitert. Ein Konzept, das nun voll aufzugehen scheint. Das Aue-Spiel war Bénes’ bisheriges Meisterstück.

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Der goldene Brandschuh

„Lászlo hat einen überragenden linken Fuß“, staunte Rückkehrer Aaron Seydel nach dem Spiel. Bénes hatte ihm mit einem maßgenauen Eckball sein Tor beim Comeback geradezu aufgezwungen. Der Schlusspunkt einer Gala, die Bénes mit einer Freistoß-Vorlage für Mathias Honsak eingeleitet hatte und der er zwei eigene, technisch überragende Treffer hatte folgen lassen. Lászlo Bénes, der Mann mit der linken Fackel. Der goldene Brandschuh.

„Ich habe auf dem Platz ein gutes Gefühl gehabt“, sagte Bénes

„Ich habe versucht, meine Standards so zu schlagen, dass der Torwart nicht herankommen kann“, erklärte der Mann der Stunde in seiner sympathischen Bescheidenheit. Fußball kann so einfach sein – wenn man mit dem Talent eines Lászlo Bénes gesegnet ist. Der beim slowakischen Spitzenklub MSK Zilina ausgebildete Bénes spielte gegen Aue etwas höher als sonst, war so mehr in die letzten und vorletzten Aktionen eingebunden. „Ich habe auf dem Platz ein gutes Gefühl gehabt“, sagte Bénes am Montag, mit etwas Abstand zum denkwürdigen Abend, an dem er mit Ideenreichtum und Überzeugung wieder und wieder gefährliche Situationen kreierte, 69 Prozent seiner Zweikämpfe gewann, starke elf Kilometer lief. Der komplette Auftritt eines kompletten Spielers.


Es folgte der Schritt nach Kiel. Und offenbar war es genau der richtige. Für Bénes, für Gladbach, für Holstein.

Eines Spielers, der Vertrauen braucht. In sich, in seinen Körper. Ein Mittelfußbruch hatte ihn im September 2017 monatelang außer Gefecht gesetzt. Kurz nach seiner Rückkehr machte eine eingesetzte Platte Probleme. Eine Operation war unumgänglich. Wieder raus, wieder nur Zuschauer. Zu Beginn dieser Saison kehrte er zurück, doch Fohlen-Trainer Dieter Hecking brachte ihn nur ein einziges Mal: 26 Minuten gegen Hoffenheim im Dezember. Es folgte der Schritt nach Kiel. Und offenbar war es genau der richtige. Für Bénes, für Gladbach, für Holstein. Kurzeinsatz gegen Heidenheim, dann Startelf-Premiere zuhause gegen Regensburg mit zwei Vorlagen. Startelf in Magdeburg, Vorlage gegen Fürth. Wieder zwei Kurzeinsätze – und nun die Explosion gegen Aue. „Er traut sich mehr, verinnerlicht mehr“, erklärte Trainer Tim Walter die Grundlagen der Gala.

„Der Nationaltrainer hat gesagt, dass er sich zwischen mir und einem anderen Spieler entscheiden musste. Er hat sich dann so entschieden, weil ich etwas weniger Spielpraxis habe“, sagt Bénes.

Nun ist Länderspielpause. Die Spiele der slowakischen Nationalmannschaft, für die Bénes bisher einmal auflief, werden ohne ihn stattfinden. „Der Nationaltrainer hat gesagt, dass er sich zwischen mir und einem anderen Spieler entscheiden musste. Er hat sich dann so entschieden, weil ich etwas weniger Spielpraxis habe“, sagt Bénes. „Wenn ich aber weiter gut spiele, habe ich eine Chance.“ Am Donnerstag ab 13 Uhr wird er zunächst einmal mit der KSV in Berlin gegen Bundesligist Hertha BSC testen. Und für den Moment schließt sich dort für Bénes ein Kreis: Gegen die Hertha hatte er im April 2017 sein erstes Ausrufezeichen in der Bundesliga gesetzt. Startelf-Debüt im Borussia-Park vor 44000 Zuschauern. Schütze des 1:0-Siegtors. Stehende Ovationen bei seiner Auswechslung nach 85 Minuten. Und das nächste Highlight folgt schon bald: Auswärtsspiel in der Liga beim großen rheinischen Rivalen der Gladbacher: dem 1. FC Köln. Dann galoppiert er nicht mit den Fohlen, sondern fliegt mit den Störchen – vielleicht sogar zum Sieg? „Warum sollen wir nicht auch beim Spitzenreiter gewinnen?“, fragt Bénes. Mit ihm in der Form vom Freitag scheint alles möglich.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

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Von 2018 bis 2021 stand Janni Serra bei Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag. In dieser Zeit kam der Stürmer 91 Mal zum Einsatz und erzielte 35 Tore. Nach seinem Vertragsende bei Holstein Kiel wechselt Serra zur Saison 2021/22 in die Bundesliga zu Arminia Bielefeld. ©
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